Das wohl größte Spektakel in einem generell unterhaltsamen Sprint bei der Formel 1 in Austin geht auf das Konto von zwei Teamkollegen. Vom Start weg attackierten sich Charles Leclerc und Carlos Sainz in einem schonungslosen Duell. War dieses zu rücksichtslos? Denn am Ende holte Sainz noch den zweiten Platz von Lando Norris. Und Max Verstappen wäre nur 3,9 Sekunden weiter weg gewesen. Zeit, die man im Duell verspielt hat?

Am Start war Leclerc ursprünglich auf den vierten Platz direkt vor Sainz zurückgefallen. Der witterte sofort seine Chance: "Nach der ersten Runde sah ich schon, dass wir gute Pace hatten, dass ich mit den Jungs vorne mithalten konnte. und dann ging's ans Racing! Das waren ein paar aufregende Fights mit Charles."

Leclerc & Sainz provozieren Ferrari-Fight mit unterschiedlicher Taktik

Eine Rolle spielte, dass Leclerc eben nicht gleich dachte wie Sainz: "Ich denke, Carlos wollte so schnell wie möglich fahren. Ich versuchte, meine Reifen für später aufzusparen." Schnell kam Leclerc am Funk mit der Bitte, man solle Sainz doch übermitteln, dass man sich besser gemeinsam nach vorne orientieren solle.

Die Box tat Leclerc den Gefallen nicht. "Nein, weil es im Rennen auf und ab geht - eine Runde hast du Pace und pushst, dann ist es eine Runde später schwieriger", erklärt Ferrari-Teamchef Fred Vasseur auf 'F1 TV'. " Es wäre ein Fehler gewesen, das zu tun. Wir vertrauen ihnen, und sie haben gute Arbeit geleistet. Sie haben sich nicht berührt."

Die Renn-Entwicklung der Spitzengruppe im Austin-Sprint, Foto: Karim Cherkaoui / Motorsport-Magazin.com
Die Renn-Entwicklung der Spitzengruppe im Austin-Sprint, Foto: Karim Cherkaoui / Motorsport-Magazin.com

In Runde fünf setzte sich Sainz endlich gegen Leclerc durch, nachdem die beiden mehrere Runden über in mehreren Kurven nebeneinander gefahren waren. Nachdem das aussortiert war, nahm Sainz schnell George Russell vor ihm Platz drei ab, und begann dann zum zweitplatzierten Lando Norris aufzuholen. Jetzt wieder mit Leclerc im Schlepptau, der nun nach seinem anfänglichen Reifensparen das Tempo anzog.

Rückblickend war die Taktik ein Fehler: "Wäre gut für eine Grand-Prix-Distanz gewesen. Hier war das vielleicht ein bisschen zu sparsam." Das zeigte Sainz, der sich am Ende zwar begann über die Reifen zu beschweren, aber trotzdem Norris noch so unter Druck setzen konnte, dass der sich auf der letzten Runde verbremste und Sainz den zweiten Platz schenkte. Leclerc konnte den McLaren nicht mehr knacken und wurde Vierter.

Ferrari glänzt im Austin-Sprint beim Reifenverschleiß

Was die Frage aufwirft, ob sich die beiden ohne Duell eventuell Russell und Norris schneller abgefertigt und Sprint-Sieger Max Verstappen gefordert hätten. "Ein Rennen mit Max hätte Spaß gemacht, aber momentan sind wir hier", zweifelt Sainz. Das Problem ist, dass das Auto einfach im Qualifying-Trimm nicht die letzten ein, zwei Zehntel hat, die es braucht.

Deshalb starteten beide Fahrer schon von zu weit hinten und mussten im Sprint so oder so kämpfen - während Verstappen sich vorne in freier Fahrt die Reifen besser einteilen konnte. Das Qualifying-Problem sehen beide Fahrer in Austin auch so schnell nicht als lösbar an.

Trotzdem ist die Rennpace ein Grund zur Freude. Wer nach so vielen Zweikämpfen am Ende des 19 Runden langen Sprints noch relativ gute Pace übrig hat, der kann sich auf den Grand Prix freuen. "Ich bin überrascht, dass wir so wettbewerbsfähig sind", räumt Sainz ein. "Das ist eine normalere Rennstrecke mit langen, zusammenhängenden Kurven, wo wir normalerweise Probleme haben." Der Sprint scheint erneut zu beweisen: Das in Monza eingeführte Update ist ein Volltreffer.