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Formel 1

Formel 1, Ungarn 2021: Die 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen

Lewis Hamilton vs. Max Verstappen geht in Ungarn in die elfte Runde. Hitzeschlacht, Silverstone-Trauma und Teamorder. Diese Faktoren entscheiden das Rennen.
von Florian Becker

1. - S wie Startaufstellung

Das letzte Rennen der Formel 1 vor der Sommerpause hat alle Zutaten für einen wegweisenden Thriller. Mit seiner 101. Pole Position knüpfte Lewis Hamilton nahtlos an seinen Erfolg aus Silverstone an und versetzte Red Bull zusammen mit seinem Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas einen herben Dämpfer. Das Duo besetzt vor seinen Herausforderern Max Verstappen und Sergio Perez die erste Startreihe, die geschlossen von den Plätzen drei und vier in den Sonntag gehen.

Im Verfolgerfeld ist ebenfalls für Spannung gesorgt. Pierre Gasly zeigte einmal mehr was in ihm und dem AlphaTauri steckt. Er stach McLaren-Held Lando Norris aus und steht zusammen mit dem Briten in Startreihe drei. Dahinter befindet sich mit Charles Leclerc im Ferrari ein weiterer Einzelkämpfer, gefolgt vom Alpine-Duo Esteban Ocon und Fernando Alonso sowie Sebastian Vettel im Aston Martin. Damit starten fünf Mittelfeld-Teams in den Top-10.

In der zweiten Hälfte des Grids geht es genauso bunt weiter. Die Alfa-Romeo-Teamkollegen Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi starten aus Reihe sieben. Mit Carlos Sainz, Yuki Tsunoda und George Russell sitzen ihnen drei Kandidaten im Nacken, von denen ein starker Vorwärtsdrang zu erwarten ist.

2. - S wie Start

Ungarn ist nach Monaco die Rennstrecke mit der wichtigsten Startphase im Kalender. Wer auf den ersten 443,6 Metern von der Pole Position bis zum ersten Bremspunkt nicht überholt, hat gute Chancen auf einen frustrierenden Nachmittag auf dem 4,381 Kilometer langen Hungaroring. Die Spannung in den ersten beiden Startreihen ist nach den Geschehnissen von Silverstone zweifelsohne hoch.

Verstappen und Perez haben mit dem Soft-Reifen gute Karten, die Mercedes-Piloten zu attackieren, denn die gehen als einzige aus den Top-10 auf dem Medium-Compound ins Rennen. Die härtere Mischung bietet auf den ersten Metern nach dem Erlöschen der Ampeln nicht dieselbe Traktion wie der weiche Reifen.

Diesen Vorteil wollen sich natürlich auch die Verfolger zunutze machen, doch da von Gasly bis Vettel alle auf Soft starten, wird der Reifen in diesen Gefilden keinen Unterschied machen. Weiter hinten könnte es hingegen durchaus sein, dass Fahrer die es besonders eilig haben für den Start auch bei freier Reifenwahl auf Soft setzen.

3. - S wie Strategie

Die Hitzeschlacht auf dem Hungaroring zeichnete sich bereits in den Trainings am Freitag deutlich ab. Pirelli hat für das elfte Saisonrennen die Reifenmischungen C2, C3 und C4 als Hard, Medium und Soft bereitgestellt. Letzterer soll laut den Italienern nicht sonderlich viel Spielraum für Strategiespielchen lassen, denn bei hohen Temperaturen ist mit massivem temperaturbedingten Verschleiß zu rechnen.

Wer auf Soft startet, wird kaum um eine Zweistopp-Strategie herumkommen. Denkbar sind laut Mario Isola von Pirelli ein erster Stint auf Soft gefolgt vom zweiten auf Medium und dem dritten auf Soft. Alternativ sind auch ein erster Stint auf Soft und zwei auf Medium möglich. Doch vor allem Red Bull wird daran interessiert sein, den ersten Stint lang genug zu stretchen, um vielleicht doch auf eine Einstopp-Taktik setzen zu können. Reifenflüsterer Perez wäre sicher der richtige Kandidat dafür.

Beim Start auf Medium oder Hard sieht Pirelli den Einstopper klar als schnellste Route durch den Grand Prix über die Distanz von 70 Runden. Dabei würden beide genannten Mischungen zum Einsatz kommen. Das Delta zwischen Hard und Medium beträgt sieben bis acht Zehntelsekunden.

