Wenig Grip, wenig Balance, eine einzige Rutschpartie. Die Schwierigkeiten bei Red Bull zogen sich in Las Vegas wie ein roter Faden durch das bisherige Formel-1-Wochenende. Auch im Qualifying sollte der Sprung nach ganz vorne ausbleiben. Am Ende reichte es für Max Verstappen nur für Startposition fünf. Woran hat es gelegen?
"Wir waren einfach ein bisschen zu langsam", analysierte Verstappen nach der Session. Dafür seien gleich mehrere Aspekte verantwortlich gewesen: "Die Reifen waren das Hauptproblem. Ich hatte Schwierigkeiten, sie über eine Runde hinweg zum Arbeiten zu bekommen." Um dem zu trotzen, fuhr der 27-Jährige neben der normalen Outlap noch eine weitere Aufwärmrunde - ohne Erfolg.
Erschwert wurden diese Probleme durch ein suboptimales Setup seines RB20. "Auf den Geraden sind wir zu langsam, vor allem im Qualifying", so der Niederländer. "Unser Heckflügel ist schon deutlich abgespeckt, insbesondere um den DRS-Flap herum. Wenn wir also das DRS öffnen, gewinnen wir nicht so viel Zeit, wie die anderen."
Das Heckflügel-Drama ließ die amtierenden Weltmeister schon in Monza enttäuscht zurück. Im Hause Red Bull wurde nämlich kein kleiner Flügel mit geringem Luftwiderstand entwickelt, sondern lediglich auf eine Medium-Downforce-Konfiguration gesetzt.
Eine Herangehensweise, die dem Team auf Hochgeschwindigkeitskursen wie in Monza und Las Vegas teuer zu stehen kommt. Nicht zur Freude Verstappens: "Ich weiß nicht, ob es Sinn ergibt, aber für mich fühlt es sich so an, als würden wir so zwei Rennwochenenden wegwerfen."
Weit von der Pole-Position entfernt, aber trotzdem mit F1-Matchball!
Schadensbegrenzung also durch Position fünf? "Ich habe alles gegeben, was ich konnte, und war sehr nah an P3 dran. Kleine Details hätten vielleicht ein bisschen besser sein können", betonte Verstappen. Tatsächlich fehlte nur etwas mehr als eine Zehntelsekunde auf den drittplatzierten Pierre Gasly, auf die Pole war es allerdings schon fast eine Sekunde. "Insgesamt bin ich zufrieden mit meiner Runde, da war nicht viel mehr drinnen", gab Verstappen zu verstehen.
Das Trostpflaster: Verstappens Titelkonkurrent Lando Norris tat sich im Qualifying ebenfalls schwer. Der McLaren-Pilot wird das Rennen neben Verstappen von der dritten Startreihe aus aufnehmen - allerdings hinter dem Auto mit der Nummer eins. Vorteil also beim Niederländer. "Heute ist es schön, aber morgen ist es wichtiger", gab er zu verstehen. Norris‘ Sicht: „Ob er morgen gewinnt oder nicht, ändert nichts für mich.“
Würde das Duo in dieser Reihenfolge am Renntag ins Ziel fahren, wäre Max Verstappen rechnerisch nicht mehr zu schlagen und würde zwei Rennen vor Saisonende zum vierten Mal in Folge als Weltmeister feststehen. Alle Konstellationen, wie er diesen Meilenstein erreichen kann, haben wir hier aufbereitet:
Red Bull im Renntrimm: Ein großes Fragezeichen
Könnte das Flügelproblem Verstappens Traum vom vorzeitigen Titelgewinn in Las Vegas einen Strich durch die Rechnung machen? "Ich glaube, morgen wird der Flügel ein bisschen normaler sein", beruhigte der amtierende Weltmeister. Er konkretisierte: "Man benutzt nicht jede Runde das DRS, dann ist das ein geringeres Problem."
Eine Aufholjagd wie in Brasilien scheint dennoch unrealistisch: "Wenn man im Rennen probiert, zu überholen, hat man einen geringeren [DRS, d. Red]-Effekt. Das wird also etwas schwieriger." Sein Ziel für den Grand Prix: "Hoffentlich kann ich mit dem Alpine kämpfen. Ich glaube nicht, dass ich im Moment mit Mercedes oder Ferrari mithalten kann."
Vollständig sicher ist er sich, was den Renntrimm angeht, allerdings nicht: "Ich glaube, es ist ein großes Fragezeichen, wie sich die Reifen verhalten werden. Von meiner Seite waren beide Longruns nicht besonders gut." Seine Hoffnung: "Alles sieht schon viel besser als gestern aus und hoffentlich sind wir durch die Dinge, die wir am Auto geändert haben, konkurrenzfähiger."
Eine ähnliche Einstellung vertritt auch Teamchef Christian Horner: "Das ist eine Strecke, auf der man definitiv überholen kann." Seine Prognose für den Grand Prix: "Jeder in den ersten vier Startreihen kann das Rennen gewinnen und es wird sehr interessant zu sehen sein, wie es morgen läuft."
Genau so interessant wird der Renntag auch für den neuen Rennleiter Rui Marquez. Dieser erlebt in Las Vegas seine Feuertaufe, nachdem Niels Wittich seinen Posten räumen musste. Ein großer Fehler, meint unser Formel-1-Experte Christian Danner. In diesem Video erfahrt ihr mehr darüber. Gleich mal reinschauen:



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