Endlich kann Mercedes aufatmen. Das ganze bisherige Las-Vegas-Wochenende traute sich das Team nicht, aus den sich immer weiter anhäufenden Bestzeiten auf echte Chancen zu schließen. Im Qualifying aber machte George Russell mit seiner dritten Pole des Jahres den Sack zu. Nachdem er wenige Minuten zuvor fast mit einem Mauer-Kontakt aber für einen Total-Ausfall gesorgt hatte.
Alle drei Trainings, Q1 und Q2 hatte davor ein Mercedes auf dem ersten Platz beendet. Lewis Hamilton zerstörte sich seine Chancen auf die Pole allerdings in Q3 mit mehreren Fehlern selbst. Beinahe folgte ihm Russell unter dem immer weiter ansteigenden Druck: "Was davor kam, zählt schließlich nicht." Besonders Ferrari war permanent in Schlagdistanz.
Russell touchiert im Qualifying Beton und kommt davon
"Ich wusste, eine saubere Runde würde für die erste Reihe reichen", so Russell. Doch beim Griff nach mehr war die erste Q3-Runde zu ambitioniert. Am Ausgang von Kurve fünf gab er der Betonwand einen doch anständigen Kuss mit der linken Fahrzeugseite: "Dann mussten wir den Frontflügel wechseln. Da gab es einen Moment, zu dem ich dachte, dass wir es nicht mehr schaffen würden."
Aber alle Reparaturen und Checks wurden gerade rechtzeitig fertig. So bekam Russell sogar seine davor noch am Funk erbetene Ideal-Position als letzter Fahrer auf der Strecke. Er wollte unbedingt den bestmöglichen Grip auf einem staubigen und rutschigen Asphalt, der praktisch im Minutentakt in diesem Qualifying besser wurde.
Natürlich war das ein Risiko, sollte jemand vor Russell verunfallen. Aber in seinen Augen war es das wert: "Zwischen dem ersten und dem letzten Auto auf der Runde war es wohl über eine Zehntel." Bei nur 98 Tausendstel Vorsprung auf den Ferrari von Carlos Sainz hätte Russells Schätzung - wenn akkurat - durchaus Relevanz.
Russell setzt Mercedes-Vorteil in Las Vegas erfolgreich um
Erleichterung bringt Russells Pole für Mercedes insofern, da das Team das starke Wochenende auch endlich einmal wieder in eine Pole umsetzen konnte. Allzu oft gab es 2024 schließlich einzelne Sessions, wo das Team gut aussah, nur um dann von der Konkurrenz im Qualifying wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden.
Warum passierte das in Las Vegas nicht? Es müssen einfach die kühlen Bedingungen und der geringe Grip sein, urteilt das Team. "Wir haben nichts Spezielles für Las Vegas gemacht", erinnert Russell. Die Rundenzeiten-Vergleiche mit anderen Teams unterstreichen die These. Kein einziger Fahrer kam im ersten Sektor bis auf drei Zehntel an Russell heran. Auch wenn Sainz über den Rest der Runde verteilt wieder zwei Zehntel aufholen konnte.
"Es gibt bestimmte Kurven, in denen dieses Auto gut abliefert, besonders im ersten Sektor fühlt es sich an wie auf Schienen", ergänzt Russell. Damit klingt er ganz anders als alle seiner Konkurrenten, die sich schon das ganze Wochenende über den geringen Grip in Las Vegas aufregen.
Bleibt nur noch die Herausforderung Rennen. Der Druck vonseiten Ferrari wird jedenfalls nicht nachlassen. In den Trainings waren Charles Leclerc und Carlos Sainz klar schneller gewesen als Mercedes. "Es wird im ersten Stint ums Überleben gehen, und dann schauen wir mal", erwartet Russell Unvorhersehbarkeit. "Hier in Las Vegas kann alles passieren."



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