Es war die perfekte Ausgangsposition für Lando Norris gewesen. Auf Pole bei der Formel 1 in Brasilien, Rivale Max Verstappen nur auf Startplatz 17. Am Ende jubelt Verstappen jedoch über einen dominanten Sieg. Norris verblasst in einem chaotischen Regenrennen. 31,372 Sekunden hinter Verstappen kam er auf dem sechsten Platz ins Ziel. Wer hat Schuld? Norris will die weder auf eine unglückliche Strategie noch auf sich selbst abladen.

Obwohl die Bilanz im Rennen nicht gut aussah. Seine Pole verlor Norris auf den ersten Metern an George Russell. "Zu viel durchdrehende Räder", resigniert er. "Ein nasser Start ist immer ein bisschen ein Gamble." Dann hing er Russell ewig im Heck und schien schneller zu können. Doch McLaren hatte nach dem Sprint in Erwartung des Regens größere Flügel montiert. Mangels Tospeed schien Norris hinter dem Mercedes zu verhungern. Später wiederholte sich das hinter Charles Leclerc.

"Nein, nichts mit dem Flügel hätte heute geholfen", wehrt sich Norris, der schätzt, dass er in Wahrheit ungefähr gleich schnell war wie Russell. Kurz schien es jedoch bei stärker werdendem Regen zu einem Durchbruch zu kommen: Norris und Russell wechselten in Runde 29 auf neue Intermediates. In Runde 30 überholte Norris den bei viel stehendem Wasser sehr vorsichtig fahrenden Mercedes hin zu Kurve 4.

Norris ärgert sich über Safety-Car-Pech: Kein Fahrer mag dumme Regel

Doch dann folgte in kurzer Abfolge ein Safety Car und eine rote Flagge. Das spülte Max Verstappen und die beiden Alpine, die nicht gestoppt hatten, an Norris vorbei in Führung. "Es war richtig", wehrt Norris Boxenstopp-Kritik ab. Bei dem stärker werdenden Regen waren die alten Intermediates vom Start nicht mehr besonders leicht zu fahren. Wohl hätten in seinen Augen alle letztendlich stoppen müssen.

George Russell im Mercedes vor Lando Norris im McLaren
Norris kam nie an George Russell vorbei, Foto: LAT Images

Norris klagt so lieber über die rote Flagge. Während der durften Verstappen und Alpine gratis Reifen wechseln, sparten sich den Stopp und blieben vorne: "Es ist eine dumme Regel, die keiner mag. Außer wenn es dich bevorteilt. Jeder Fahrer hat gesagt, er mag sie nicht, und möchte sie geändert sehen. Also ist es einfach Pech."

Norris verpatzt beide Safety-Car-Restarts - zwei Positionen verschenkt

Dennoch war Norris beim Neustart in Runde 34 immer noch Dritter. Den Platz schenkte er mit einem Ausritt in Kurve 4 wieder Russell. Beim nächsten Safety-Car-Restart in Runde 43 rutschte er im dichten Verkehr dann schon in der ersten Kurve raus und überreichte auch noch Charles Leclerc und Oscar Piastri zwei Plätze. Piastri gab ihm P6 per Teamorder zurück. Dann war Norris' Rennen effektiv vorbei.

Hinter Leclerc wiederholte sich das, was Norris zu Rennbeginn hinter Russell erlebte. Er sah schneller aus, kam aber nie in Angriffsposition. 1,195 Sekunden hinter dem Ferrari wurde er Sechster. "Ich habe ein paar Fehler gemacht, das räume ich ein, die haben mir am Ende ein paar Positionen gekostet", urteilt Norris. Meint aber dennoch: "Gab nicht viel mehr, was ich tun konnte."

"Realistisch gesehen wäre ich Dritter geworden", glaubt Norris. Hinter Russell, und hinter Verstappen, dessen Pace er im Regen als völlig überlegen einschätzt: "Max war viel schneller als wir. Wenn er von ganz vorne losgefahren wäre, dann hätte er uns wohl überrundet. Meine Pace war gut, ähnlich der von George, aber der Red Bull war viel schneller."

"Ich hatte viele gute Rennen, es war an der Zeit, dass etwas schiefgeht", bleibt Norris nüchtern. Anstatt von Pole aus einen dringend nötigen Gegenschlag in der WM-Tabelle zu exekutieren, verliert Norris nun massiv Boden. 62 Punkte beträgt jetzt sein Rückstand auf Verstappen wieder. Maximal 86 können in den letzten drei Grands Prix plus einem Sprint noch erzielt werden.