Mit der Pole hatte Ferrari in Las Vegas nie wirklich rechnen wollen. Das dieses Jahr reifenschonende Auto bekommt seine Reifen im Qualifying meist nur schwer auf Temperatur, und bei einem Asphalt mit nur 14 Grad wiegt das doppelt schwer. Umso größer die Freude - zumindest bei Carlos Sainz - über einen starken zweiten Startplatz.

"Etwas näher an der Pole als ich eigentlich erwartet habe!", so Sainz. Nur 98 Tausendstel war seine 1:32,410 langsamer als der Mercedes von George Russell. "Davor war meine beste Runde eine 32,7. Also habe ich in der letzten Runde drei Zehntel gutgemacht. Hat sich gut angefühlt. Da habe ich die Grenzen ausgelotet."

Ein großer Etappensieg für Ferrari, wo doch Mercedes bei diesem kühlen Wetter einen merklichen Vorteil hat. Das zeigt sich auch bei der genauen Analyse der Rundenzeiten. Sainz verlor im ersten Sektor über drei Zehntel auf Russell. "Dann sind wir zurückgekommen, je länger die Runde war." Bloß waren die restlichen zwei Sektoren nur lang genug, um zwei der drei Zehntel zurückzuholen.

Charles Leclerc muss sich geschlagen geben: Lob an Carlos Sainz

Dabei erging es Sainz aber um einiges besser als Teamkollege Charles Leclerc, der sich auf einem enttäuschenden vierten Platz sogar dem Alpine von Pierre Gasly geschlagen geben musste. Leclerc verlor im ersten Sektor sechs Zehntel auf Russell - doppelt so viel wie Sainz: "Keine Ahnung, was ich auf der letzten Runde falsch gemacht habe. Aber irgendwas habe ich falsch gemacht, weil die Reifen sich unglaublich schlecht angefühlt haben."

"Ich kam in Kurve eins an und hatte null Grip", so Leclerc. Die Schuld nimmt er voll auf sich: "Ganz ehrlich, Carlos hat seit FP2 hier tolle Arbeit geleistet. Er hat hier was verstanden, das ich nicht so recht kopieren konnte."

Die Plätze zwei und vier sind jedoch ein wichtiger Teilerfolg für das Las-Vegas-Wochenende. Beide Fahrer sind nun absolut in Schlagdistanz für den Sieg. Nicht zuletzt, weil sie in den Longruns am Vortag sehr stark aussahen. "Da bin ich positiver eingestellt, da sind wir stark", bestätigt Leclerc. Bloß um die ersten paar Runden nach dem Start auf kalten Reifen sorgt er sich. Aber da man hier überholen kann, lautet die Maxime bloß: Keine Fehler machen.

Kampfansage von Ferrari für Rennen in Las Vegas

"Danach werden wir stark sein", kündigt Leclerc an. Das ist auch wichtig, denn in der Konstrukteurs-WM tut sich in Las Vegas eine große Chance auf. Die beiden McLaren stehen nur auf den Plätzen sechs und acht. "Wir brauchen ehrlich gesagt aber auch Siege,", fordert Sainz mit Blick auf die Punktetabelle. 36 Zähler liegt Ferrari drei Rennen vor Schluss noch zurück, und in Katar fürchtet man aufgrund der Kurvencharakteristik eine um einiges schlechtere Performance.

"Wir können es uns nicht leisten, einfach vor ihnen zu sein, denn sie haben eine große Lücke in der WM", mahnt Sainz. Das bringt einen wichtigen Faktor noch für das Las-Vegas-Rennen auf: Die Teamorder. Man denke nur etwa zurück an Austin, wo sich die beiden im Sprint rundenlang beharkten und daher erst verspätet Jagd auf Lando Norris und Max Verstappen machen konnten.

"Ich glaube, wir sind beide primär daran interessiert, die Konstrukteurs-WM zu holen", winkt Sainz ab. "Und wir arbeiten noch besser zusammen als jemals zu vor. Außerdem bin ich sehr weit von ihm in der Meisterschaft weg, mit den zwei oder drei Nullern, die ich in diesem Jahr hatte." In der Fahrer-WM liegt Leclerc mit 307 Punkten fest auf Kurs zu Platz drei. Sainz hat mit 244 nur äußerst theoretische Chancen, seinen Teamkollegen noch einzuholen.