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Formel 1

Formel 1, Vettel verwarnt: Pride-Shirt bei Ungarn-Hymne tabu

Sebastian Vettel musste die Pressekonferenz zum Ungarn-GP abbrechen: Stewards bestellten Vettel für Vorfall vor dem Rennen ein. Pride-Shirt bei Hymne tabu.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Ärger für Sebastian Vettel nach seinem sensationellen zweiten Platz beim Großen Preis von Ungarn der Formel 1. Nach dem Rennen musste Vettel auf kuriose Weise die laufende Pressekonferenz der FIA verlassen, weil die Stewards den Aston-Martin-Fahrer einbestellt hatten.

Dabei ging es um einen Vorfall noch vor dem Start des Rennens. Nach den üblichen Support-Messages der Fahrer für die F1-Kampagne 'We Race As One' (WRAO) müssen die Piloten eigentlich ihre potenziell genutzten Shirts ausziehen und für die Landeshymne wieder im Rennanzug antreten. So sehen es die vor jedem Rennen verschickten Anweisungen der Rennleitung - sogar in unterstrichenen und gefetteten Lettern - vor.

Sebastian Vettel & Co tragen Shirt noch während der Hymne

Vettel - genauso Valtteri Bottas, Lance Stroll und Carlos Sainz - kamen dem allerdings nicht nach. Dieses Quartett trug auch bei der ungarischen Nationalhymne noch ihre WRAO-Shirts. Dafür verwarnten die Stewards alle vier Piloten nach Anhörungen in letzter Konsequenz. Die Fahrer hatten angegeben, es wegen des einsetzenden Regens vergessen zu haben, ihre Shirts wieder auszuziehen.

Für alle Fahrer handelte es sich um die erste Verwarnung des Jahres - allerdings eine völlig irrelevante. Nur wenn die Vergehen einen Fahr-Bezug haben, folgt nach der dritten Verwarnung eine Strafversetzung um zehn Plätze beim folgenden Grand Prix.

Sebastian Vettel vor Anhörung: Disqualifiziert mich doch!

Sebastian Vettel hatte sich allerdings schon vor der Pressekonferenz zu den bevorstehenden Ermittlungen äußern können. "Ich habe gehört, dass es darum geht, dass ich mein Shirt während der Hymne angelassen habe", berichtete Vettel bei Sky Sports F1. Vettel trug vor dem Rennen über seinem Overall ein Pride-Shirt in Regenbogenfarben mit der Aufschrift "Same Love".

Bereits mehrfach hatte sich Vettel am Wochenende für die Rechte der LGBTQ+-Gemeinschaft stark gemacht, etwa mit Pride-Turnschuhen und dem Regenbogen auch auf seinem Helm. So wollte Vettel ein Zeichen gegen ein in Ungarn geplantes Gesetz setzen, das die Abbildung von Homosexualität, Geschlechtsumwandlungen etc. in Lehrmaterialien für Kinder verbieten soll. Am Donnerstag kritisierte Vettel auch verbal die Politik der ungarischen Regierung scharf.

Vettel setzt in Ungarn unzählige Zeichen für LGTBQ+

Am Sonntag legte der Deutsche nach, "Ich bin happy, wenn sie mich disqualifizieren", sagte Vettel noch vor der Anhörung. "Ich bin happy, was immer sie auch tun. Mir ist es egal. Ich würde es wieder tun!" Es sei traurig, dass es für manche Leute noch immer so schwer sei, andere Formen zu leben und zu lieben anzuerkennen, betonte Vettel abermals. Vettel: "Vor dem Rennen wir immer da mit diesen schönen Slogans und trotzdem scheint es für manche Leute noch ein Problem zu sein. Das ist in mancher Hinsicht eine traurige Welt."

Deshalb drücke er sehr gerne seine Unterstützung aus, sollte das den Menschen helfen, die selbst in der Europäischen Union unter derartigen Gesetzesvorhaben leiden würden. "Manche machen Gesetze, die - statt Kinder zu schützen - diese Kinder vielleicht gefährden und die Art, wie zu heranwachsen beeinträchtigen", sagte Vettel. "Wenn du siehst, wie viele Leute damit noch immer ihre Probleme haben, ist es nicht das Schlechteste, wenn wir diesen Planeten irgendwann verlassen müssen."

Lewis Hamilton unterstützt Vettel-Statements

Lewis Hamilton - am Wochenende mit ähnlichen Aussagen unterwegs - unterstützte Vettels Aktionen. Hamilton: "Ich finde es klasse, dass Seb sich für LGBTQ+ stark gemacht hat. Ich habe vor dem Wochenende schon mit ihm gesprochen. Das war ihm wichtig. Und es wird ihm vielleicht keinen zu großen Ärger bringen ..." Damit sollte der Weltmeister Recht und Vettel sein Podium behalten.

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