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Formel 1

Formel 1, Alonso zweifelte an Karriere: Nie wieder Podium?

Fernando Alonso brachte der dritte Platz in Katar die Erlösung. Erstes Podium seit sieben Jahren beseitigt alle Zweifel. Mehr als nur ein Außenseitererfolg.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Fernando Alonso ist zurück auf dem Formel-1-Podest! Bei der Premiere der Königsklasse in Katar krönte der zweimalige Weltmeister ein von Beginn an starkes Wochenende mit seinem ersten Edelmetall seit 2014. Ein starkes Qualifying und etwas Glück gaben ihm die Chance, auf die er das ganze Jahr gewartet hatte. Der Altmeister ergriff sie mit beiden Händen. Freude über das verdiente Podium und einen Big Point für Alpine.

"Ich genieße es und verdammt, weißt du, ich habe so lange darauf gewartet. Ich freue mich", so ein strahlender Alonso unmittelbar nach dem Fallen der Zielflagge. Nach der langen Durststrecke von 105 Rennen schaffte er in Doha zum 98. Mal in seiner Karriere den Sprung auf das F1-Podest. Im Parc Ferme stand er dann ausgerechnet TV-Experte Jenson Button Rede und Antwort, der mit ihm die Leidenszeit bei McLaren durchlief, die ihn Ende 2018 zum Rücktritt bewegt hatte.

Nach enttäuschenden Jahren und einer zweijährigen Auszeit wieder ein Edelmetall entgegenzunehmen, war für Alonso ein Gefühl der Erlösung. "Unglaublich. Sieben Jahre und endlich haben wir es geschafft", so der 40-Jährige, der langsam zu zweifeln begonnen hatte. "Wir waren ein paar Mal sehr nah dran und ich fragte mich, ob ich in meiner Karriere noch ein Podium schaffe oder nicht. Du weißt nie, was nächstes Jahr passiert. Deshalb bin ich froh, dass wir dieses hier geholt haben."

Bei aller Freude hatte die Euphorie des 32-fachen Grand-Prix-Siegers aber auch ihre Grenzen. "Ein Sieg ist natürlich ein Sieg, deshalb kann man das hier nicht allzu hoch einordnen", sagt er. Mit Blick auf die Zukunft bedeutet ihm der Erfolg allerdings schon eher etwas: "Zurückzukommen und in der Vorbereitung auf 2022 und die neuen Regeln jetzt dieses Podium zu holen, fühlt sich sehr gut an."

Alonso feiert bestes Wochenende 2021

Bis zur vollständigen Glückseligkeit haben vielleicht noch zwei Positionen gefehlt, aber insgesamt war das Wochenende in der Wüste für ihn trotzdem ein kleiner Meilenstein. "Das Wochenende war für uns insgesamt vielleicht das beste. Wir waren Freitag, Samstag und Sonntag sehr konstant", so Alonso, der bereits nach seinem fünften Platz im Qualifying vom hohen Wohlfühlfaktor mit dem A521 schwärmte.

Mit der guten Performance brachte er sich in eine gute Ausgangslage, die mit etwas Glück am Sonntagvormittag noch besser wurde. Startplatzstrafen für Max Verstappen und Valtteri Bottas verschafften Alonso Platz drei im Grid für das 20. Saisonrennen. Der Kampfgeist des Routiniers war schnell geweckt. "Ehrlich gesagt hatte ich gedacht, dass ich in der ersten Runde in Führung gehe. Ich dachte, auf dem weichen Reifen könnte ich Lewis angreifen", sagt er.

Der Mercedes-Pilot ließ sich am Start allerdings nicht von der Konkurrenz beeindrucken. Alonso musste sich beim Run auf die erste Kurve hinter Hamilton und Gasly einsortieren. Den Franzosen überholte er gleich darauf in Turn zwei mit einem beherzten Manöver über die Außenbahn. Für ihn eine Schlüsselszene seines Rennens: "Das war sehr wichtig, um danach freie Bahn zu haben."

Einstopp-Strategie bereitete Alonso keine Sorgen

Den Heranstürmenden Max Verstappen musste er in der Anfangsphase noch ziehen lassen, aber danach saß Alonso auf Platz drei sicher im Sattel. Gegen Rennende wurde es für ihn allerdings noch einmal eng. Der durch eine Zweistopp-Strategie hinter ihn zurückgefallene Sergio Perez holte in großen Schritten auf, während die Einstopper reihenweise von Reifenschäden lahmgelegt wurden.

Alonso konnte in der Schlussphase nicht bummeln, musste aber gleichzeitig den gefährdeten linken Vorderreifen über die Distanz bringen. "Ich glaube, es war für uns gar nicht so wild. Unser Auto ist zu den Reifen sehr gut. Wir haben in Brasilien letzte Woche auch eine Einstopp-Strategie umgesetzt. Wir hatten heute noch etwas Luft, um mehr zu pushen. Und du weißt nie, Checo kam am Ende sehr schnell heran", erklärt er.

Eine VSC-Phase wenige Runden vor der Zielflagge verschaffte ihm zusätzlich Zeit. Nach 57 Runden wurde Alonso drei Sekunden vor Perez abgewunken. Sich aus eigener Kraft gegen ein Top-Team durchgesetzt zu haben, macht ihn besonders stolz: "Bei allem Respekt vor den anderen Fahrern, es gab in den letzten zwei oder drei Jahren ein paar Podien, die seltsam waren, weil in den Rennen Dinge vorgefallen sind. Heute war es denke ich wohlverdient."

Alonso und Alpine holen Big Point für die WM

Für Alpine könnte das Rennen in Katar der entscheidende Big Point im Kampf gegen AlphaTauri um Platz fünf bei den Konstrukteuren gewesen sein. Während die Rivalen leer ausgingen, machte Esteban Ocon das Teamresultat als Fünfter perfekt. Zwei Rennen vor Schluss liegt Alpine 25 Zähler vor Red Bulls Schwesterteam.

"Das hatten wir nicht erwartet", so Alonso, der voll des Lobes für sein Team ist: "Ich denke, es war ein sehr gut ausgeführtes Rennen. Die Boxenstopps waren toll, das Team war großartig, die Zuverlässigkeit des Autos war super."

In den ausstehenden zwei Rennen in Saudi-Arabien und Abu Dhabi will er dafür sorgen, dass die Saison auf einem Hoch zu Ende geht: "Die 25 Punkte Vorsprung machen es etwas einfacher, aber wir können uns nicht entspannen. Es kann bei diesen beiden Rennen alles passieren und wir müssen den Fokus beibehalten und noch mehr Punkte für die Weltmeisterschaft holen."


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