Der WM-Kampf zwischen Max Verstappen und Lando Norris und zwischen Red Bull und McLaren spitzt sich nicht nur auf der Strecke immer weiter zu. Vor dem Formel-1-Rennen heute in Austin wurde nach einer Technik-Kontroverse eine Mechanik versiegelt, vor dem Singapur-GP musste McLaren Änderungen am Heckflügel vornehmen.

Die FIA hielt sich bislang mit Äußerungen zurück - bis jetzt. Nikolas Tombazis nahm vor dem USA-GP Stellung zu den Kontoversen. Der Formel-1-Boss der FIA ist selbst Ingenieur und arbeitete früher unter anderem bei Benetton, Ferrari und McLaren. Tombazis kennt also nicht nur die Technik bestens, sondern weiß auch genau, wie es im WM-Kampf zugeht.

Deshalb hält Tombazis die Kontroversen für übertrieben: "Der Grund, weshalb wir diese Dinge derzeit so prominent sehen, ist, dass wir uns einem WM-Kampf befinden." Ein deutliches Indiz dafür ist, dass Red Bulls Mechanik nicht neu ist. "Dieses Design haben sie schon mindestens ein paar Jahre", so Tombazis.

FIA: Red-Bull-Kontroverse 100-fach übertrieben

Und genau das macht die Sache doppelt schwierig. Denn mit dem Siegel, das unter Parc-fermé-Bedingungen seit dem USA-GP am Red Bull angebracht wird, ist für die FIA die Sache erledigt. Das Teil an sich war und ist nicht illegal, nur die Nutzung im Parc fermé wäre es. Wenn es die gäbe.

"Ich habe weiter Fragen", sagte McLaren-Boss Zak Brown nach der Klarstellung der FIA. Ihm geht es auch darum, ob in der Vergangenheit geschummelt wurde. "Ich glaube nicht, dass wir die Möglichkeit haben, diese Situation zwei Jahre rückwirkend zu untersuchen", entgegnet Tombazis.

"Wenn wir eine solche Sache an die Stewards oder an ein Tribunal weiterreichen, dann wollen wir normalerweise begründete Anhaltspunkte, Hörensagen oder bloße Spekulationen reichen nicht. Wir müssen einen Schlussstrich ziehen", fordert Tombazis.

Die andauernden Diskussionen und Äußerungen der Beteiligten nerven den FIA-Formel-1-Boss langsam: "Ich denke, dass die Diskussion über dieses Thema um das 100-fache über dem liegt, was es verdient."

FIA: McLaren-Kontroverse 150-fach übertrieben

Aber wie steht es um den McLaren-Flügel? "Das ist 150-fach übertrieben", meint der Grieche. Die FIA führte bereits in Spa neue Kameras ein, um im Training die Verformung der Frontflügel zu überwachen. Anschließend entschied man sich dazu, 2024 und auch 2025 keine schärferen Regeln einzuführen. "Die Teams liegen hier viel näher zusammen, als sie es zugeben", so Tombazis.

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Anders beim Heckflügel. Hier schritt die FIA nach Baku tatsächlich ein: "Da fühlten wir uns mit einigen Designs nicht wohl und baten sie, diese zu versteifen. Das haben wir allen Teams in gleicher Weise mitgeteilt. Wir beobachten das und alle Teams haben korrekt reagiert."

Vor allem McLaren stand im Fokus der FIA, weil Videomaterial in Baku zeigte, wie sich Teile des Heckflügels nach oben bogen und so offenbar auch ohne aktiviertem DRS einen gewissen DRS-Effekt erzeugten. McLaren reagierte schon in Singapur und versteifte den Flügel.

McLaren legte aber großen Wert darauf, dass es auch bei anderen Teams übermäßige Aero-Elastizität gibt. Die FIA schickte nach dem Singapur-GP eine Anweisung an alle Rennställe. Die Belastungstests wurden nicht angepasst, aber man machte klar, dass man im Rennbetrieb eine Bewegung von mehr als zwei Millimeter nicht akzeptieren würde. "Zwei oder drei Teams haben dann Änderungen vorgenommen."

McLaren-Teamchef Andrea Stella warnte aber davor, die Änderungen am Heckflügel dafür verantwortlich zu machen, dass sein Rennstall in Austin nicht mehr so überlegen ist. "Das hat überhaupt nichts damit zu tun", stellte er fest. FIA-Mann Tombazis gibt ihm recht: "Das ist eher eine Sache, die sich bei wenig Abtrieb auswirkt." In Austin fahren die Teams mit viel Abtrieb. Der kleine Flügel kommt in dieser Formel-1-Saison nur noch beim Las-Vegas-GP zum Einsatz.