Die vergangenen Monate kannten in der Formel 1 nur einen Trend: Red Bull hatte Probleme und Max Verstappens Vorteil gegen Lando Norris in der Weltmeisterschaft wurde dadurch von Rennen zu Rennen kleiner. In Baku reichte ihm nicht einmal ein Vorsprung von neun Startplätzen, um Norris hinter sich zu halten, in Singapur war der McLaren-Pilot in einer anderen Liga.

Doch just als sich die Formel-1-Welt mit dem Beginn des Amerika-Tripleheaders auf einen engen WM-Kampf einstellte, scheint der Trend gebrochen zu sein. Max Verstappen war im Austin-Sprint wieder der Fahrer, der den Ton angab und fuhr wie eh und je einem nie gefährdeten Sieg entgegen. So als hätte es die letzten fast vier Monate seit seinem letzten Erfolg im Österreich-Sprint nie gegeben.

Max Verstappen nach Sprint-Sieg: Wie in alten Zeiten

"Das hat sich wieder angefühlt, wie in den guten alten Zeiten", zeigte sich der Niederländer, der in der jüngeren Vergangenheit selten ein gutes Wort zu seinem RB20 verloren hatte, bei den Interviews nach der Zieldurchfahrt erleichtert. "Das Fahrgefühl fühlt sich ein bisschen runder an. Ich denke, das ist es, was uns gefehlt hat", erläuterte er später in der Pressekonferenz.

Verstappens Pole Position für den Sprint am Freitag zeigte schon, dass es dem an diesem Wochenende mit frischen Updates ausgestatteten Red Bull nicht an Pace mangelt, der Sprint unterstrich es. "Über eine Runde kann man die Probleme etwas überdecken, aber für ein ganzes Rennen benötigt man ein ausbalanciertes Auto. Damit hatten wir in den letzten Rennen zu kämpfen und heute war es definitiv viel besser", so der dreifache Formel-1-Weltmeister.

Leader Max Verstappen im Red Bull
Max Verstappen hatte den Austin-Sprint immer im Griff, Foto: LAT Images

Wie in den guten alten Zeiten hörte sich auch die Renn-Zusammenfassung von Verstappen nach dem Sprint an. Die Konkurrenz bereitete ihm wenig Sorgen, "Es ging nur um die Strecke und den neuen Asphalt und darum, dass an einigen Stellen die Referenzmarken etwas anders sind. Außerdem hat man mit dem Sprint-Format etwas weniger Informationen", erklärte er die Prioritäten während den 19 Runden am Samstagnachmittag.

Dass WM-Rivale Lando Norris am Start Position 2 bezog und somit direkt hinter Verstappen auf der Strecke lag, verursachte keine zusätzlichen Sorgenfalten. Denn entgegen dem Trend der letzten Rennen gingen dem Briten die Reifen früher ein als Verstappen. Auch George Russell, der lange Zeit P3 belegte, brachen im Laufe des Sprints die Pneus ein. So hatte MV33 immer alles unter Kontrolle.

Red Bull fürchtet Ferrari: Ist die Scuderia der Favorit auf den GP-Sieg?

Doch trotz des ungefährdeten Sieges im vierten Formel-1-Sprint der Saison ist Verstappen nicht unbedingt auch der Favorit für denn Rennsieg am Sonntag. Denn nicht Norris, nicht die im Qualifying bärenstarken Mercedes, sondern das Ferrari-Duo war es, das im Samstagsrennen einen starken Eindruck hinterließ.

"Es ist schwierig zu sagen, wie es über die Renndistanz aussehen wird, aber die Ferraris sahen heute sehr schnell aus", stellte der dreifache Austin-Sieger fest. Es ist noch zu früh, um abzuschätzen, ob Red Bull über den Berg ist und Verstappen nach dem USA-GP tatsächlich freies Geleit zu seinem vierten WM-Titel haben könnte. Aber mit 54 Punkte Vorsprung und diesem Sprint-Sieg, geht es sich für Verstappen leichter ins Qualifying, das heute ab Mitternacht (MESZ) über die Bühne geht.