In jedem Regen-Qualifying ist das Risiko in der Formel 1 groß, von den Fehlern anderer in die Bredouille gebracht zu werden. Max Verstappen erlebte am Sonntagmorgen in Brasilien hier das ultimative Albtraum-Szenario: Kurz vor Schluss crashte in Q2 vor ihm Lance Stroll, sorgte für einen Abbruch, und verhinderte damit die entscheidende letzte Runde des Red Bull.
Wie so oft wurde die nasse Strecke bei nur leichtem Regen im Minutentakt massiv schneller. Verstappen war eineinhalb Minuten vor Schluss gerade aus den Top-10 und damit aus Q3 gedrängt worden, hatte aber zeitgleich eine weitere schnelle Runde begonnen. Mit starker Regen-Pace schien für Red Bull eigentlich alles unter Kontrolle. Doch dann crashte Stroll
Die Konsequenz war eine rote Flagge 46 Sekunden vor Schluss, während Verstappen mitten auf seiner schnellen Runde war. Er musste die abbrechen, und bei nur 46 verbleibenden Sekunden war an einen Neustart nicht mehr zu denken. Das besiegelte Qualifying-Rang 12 für Verstappen. Wegen seiner Motorstrafe wird er bis auf Startplatz 17 zurückgereiht.
Rennleitung wartet ewig mit Abbruch: Verstappen kann es nicht glauben
Diese Umstände lässt Verstappen nicht auf sich sitzen. "Das finde ich unglaublich", tobt er nach dem Qualifying. "Ein Auto ist in der Wand, kaputt, ganz klar zerstört, aber sie warten 30 bis 40 Sekunden, so dass jeder seine Runde fertigfahren kann. Und die dahinter können überhaupt keine Runde fahren! Das kriege ich nicht in meinen Kopf!"

Stroll war mit 1:39 auf der Uhr in Kurve 3 in die Mauer eingeschlagen. Tatsächlich wartete die Rennleitung bis 0:46, ehe sie schließlich abbrach. Vier Fahrer konnten sich in dem Zeitraum noch verbessern. Verstappen hingegen war ohnehin schon durch die Doppelgelb-Zone des Unfalls gefahren. Seine Zeit wäre sowieso gestrichen worden.
Zwar war Verstappen bei 1:39 bereits auf P11 zurückgefallen, aber seine Logik ist klar: Bei einem Abbruch mit noch eineinhalb Minuten auf der Uhr hätte die Session wenigstens noch einmal neu gestartet werden können. "Das muss sofort Rot sein!", fordert Verstappen. "Ganz ehrlich. Ich lasse es einfach. Es ist so dumm, darüber zu sprechen. Irre."
Red Bull im Brasilien-Qualifying sowieso mit Nachteil
Der ganze Fahrplan in Q2 war für Red Bull unter dem Strich ein Fiasko. Als Weltmeister des Vorjahres hat das Team die ersten Garagen in der Boxengasse. Was bedeutet, dass man am weitesten von der Boxenausfahrt weg ist. Sobald in dem mit insgesamt fünf Abbrüchen durchzogenen Qualifying ein Neustart angekündigt wurde, fuhren alle Autos immer gleichzeitig raus. Was bedeutete, dass Verstappen und Sergio Perez zwangsweise am Ende der Schlange warten mussten.
Damit war für sie das Risiko, Opfer des nächsten Abbruchs zu werden, immer am größten. Und je später ein Abbruch gegen Sessionende erfolgen würde, desto unwahrscheinlicher war es, dass sie trotzdem noch eine schnelle Runde schaffen würden. Perez, der auf P13 ebenso ausschied, hatte am Funk auch sein Team für das späte Rausfahren kritisiert.
Bei unter dem Strich 55 Sekunden vom Unfall bis zum Abbruch im Stroll-Fall ist die Boxen-Frage aber sowieso irrelevant. "Wie kann das im Qualifying möglich sein?", wundert sich Verstappen nur. Er kann sich einfach keinen Grund ausmalen, warum man bei einer so offensichtlichen Unfallsituation mit dem Abbruch warten würde.
Es ist nicht die erste nicht nachvollziehbar langsame Unterbrechung des Brasilien-Wochenendes: Im Sprint wartete die Rennleitung über eine Runde, ehe sie für einen stehenden Nico Hülkenberg ein Virtuelles Safety Car ausrief. Erst, als der Fahrer bereits aus seinem nur Meter neben der Strecke geparkten Haas ausgestiegen war.
Für das Rennen ahnt Verstappen nun bereits in den Untiefen des Feldes bei noch mehr vorhergesagtem Regen das nächste Horrorszenario kommen: "Mit dem ganzen Spray und dem Regen wird Überholen schwierig. Aber mal schauen." WM-Rivale Lando Norris startet von Pole.



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