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Formel 1

Formel-1-Einstieg: Porsche & Audi mehr als Motorenlieferanten?

Der VW-Konzern soll mit Audi und Porsche in die Formel 1 einsteigen. Wie könnte das Engagement genau aussehen? Ein Medienbericht will die Antwort kennen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Ein halbes Jahr lang schwebt bereits ein echter Hammer über der Zukunft der Formel 1. Der Volkswagen-Konzern soll an einem Einstieg in die Königsklasse ab der Saison 2026 interessiert sein. Dann greift in der Formel 1 ein neues Motorenformat. Mehrfach trafen sich Vertreter der Marken Audi und Porsche mit Formel 1, FIA und den aktuell beteiligten Herstellern, um die Details zu klären - und damit auch die Grundlage für einen Einstieg der deutschen Hersteller zu schaffen.

Nach ersten positiven, aber recht dünnen Wasserstandsmeldungen formalisierte der Weltrat für Motorsport der FIA (WMSC) Mitte Dezember die bereits teilweise durchgesickerten Übereinkünfte. Damit bekannte sich die FIA zu einem Abschied von der MGU-H - eine zentrale Forderung des VW-Konzerns -, einem deutlichen Anstieg des elektrischen Anteils, vollständig nachhaltigem Benzin, einer signifikanten Kostenreduktion mit Kostendeckel und leistungsstarken und hochdrehenden Power Units zur Sicherung der Show. Ebenfalls konkret aufgeführt: Neueinsteigern soll der Zugang erleichtert werden.

WMSC schafft Grundlage für Formel-1-Einstieg von Porsche & Audi

Eine Liste, die in Wolfsburg, Stuttgart und Ingolstadt ankommt. Die Audi-Chefetage um CEO Markus Duesmann und Oliver Hoffmann, Vorstand für technische Entwicklung, schrieb bereits im Vorfeld der Beschlüsse des WMSC einen Brief an F1-Chef Stefano Domenicali und den damaligen FIA-Präsidenten Jean Todt. In dem Brief, der Motorsport-Magazin.com vorliegt, bedanken sich die Audianer für die Kooperation während der vorherigen Verhandlungen des Motoren-Reglements und sprachen im Konjunktiv von einem Meilenstein, sollte der WMSC die Beschlüsse absegnen.

Genau dazu kam es nur wenig später. Also schien die Bahn frei für einen Einstieg des VW-Konzerns. Ungeklärte Fragen gibt es allerdings weiter. So muss trotz aller positiven Beschlüsse des Weltrats vor allem noch immer der VW-Konzernvorstand final grünes Licht geben. Aber wofür genau? Für Audi? Für Porsche? Oder für beide? Ursprünglich schienen die Zeichen eher auf Porsche zu stehen, doch den Brief an Formel 1 und FIA vor der WMSC-Abstimmung kam dann aus Ingolstadt, nicht aus Stuttgart-Zuffenhausen.

Medienbericht: Porsche & Audi werden nicht nur Motorenlieferanten

Geht es nach einem aktuellen Medienbericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sollen beide VW-Marken einsteigen - und das mit eigenen Rennställen, nicht "nur" als Motorenlieferanten. Immerhin sorgt das trotz Budgetdeckel zwar für deutlich höhere Kosten, bringt allerdings auch mehr Werbewirksamkeit und Ansehen.

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Völlig überraschend würde es nicht kommen, sollte sich der Bericht bewahrheiten. Die Option vollständiger Teams hatte neben einer reinen Motorenbelieferung ohnehin immer im Raum gestanden, genauso wie Kooperationen mit bestehenden Teams. Insbesondere Red Bull, McLaren und Williams wurden im Lauf der vergangenen Monate bereits mehrfach genannt.

VW-Konzern in fortgeschrittenen Gesprächen mit McLaren, Red Bull?

Im Fall McLarens sah sich der britische Hersteller Mitte November bereits zu einem Dementi genötigt. Zuvor hatte die britische 'Autocar' behauptet, gleich die gesamte McLaren-Gruppe stehe unmittelbar vor einem Verkauf an Audi. Das bezeichnete McLaren als vollständig falsch. Interessant schon damals: Gleichzeitig gab McLaren an, sich strategisch schon immer in laufenden Gesprächen und Kollaborationen mit relevanten Partnern und Zuliefern befunden zu haben, andere Autohersteller eingeschlossen.

Neues Öl ins Feuer gießt hier nun der FAZ-Bericht. Demnach geht es Porsche und Audi bei den eigenen Teams nämlich nicht um einen grundständigen Aufbau, sondern um ein Kaufangebot für das McLaren-Team seitens Audi und eine enge Zusammenarbeit Porsches mit Red Bull Racing. Dementsprechende Verhandlungen seien weit fortgeschritten, heißt es. McLaren fährt aktuell mit Mercedes-Antrieben, Red Bull setzt ab 2022 nach dem Ausstieg Hondas unter eigenem Namen weiterhin die Technik der Japaner ein.

Warten auf die Entscheidung der Konzernlenker

Darüber hinaus seien zusätzlich Lieferverträge für Power Units mit anderen Rennställen möglich. Etwa mit Williams, aktuell ebenfalls bei Mercedes. Noch dazu leitet das Team aus Grove mit Jost Capito eine ehemalige Größe von VW Motorsport. Den Antriebsstrang sollen Porsche und Audi gemeinsam entwickeln, heißt es in dem Bericht weiter.

Von offizieller Seite bestätigt wurde von alldem bislang nichts. Kommen Audi und/oder Porsche? Und wenn ja, als eigene Teams, in Kollaborationen und/oder als Motorenlieferanten? Endgültige Gewissheit bringen wird nur der formale Segen der VW-Bosse - Ende Februar soll in einer Sitzung des Aufsichtsrats die Entscheidung fallen. Ganz schnell gehen muss es dann allerdings noch immer nicht - die letzten Details, etwa in den Abkommen mit möglichen Partnern, haben es in der Regel besonders in sich.