4. - S wie Silverstone-Trauma

Die Kollision zwischen Hamilton und Verstappen in Silverstone bestimmte in den Wochen vor Ungarn das Geschehen. Red Bull versuchte mit allen Mitteln gegen den Titelverteidiger und Mercedes vorzugehen. Nachdem der Einspruch am Donnerstag abgelehnt und beide Fahrer sich in der Pressekonferenz ausführlich zum Vorfall äußerten, sollte man meinen, dass die Sache abgehakt ist. Doch nach dem Qualifying wurde mit Blick auf das Rennen wieder nachgehakt - und Verstappen platzte der Kragen.

Der Niederländer hat den Ruf eines unbeirrbaren Profis, doch seine Reaktion zeigte, dass ihm die Geschehnisse von vor zwei Wochen keineswegs egal sind. Hamilton hat mit seinem aggressiven Manöver eine Grenze überschritten und Verstappen in der WM obendrein einen Batzen Punkte gekostet. Der Herausforderer ist gut beraten, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wenn sich eine Chance zur Attacke ergibt, wird er mit Hamilton aber kaum zimperlich sein.

5. - S wie Sonntagswetter

Der Große Preis von Ungarn findet seit seiner Premiere 1986 im Hochsommer statt und hat schon so manche Hitzeschlacht gesehen, aber auch chaotische Wetterkapriolen. Letztere hatte der Wetterbericht in der Woche vor dem Rennen vorhergesagt, doch am Samstag umkurvten die Gewitterschauer die Sessions der Formel 1 gekonnt.

Am Sonntag ist davon ohnehin nichts mehr zu sehen. Stattdessen sagen die Meteorologen Höchstwerte von 34 Grad Celsius voraus. Die Regenwahrscheinlichkeit ist mit 12 Prozent praktisch nicht existent. Mit Außentemperaturen die noch einmal bis zu fünf Grad Celsius über den Werten von Trainings und Qualifying liegen, wird auch die des Asphalts wieder bei 60 Grad Celsius und mehr liegen.

6. - S wie Stallregie

Red Bull kann von Glück reden, dass Perez sich im Qualifying als Vierter gerade so vor dem Verfolgerfeld rettete. Lediglich fünf Hundertstelsekunden trennten ihn von Gasly. Dass der Mexikaner es im Q3 nicht vor Ablauf der Zeit über die Linie schaffte um noch einen zweiten Versuch zu absolvieren, hätte böse ins Auge gehen können. Doch in Startreihe zwei haben die Österreicher ihren Edelhelfer genau dort, wo sie ihn sehen wollen.

Die optimale Ausgangsposition von Perez ist in der gegenwärtigen Situation ein Muss. In Silverstone hätte er nach seinem Fehler im Sprint und dem Start aus der Boxengasse keine Möglichkeit gehabt, Verstappen im Kampf gegen beide Mercedes-Piloten zu unterstützen. Auf dem Hungaroring könnte sich eine Möglichkeit eröffnen, ihn strategisch einzusetzen, zum Beispiel mit einem langen ersten Stint, der ihn vor die Rivalen bringt.

Mercedes hat mit Bottas allerdings dieselben Möglichkeiten und eine noch bessere Ausgangslage. Der Finne steht schon beim Start zwischen Hamilton und Verstappen und könnte seinem Stallgefährten ab der ersten Runde die Flucht nach vorne kinderleicht machen. Andererseits hatte Bottas in der Vergangenheit oft mit schlechten Starts zu kämpfen. Wenn er Hamilton nützlich sein will, müssen die ersten Meter diesmal sitzen.

7. - S wie Sieger

Als Pole-Sitter hat Hamilton in Ungarn selbstverständlich die besten Karten auf den Sieg - und es wäre ein ganz besonderer. Der siebenfache Weltmeister gewann in seiner Karriere bereits acht Mal auf der Traditionsrennstrecke vor den Toren Budapests. Mit dem nächsten Erfolg würde er einen weiteren Rekord von Michael Schumacher überbieten, der seinerseits acht Mal den Grand Prix von Frankreich in Magny-Cours gewann. Die beiden Rekordweltmeister halten im Moment noch zusammen die Bestmarke für die meisten Siege auf einer Rennstrecke.

Die drei anderen Favoriten haben auf dem Hungaroring noch nie gewonnen. Verstappen holte 2019 seine erste Pole Position und kam dem Sieg am darauffolgenden Sonntag ganz nahe, nur um wenige Runden vor Schluss von Hamilton abgefangen zu werden. Die Teamkollegen haben noch weniger vorzuweisen. Für Bottas waren zwei dritte Plätze bisher das höchste der Gefühle, Perez kam in zehn Jahren nie über Platz sieben hinaus.


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