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Formel 1 Belgien, Kimi Räikkönen: Früher war Spa schwieriger

Kimi Räikkönen gilt in Fankreisen auch als König von Spa. Für den viermaligen Sieger des Belgien-GP hat die Ardennen-Achterbahn allerdings an Reiz verloren.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kehrt der König von Spa an diesem Wochenende ein letztes Mal zurück in sein Königreich? Auch nach der Sommerpause der Formel-1-Saison 2021 steht noch immer nicht fest, ob Formel-1-Routinier Kimi Räikkönen seine biblische Karriere über das laufende Jahr hinaus fortsetzen wird.

Der Großteil des Fahrerlagers erwartet allerdings ein Karriereende des viermaligen Siegers des Belgien-GP. Zwischen 2004 und 2009 gewann Räikkönen in Spa-Francorchamps mit Ausnahme der Saison 2008 sämtliche Rennen auf der Ardennen-Achterbahn. Erstmals 2004 gegen einen hoch überlegenden Ferrari von Michael Schumacher, zuletzt 2009 in einem nun eigentlich unterlegenen Ferrari. Spätestens seit diesem Triumph gilt der Finne unter seinen Anhängern als 'King of Spa'. Auch Ferrari feierte Räikkönen mit diesem Prädikat.

Räikkönen über Spa: Keine besondere Beziehung

Räikkönen selbst will von einer speziellen Strecke in seiner eigenen Geschichte allerdings nur wenig wissen. "An diesem Ort gibt es nichts Besonderes, es ist einfach so gekommen", kommentiert Räikkönen seine Erfolgsbilanz in den belgischen Wäldern. "Ich genieße die Strecke einfach und hatte ein paar gute Rennen, aber auch ein paar schlechte", erinnert Räikkönen etwa an seinen Unfall im Regen 2008. Generell möge er schlicht das Streckenlayout. "Wie einige andere auch. Und das Racing hier ist meist auch ganz gut", sagt Räikkönen.

2008 endete Kimi Räikkönens Traum vom vierten Sieg in Spa in der Mauer - Foto: Sutton

Ganz zufrieden mit seiner Lieblingsstrecke ist der Iceman allerdings schon länger nicht mehr. Besonders zwei Veränderungen im Lauf der Jahre haben Spa Räikkönen zufolge etwas Charakter gekostet. Die eine griff ausgerechnet ab 2007, dem Jahr seines WM-Triumphs im Ferrari. In diesem Jahr fuhr die Formel 1 in Spa erstmals mit einer neuen Schikane im letzten Sektor statt der zuvor lange Jahre klassischen Bus-Stop-Schikane.

Räikkönen will alte Bus-Stop-Schikane zurück

"Mir war die alte Bus-Stop lieber, aber sie haben sie über die Jahre ein paar Mal geändert", klagt Räikkönen. "Ich denke, dass es so gut war, wie es anfangs war." Damit nicht genug. Auch Spa blieb über die Jahre nicht von einem Trend der Formel-1-Strecken zu mehr asphaltierten Auslaufzonen verschont. Deshalb sei die Strecke früher noch anspruchsvoller gewesen, so Räikkönen.

2009 ernannte auch Ferrari Kimi Räikkönen zum König von Spa - Foto: Sutton

"Die Strecke ist mehr oder weniger dieselbe, aber ein paar Auslaufzonen haben es [früher] schwieriger gemacht, weil nach den Kerbs Gras oder Sand kam, vor allem an den schnellen Stellen", erinnert der Routinier. "Aber jetzt kannst du da dein Glück versuchen und kommst damit davon, weil es Asphalt gibt. Aber so hat sich so ziemlich jeder Kurs verändert ..."

Spa nicht mehr so schwierig wie vor 20 Jahren

Noch dazu verfügen die Formel-1-Boliden der Generation 2021 über mehr Abtrieb als zu Räikkönens ersten Jahren Anfang des Jahrtausends. "So sind manche Orte leichter geworden. Eau Rouge zum Beispiel war in meinen frühen Tagen ziemlich knifflig. Dieser Tage ist es für uns jetzt eher eine Gerade", sagt Räikkönen.

Diesen mangelnden Thrill der einstigen Mutkurve beklagen bereits seit Jahren verschiedene F1-Fahrer. So lang, dass Räikkönen nicht davon ausgeht, dass es mit den 2022er Autos wieder schwieriger wird. Die sollen zwar etwas weniger Abtrieb liefern, allerdings maximal auf das Niveau von 2016 zurückfallen. "Ich denke, dass es noch immer so viel Abtrieb sein wird, dass Orte wie Eau Rouge keine Schwierigkeiten machen werden", prognostiziert Räikkönen.

Statt Eau Rouge: Neue Mutkurve Pouhon

Trotz der leisen Kritik gefällt dem Finnen die Strecke unter dem Strich noch immer. "Es gibt keine [Kurve], die ich nicht mag", sagt Räikkönen. Die schwierigste Kurve sei inzwischen die Pouhon im zweiten Sektor. "In Kurve zehn, der Doppellinks, ist die Frage, ob es leicht Vollgas geht oder nicht. Das hängt auch vom Auto ab. Die Topautos können es da im Trockenen sicher voll nehmen, aber für uns war es in den Vorjahren am Limit", erklärt der Alfa-Sauber-Pilot.

Auch in seinem WM-Jahr siegte Räikkönen in Belgien - Foto: Sutton

Für das Wochenende rechnet sich Räikkönen trotz seines persönlich besten Pflasters nicht allzu viel aus. "Mit unseren Einschränkungen ist so ein Ort mit langen Geraden nicht toll, aber an anderen Orten mit langen Geraden waren wir okay", sagt Räikkönen. "Es wird aber sicher nicht leicht. Mit wechselhaftem Wetter geht vielleicht etwas." Genau dieses für Spa typische Wetter ist für das gesamte Wochenende prognostiziert.


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