Die letzte Runde des Formel-1-Sprints in Austin war Wasser auf die Mühlen der Kritiker von Lando Norris. Das Nervenkostüm des McLaren-Piloten war nämlich vor wenigen Tagen von Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko im Interview bei Motorsport-Magazin.com in Frage gestellt worden, was McLaren-CEO Zak Brown sauer aufgestoßen war.

Doch ausgerechnet beim ersten Rennen seit dieser Kritik ließ sich Norris in der letzten Runde die Butter vom Brot nehmen. Als er den Versuch unternahm, sich gegen Ferrari-Fahrer Carlos Sainz zur Wehr zu setzen, verbremste sich der Brite in Kurve 1 und verlor dadurch Platz 2. Waren es die Nerven, die ihm P2 kosteten? Norris dementiert einen Zusammenhang. Seiner Ansicht nach war der Kampf gegen seinen Ex-Teamkollegen sowieso schon aussichtslos.

Lando Norris sicher: Hätte Platz 2 sowieso verloren

"Egal was ich getan hätte, Carlos wäre vorbeigegangen. Meine Reifen waren am Ende komplett fertig", behauptete Norris. "Entweder verteidige ich gar nicht und Carlos überholt mich innen, oder ich verteidige mich und belaste die Reifen zu stark", so Norris. Er entschied sich für die zweite Option. Das Resultat war der Verbremser.

"Man muss mit allem so vorsichtig sein. Es ist sehr einfach, über das Limit zu gehen, dadurch habe ich den Preis dafür bezahlt", erklärte er. Das sei unter dem Strich gar nicht so schlecht gewesen. Denn: "So hatte ich gutes DRS von ihm (Sainz) und konnte Charles ein bisschen auf Abstand halten." Charles Leclerc attackierte in Kurve 15, doch Norris konnte den Angriff abwehren. Mit fairen Mitteln, wie die Stewards übrigens nach einer kurzen Untersuchung feststellten.

Dass sich seine Reifen am Rennende nicht mehr in so einem gutem Zustand befanden wie jene der Konkurrenz führt Norris auf die allgemeine Pace zurück. Dort sieht er sich gegen Sainz und Leclerc klar im Hintertreffen. "Sowohl Ferrari als auch Red Bull sind schneller als wir. Mit Red Bull ist es vielleicht knapp, aber wenn ich mir die Daten im Vergleich zu gestern anschaue, sind wir weit von dem entfernt, was Ferrari und Mercedes erreichen konnten", analysierte Norris.

Mercedes konnte im Sprint jedoch nicht die Trainings- und Qualifying-Leistung bestätigen. George Russell brachen die Reifen noch früher ein als Norris, Lewis Hamilton musste von den Top-6 abreißen lassen und schloss gegen Rennende nur zu seinem Teamkollegen auf.

Maximale Schadensbegrenzung? Norris: Ferrari war auf einem anderen Level

Dennoch geht Norris von der Annahme aus, dass ihm beim Kurzrennen am Samstag in Austin maximale Schadensbegrenzung gelungen ist. Ein wichtiger Schritt dorthin war die erste Kurve. Dort ging Norris, der sich auf P4 qualifiziert hatte, umgehend an Leclerc und Russell vorbei und kam überhaupt erst dadurch in den Genuss des zweiten Platzes, den er bis kurz vor Schluss halten konnte.

Polesetter Max Verstappen (Red Bull) führt nach dem Start vor George Russell im Mercedes und Lando Norris im McLaren
In Kurve 1 kam Lando Norris von P4 auf P2, Foto: LAT Images

"Ich dachte mir schon, dass ich Max niemals bekommen könnte. Wir hatten das ganze Wochenende zu kämpfen, also waren meine Chancen gering. Aber ich habe das Beste getan, um etwa meine Reifen zu managen ", ist Norris überzeugt, "die Ferraris waren nur im Vergleich zu uns auf einem anderen Level. Die Chancen lagen praktisch bei null, dass ich den zweiten Platz halten könnte."

Es ist noch nicht aller Tage Abend in Austin. Denn zwischen dem Sprint und dem Qualifying haben die Ingenieure noch die Möglichkeit, Hand an der Abstimmung der Boliden anzulegen. Erst anschließend greift wieder Parc Ferme. Dass McLaren dadurch zu Ferrari aufschließen kann, glaubt Norris aber nicht.