Tony Brooks ist tot. Der ehemalige Formel-1-Pilot aus Großbritannien verstarb am 3. Mai 2022 im hohen Alter von 90 Jahren. Damit hat die Königsklasse ihren letzten Grand-Prix-Sieger der 1950er Jahre verloren. Seit dem Tod von Sir Stirling Moss im April 2020 war Brooks der älteste noch lebende Sieger aus dieser frühen Ära des Sports gewesen.

Insbesondere als "rennfahrender Zahnarzt" ging der 1932 als Charles Anthony Standish Brooks geborene Rennfahrer in die Motorsport-Geschichte ein. So schloss der Sohn eines Zahnarztes nach einem Versprechen an seine Eltern parallel zu seiner frühen Karriere im Rennsport sein Studium der Zahnmedizin an der Universität von Manchester ab - ohne diesen Beruf wegen seines schnellen Aufstiegs im Motorsport je zu praktizieren.

Brooks Formel-1-Karriere beginnt mit schwerem Unfall

So erarbeitete sich Brooks längst nicht nur durch diesen Werdegang einen Ruf, sondern auch durch große sportliche Erfolge. So überzeugte der Pilot aus Dunkinfield auf nationaler Ebene zunächst bei einem Formel-2-Rennen in Crystal Palace. Auf der Londoner Strecke ließ sich Brooks einzig und allein von Mike Hawthorn, Harry Schell und Roy Salvadori in überlegenen F1-Einsitzern schlagen. 1955 folgte der Durchbruch mit einem Sieg bei einem nicht zur Weltmeisterschaft zählenden, aber dennoch hoch angesehenen Formel-1-Rennen in Siracusa auf Sizilien.

1956 folgte mit B.R.M. in Silverstone Brooks eigentliches Formel-1-Debüt. Es sollte Brooks einziger Start in seiner ersten Saison bleiben. Nach einem Unfall durch einen technischen Defekt bei hoher Geschwindigkeit zog sich der frisch gebackene Zahnarzt eine schwere Oberkieferfraktur zu, kam allerdings noch einmal mit Glück im Unglück davon, sodass Brooks 1957 wieder in der Formel 1 an den Start ging, diesmal mit Vanwall. Parallel fuhr Brooks Sportwagenrennen für Aston Martin.

Tony Brooks in der Formel 1: Sechs Siege und Vize-Meister für Ferrari

Von 1956 bis 1961 gewann Brooks sechs seiner insgesamt 38 Grands Prix, darunter ein legendärer mit Moss geteilter Debütsieg beim Großen Preis von Großbritannien 1957 in Aintree. Brooks hatte seinem Freund, Teamkollegen und Landsmann nach einem Defekt an dessen Vanwell sein eigenes Auto überlassen, da Moss im WM-Kampf dringender auf Punkte angewiesen war.

Stirling Moss gratuliert Tony Brooks zu seinem Sieg beim Deutschland-GP 1958 -
Stirling Moss gratuliert Tony Brooks zu seinem Sieg beim Deutschland-GP 1958 -Foto: LAT Images

Während Moss die Saison auf dem zweiten Gesamtrang hinter Juan Manuel Fangio abschloss, belegte Brooks den fünften Rang. Was Brooks dabei einschränkte, waren die Folgen eines weiteren schweren Unfalls beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Die große Zeit des "Racing Dentist" sollte allerdings noch kommen. Schon im Folgejahr fuhr Brooks mit Vanwall auf WM-Rang drei, 1959 folgte nach einem Wechsel zur Großen Scuderia Ferrari Brooks größter Karriereerfolg - mit zwei Siegen in Frankreich und Deutschland reichte es zum Vize-Titel hinter Jack Brabham.

Stirling Moss: Brooks und Clark mein Dreamteam

Doch selbst damit schien Brooks für so manchen Weggefährten noch unter Wert geschlagen. So adelte Sir Stirling Moss seinen Landsmann einst mit den Worten, er würde Brooks und einen gewissen Jim Clark wählen, würde er ein Formel-1-Team gründen und es mit zwei Fahrern besetzen müssen.

Brooks blieb dem Sport auch nach dem Karriereende verbunden, hier 2013 mit John Surtees, Stirling Moss und Jackie Stewart in Goodwood -
Brooks blieb dem Sport auch nach dem Karriereende verbunden, hier 2013 mit John Surtees, Stirling Moss und Jackie Stewart in Goodwood -Foto: LAT Images

Sein letztes Formel-1-Rennen bestritt Brooks 1961, nach einer Rückkehr nach Großbritannien wieder für B.R.M. und verabschiedete sich standesgemäß mit einem Podium beim USA Grand Prix in Watkins Glen. Auch nach seiner aktiven Zeit als Rennfahrer widmete sich Brooks nicht etwa seiner eigentlichen Berufung als Zahnarzt, sondern ging anderen Geschäften nach, darunter der Restauration alter Rennwagen. Dem Sport blieb Brooks auch durch diverse Abstecher zu historischen Rennsportveranstaltungen verbunden.

"Er war Teil einer besonderen Gruppe von Fahrer, die Pioniere waren und in einer Zeit großer Risiken die Grenzen ausgelotet haben", adelt Formel-1-Chef Stefano Domenicali den Verstorbenen. "Er wird vermisst werden und unsere Gedanken sind in dieser Zeit bei seiner Familie."