1. - S wie Startaufstellung

Drei der letzten vier Pole Positions gingen an Lando Norris. Der einstige Qualifying-Wackelkandidat mausert sich langsam aber sicher zu einer Konstante am Samstag. Die Monza-Pole im engsten Qualifying der Saison wurde für McLaren durch Oscar Piastri auf Startplatz zwei zusätzlich versüßt. In den Startreihen dahinter folgen Mercedes und Ferrari, die den Papayas scheinbar als einzige gefährlich werden können. Die drei Teams wurden im Zeittraining von weniger als zwei Zehntelsekunden getrennt. Dahinter klafft eine eklatante Lücke auf Red Bull, die mit Max Verstappen und Sergio Perez geschlossen in Startreihe vier stehen.

Im Verfolgerfeld gaben die Erfolgsgaranten der Mittelfeldteams den Ton an. Alex Albon, Nico Hülkenberg und Fernando Alonso starten unmittelbar hinter den vier Top-Teams. In den Untiefen des Grids werden die Abstände größer. Spannungselemente in Form von Fahrern, die aufgrund von Strafen 'out of position' starten, gibt es in Monza diesmal nicht. Interessant ist dafür die vorletzte Reihe mit Lance Stroll und Williams-Rookie Franco Colapinto, die sich mit ihrem Material nach vorne orientieren sollten. Ganz hinten stehen wie so oft die beiden Sauber-Teamkollegen.

2. - S wie Start

Der Start ist nach wie vor die Achillesferse von Lando Norris. Bisher gelang es dem Briten noch nie, von der Pole Position aus auch die erste Runde als Führender zu beenden. In Monza sind es 453 Meter bis zur Prima Variante, und die Herausforderer sind einmal mehr zahlreich. Oscar Piastri und George Russell wissen um ihre Chance auf den ersten Metern des Rennens, gerade wenn der McLaren mit der Startnummer 4 von der Linie weg wieder einmal lahmen sollte. "Hoffentlich zeigen sie wieder die übliche Start-Performance, denn wenn nicht, denke ich, dass sie davonfahren werden", fürchtet Russell.

Das Trio dahinter dürfte nicht weniger motiviert sein, nach vorne zu attackieren. Charles Leclerc und Carlos Sainz dürfte kaum ein Triumph besser als ein Ferrari-Sieg in Monza schmecken. Lewis Hamilton haderte nach dem Qualifying mit Startplatz sechs und will dort auf keinen Fall bleiben, was auch für Max Verstappen gleich dahinter gelten dürfte. Die Reifenwahl könnte hier eine entscheidende Rolle spielen, denn wer schnell nach vorne will, ist mit einem weicheren Compound gut beraten. Pirelli rechnet dabei nur mit dem Einsatz von Hard und Medium.

3. - S wie Sommerwetter

Der Grund dafür sind die Temperaturen. Die Formel 1 erlebt in Monza Bilderbuchwetter zum traditionellen Termin des Grand Prix von Italien. Seit der ersten Ausgabe 1950 wurde das Rennen stets Anfang September abgehalten. Auch am Sonntag wird es mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein wieder eine Hitzeschlacht. Die Asphalttemperaturen dürften dabei erneut jenseits der 50 Grad Celsius liegen. Bereits in den Trainings am Freitag stand das Reifenmanagement angesichts dieser Bedingungen im Fokus.

4. - S wie Strategie

Die Strategie wird deshalb entscheidend sein. 2023 gewann Verstappen mit einer Einstopp-Strategie und fuhr dabei den ersten Stint auf Medium und den zweiten auf Hard. Pirelli rechnet abermals damit, dass diese Taktik zum Erfolg führen kann. Den Kalkulationen des Reifenherstellers nach, beträgt das Delta bei der Rennzeit zwischen einer Ein- und einer Zweistoppstrategie nur zwei bis drei Sekunden. "Wenn die Zweistopp-Strategie gleichschnell oder nur geringfügig schneller ist, werden die Teams versuchen, den Einstopper zu managen", erklärt Pirelli-Manager Mario Isola, der allerdings Spielraum für alternative Strategien sieht. "Die meisten Teams haben zwei Sätze Hard aufgespart, was bedeutet, dass sie sich nicht sicher sind."

Wer auf Medium (C4) startet, dürfte laut der Berechnung von Pirelli zwischen den Runden 20 und 26 zum Wechsel auf Hard (C3) an die Box kommen. Wer auf dem harten Compound losfährt, kann den ersten Stint bis Runde 32 stretchen. In den Longruns war Graining das große Thema beim Reifenmanagement, und die Konkurrenz machte bereits Mercedes als Favoriten unter den Reifenflüsterern aus. "Sie haben ihre Vorderreifen auch gut im Griff, womit wir etwas Probleme hatten", sagt Norris.

