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Formel 1

Formel 1, Teamorder verweigert! Kostete Giovinazzi Kimi Punkte?

Mit P11 & P12 für Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen verpasste Alfa Romeo in der Türkei knapp die Punkte. Weil der Italiener eine Teamorder ignorierte?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Einmal mehr in der Formel-1-Saison 2021 hat Alfa Romeo Racing die Punkteränge nur knapp verpasst. Gerade einmal 0,7 Sekunden trennten Antonio Giovinazzi im Ziel von Esteban Ocon, der Franzose rettete bei Mischbedingungen ohne Reifenwechsel (!) den letzten Punkt für Platz zehn über die Linie. Direkt hinter Giovinazzi auf P11 lief Teamkollege Kimi Räikkönen als Zwölfter ein.

Ein weiterer Fall von einer gerade so eben nicht ausreichenden Pace des Schweizer Sauber-Teams, um ein Top-10-Ergebnis zu erzielen und damit wertvolle Punkte im fast schon aussichtslos gewordenen Kampf um WM-Rang acht gegen Williams (16 Punkte Vorsprung) einzufahren?

Alfa Romeo ordnet Platztausch an

Dieses Mal liegt der Fall etwas anders. Alfa Romeo scheint die Punkte selbst verspielt zu haben - oder besser gesagt Antonio Giovinazzi. Fünf Runden vor Rennende eröffneten der Italiener und Räikkönen eine schnelle Jagd auf Daniel Ricciardo und Esteban Ocon. Mit dem Australier machte das Alfa-Duo in Runde 56 in einem Aufwasch kurzen Prozess, in der letzten Schikane flog erst Giovinazzi, dann Räikkönen vorbei am McLaren. Doch für Ocon sollte es im für Sauber wegen Überrundungen nur 57 Runden langen Grand Prix in Istanbul nicht mehr reichen. Auch, weil Alfa seine Mittel nicht ideal nutzte?

So funkte das Team bereits fünf Runden vor dem Ende an Giovinazzi, Räikkönen sei sehr viel schneller - um eine Sekunde - und wies den Italiener am Boxenfunk sogar konkret an, Plätze zu tauschen. Eine in der Formel 1 übliche Teamstrategie, um mit dem schnelleren Auto nach vorne mehr ausrichten zu können. Bei Misserfolg wird dann in der Regel wieder zurückgetauscht.

Giovinazzi lässt Räikkönen nicht vorbei

Doch Giovinazzi spielte nicht mit. "Für mich ist es so besser, ich werde jetzt pushen", antwortete Giovinazzi am Funk und verweigerte sich so bis Rennende der Anweisung zum Platztausch. Näher als vier Zehntelsekunden kam der Italiener Räikkönens bester Zeit in dieser Phase des Rennens allerdings nie - so ging am Ende die Zeit aus. "Ich hätte noch eine Runde mehr gebraucht, um in die Punkte zu kommen, aber wir haben unser Bestes versucht und leider ist es jetzt so", sagt Giovinazzi.

Doch für Räikkönen hätte es reichen können. Deshalb zeigt Alfa Romeo nicht gerade großes Verständnis für die Weigerung Giovinazzis, dessen Cockpit für 2022 ohnehin alles andere als sicher ist. "Wir haben ihn gebeten, die Position zu tauschen, aber zu diesem Zeitpunkt hat Antonio die Pace erhöht und entschieden, dass er vorne bleiben wollte", klagt Alfas leitender Streckeningenieur Xevi Pujolar. "Vielleicht hätten wir in der Situation dieser paar Runden als Team schneller sein können. Und wir hätten nur eine Runde mehr gebraucht, um Ocon abzufangen."

Alfa Romeo kritisiert Giovinazzi: Nicht ideal für das Teamergebnis

In anderen Worten: Giovinazzi mag vielleicht das Beste für sich selbst herausgeholt haben, aber nicht für Alfa Romeo. "Für das Team war das nicht ideal", kritisiert Pujolar. "Ich habe nicht gut verstanden, warum wir da nicht tauschen konnten, denn am Ende hätten wir es je nach Situation ja wieder ändern können", ergänzt der Strecken-Ingenieur. "Für uns ist es wichtig, Punkte zu holen und Kimis Pace war zu diesem Zeitpunkt stark." Über einen möglichen Rücktausch setzte Alfa seinen Fahrer allerdings nicht in Kenntnis.

Esteban Ocon rettete sich knapp vor beiden Alfa Romeo ins Ziel - Foto: LAT Images

Auch Räikkönen zeigte sich nicht sonderlich begeistert. "Vielleicht hätten wir etwas früher darüber nachdenken sollen", funkte der Finne nach dem Zieleinlauf. Darauf teilte ihm Renningenieur Julien Simon-Chautemps mit, Giovinazzi sei durchaus angewiesen worden, ihn vorbeizulassen.

Giovinazzi verteidigt Pace: Reifen haben gebraucht

Giovinazzi verteidigte seine schwächere Pace unterdessen mit den Bedingungen und Reifen. "Es war kein leichtes Rennen, vor allem nach dem Reifenwechsel. Die Reifen waren nicht bereit und es hat ein paar Runden gedauert, bis ich Grip gefunden habe. Aber das war für alle schwierig", sagt der 27-Jährige. Diese Phase ereignete sich allerdings lange vor der Episode rund um die Teamorder. Giovinazzi hatte in Runde 40 neue Intermediates erhalten, war in Runde 52 also längst über die Phase von Graining & Temperaturproblemen hinaus.

Kimi Räikkönen gelang das besser. "Wir hatten den Speed. Besonders an einem gewissen Zeitpunkt des Rennens hatten wir jede Menge Speed, aber es war sehr schwierig, an irgendwem vorbeizukommen", verweist der Finne offensichtlich auf die betreffende Phase vor und während der Teamorder. Zumindest war es dieser Rennabschnitt ab Runde 47, im dem Räikkönen seine schnellsten Zeiten anschrieb, ehe diesen in den beiden Schlussumläufen wegen Überrundungen nachließen.


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