5. - S wie Stallregie

Neun Rennen sind es noch in der Formel-1-Saison 2024 und Lando Norris liegt vor dem heutigen Grand Prix ganze 70 Punkte hinter Max Verstappen. Die Kollision der beiden in Spielberg und die McLaren-Teamorder auf dem Hungaroring kosteten Norris wertvolle Zähler, doch das Momentum hat der Brite im Sommer klar auf seiner Seite. Wenn McLaren die Fahrerweltmeisterschaft gewinnen will, ist Norris die einzige Chance, denn Piastri liegt als Vierter bereits 116 Punkte zurück. Mit den beiden McLaren-Teamkollegen in Reihe eins und Red Bull angezählt im Verfolgerfeld bietet sich in Italien eine hevorragende Großchance, die es zu verwandeln gilt.

Über die Frage der Stallregie war sich das McLaren-Lager am Samstag nach dem Qualifying aber noch nicht im Klaren. Norris beteuerte, dass er gegen Piastri kämpfen will und beschwor dabei den Teamgeist. "Wir wollen gewinnen, weil wir das als Team brauchen, und auch wenn wir unseren Konkurrenten Punkte wegnehmen wollen. Zusammenzuarbeiten, ist der beste Weg, das zu erreichen", so der Verstappen-Herausforderer. McLaren CEO Zak Brown kündigte jedoch an, sich um das Luxusproblem kümmern zu wollen.

6. - S wie Super Max

Der WM-Vorsprung ist immer noch üppig, doch vom Seriensieger Verstappen ist mittlerweile nicht mehr viel zu sehen. Die vergangenen fünf Rennen wurden von Mercedes und McLaren gewonnen. Seit 2020 hatte der dreifache Weltmeister nicht mehr eine solche Flaute. Damals gewann er den Anniversary GP in Silverstone und war dann erst zwölf Rennen später beim Finale in Abu Dhabi wieder siegreich. Danach musste er nie länger als vier Rennen auf einen Triumph warten. Dass Verstappen strauchelt, zeigte sich in Monza auch am Abstand zu Perez. Der Mexikaner qualifizierte sich unmittelbar hinter dem Teamleader und war dabei nur eine halbe Zehntelsekunde langsamer.

Beim Niederländer baut sich langsam Frust auf, während sich im Rest des Teams die Ratlosigkeit breit macht. "Im Moment ist es wirklich unerklärlich. Auf beiden Reifensätzen kam einfach keine Performance", erklärte Helmut Marko nach dem Qualifying. In Spielberg fuhr Verstappen gegen Norris die Krallen aus, in Zandvoort hingegen blieb der Kampf sauber. Von Startplatz sieben steht dem Champion jedoch ein langer Nachmittag bevor, der sein Nervenkostüm einmal mehr bis an seine Grenzen strapazieren dürfte. Die Frage ist, wie Verstappen damit umgeht. Wenn er die falschen Entscheidungen trifft, könnte sein Vorsprung am Sonntagabend im schlimmsten Fall nur noch 44 Punkte betragen.

7. - S wie Strecke

Das Autodromo Nazionale Monza ist der 'Temple of Speed'. Seit 1950 gehört der 1922 vor den Toren Mailands errichtete Hochgeschwindigkeitskurs zum Formel-1-Kalender und wurde in dieser Zeit nur ein einziges Mal nicht von der Königsklasse befahren. Das seit dem Jahr 2000 genutzte Layout mit einer Länge von 5,793 Kilometern hat von seinem einmaligen Charakter nichts eingebüßt. Höchstgeschwindigkeiten von über 350 km/h und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 260 km/h machen den Grand Prix in Monza auch bei seiner 74. Ausgabe zum schnellsten Spektakel im Kalender. Der Vollgasanteil beträgt auf dem Kurs mit seinen sieben Rechts- und vier Linkskurven 80 Prozent.

Neben den ohnehin besten Voraussetzungen für Windschattenschlachten begünstigen zwei DRS-Zonen vor den Kurven 1 und 8 die Überholmöglichkeiten. Für 2024 wurde die Traditionsrennstrecke teilrenoviert. Eine neue Asphaltdecke sowie flachere Kerbs sorgen für schnellere Rundenzeiten. Die Pole-Zeit von Sainz aus dem Vorjahr wurde von Norris um eine knappe Sekunde unterboten. Rennsieger verstappen legte 2023 im Rennen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 240,318 km/h an den Tag. Der Rundenrekord wird am Sonntag aber wahrscheinlich trotzdem nicht fallen. Dieser wird seit 20 Jahren von Rubens Barrichello gehalten, der 2004 im Ferrari auf dem Weg zum Sieg in 1:21.046 Minuten auch die Fastest Lap drehte.