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Formel 1, Benzinmangel: Norris entkommt Qualifying-Fiasko

McLaren zog auch im Qualifying zum Frankreich-GP den Kürzeren gegen Ferrari. Für Lando Norris war die Reise beinahe im Q2 vorbei. Zu wenig Sprit für Hotlap.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Neben dem großen Duell Mercedes gegen Red Bull blickte die Formel 1 in Frankreich auch dem Zweikampf von Ferrari und McLaren gespannt entgegen. Würde McLaren nach Ferraris Hochform auf den Straßenkursen von Monaco und Baku in Le Castellet mit Macht zurückschlagen? Das Qualifying auf dem Circuit Paul Ricard gab eine klare Antwort. Carlos Sainz und Charles Leclerc qualifizierten sich auf P5 und P7, Lando Norris und Daniel Ricciardo auf P8 und P10.

Dabei hätte es für McLaren und seine bisherige Speerspitze dieser Saison sogar noch schlimmer kommen können. Beinahe hätte Norris das Q3 ganz verpasst. Der kuriose Grund: McLaren hatte vor Norris' letztem Run im Q2 wegen eines noch ungeklärten Defekts zu wenig Benzin in den MCL35M eingefüllt.

Lando Norris: Zu wenig Benzin ist ein Problem

"Wir hatten ein Problem damit, das Benzin anständig ins Auto zu füllen, sodass ich nicht genug Benzin hatte. Das ist ein Problem", schildert der Brite das Offensichtliche. "Deshalb mussten wir ihn reinholen, um sicherzustellen, das Auto zurückzubekommen. Wir analysieren gerade, was da passiert ist", ergänzt Teamchef Andreas Seidl.

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Somit konnte Norris seinen finalen Run im Q2 nicht bestreiten, sondern bog wieder in die Boxengasse ab. "Aber meine erste Runde war gut genug, sodass es uns nichts gekostet hat", sagt Norris erleichtert. Das sei allerdings großes Glück gewesen, so der Brite. "Die Strecke verbesserte sich die ganze Zeit. Ich war überrascht, dass ich nicht noch weiter hinten war, weil sich alles so sehr zu verbessern schien." Letztlich zog Norris dennoch recht komfortabel ins finale Q3 ein - als Siebter mit zwei Zehnteln Vorsprung auf den undankbaren elften Platz.

McLaren hinter Ferrari: Auto aber ordentlich

Damit war das große Fiasko abgewendet, allerdings will Norris auch im Q3 noch unter den Folgen gelitten haben. "Der Wind drehte am Ende des Q2 ein bisschen, sodass es mich dann im Q3 etwas überrascht hat. Das war kein perfektes Szenario. So war ich etwas hinten dran", berichtet Norris. Der Rückstand auf Leclerc im Ferrari vor ihm war allerdings beträchtlich. Mehr als eine Viertelsekunde fehlte dem Briten.

"Das Auto war aber nicht schrecklich. Wir haben etwas damit gekämpft die richtige Balance für die langsamen und schnellen Kurven zu finden. Es ist keine große Sache, das Auto war nicht schlimm zu fahren. Ich denke, mir ist eine ordentliche Runde gelungen. Nicht perfekt, aber ordentlich. Aber wir waren einfach nicht schnell genug", schildert Norris.

Norris fordert: Leute sollten Ferrari ernster nehmen

Teamkollege Ricciardo fehlten weitere eineinhalb Zehntel und zwei Ränge. Der Australier zieht ein ähnliches Fazit wie Norris. "Es war ordentlich. Wir haben nicht viel liegen gelassen. Aber am Ende fehlten uns einfach die letzten Zehntel, um weiter vorne zu sein. Der Wettbewerb ist einfach so eng. Ich bin sicher, dass von meiner Seite noch eine Zehntel da war, aber ich habe sicher nicht drei oder vier Zehntel liegen gelassen. Das war ziemlich repräsentativ für unsere Pace."

Unter dem Strich sei Ferrari schlicht besser gewesen, heißt es von McLaren. Das dürfe einen allerdings nicht überraschen. Rückkehr auf eine permanente Rennstrecke hin oder her. "Einige Leute unterschätzen sie aus irgendeinem Grund und glauben, dass sie ein furchtbares Auto haben. Aber sie sind Ferrari! Sie haben sich seit letzter Saison sehr verbessert", sagt Norris. Ferrari habe im Grunde keine klaren Schwachstellen mehr, so der Brite. Auch nicht auf den Geraden. "Die Leute sollten sie einfach mehr auf der Rechnung haben", fordert der McLaren-Fahrer.

McLaren sieht Trend: Qualifying flop, Rennen top

Ähnlich sieht das sein Teamchef. "Seit Barcelona gibt es einen Trend, dass wir im Qualifying damit kämpfen, mit Ferrari mitzuhalten - und auch mit Pierre [Gasly, P6], der heute wieder eine gute Runde rausgeholt hat", sagt Seidl. "Wir müssen anerkennen, dass diese Autos da schneller sind." Eine Überraschung ist die Stärke der Roten auch für den Deutschen nicht. "Ein Team wie Ferrari darfst du nie unterschätzen", sagt Seidl. "Und gegen Ferrari zu kämpfen ist nichts, weshalb wir uns schlecht fühlen sollten."

Kämpfen will McLaren nun vor allem wieder im Rennen. Auch dort sieht das Team einen Trend. "Wir tendieren zu einer guten Rennpace, wenn wir uns nicht so gut qualifizieren und zu einer eher schwachen, wenn wir uns gut qualifizieren", sagt Ricciardo. "Also kommen wir morgen hoffentlich zurück!" Norris sieht ebenfalls Chancen, "ein paar Positionen" zurückzuholen. "Wir müssen morgen wieder beweisen, dass wir dafür ein gutes Rennen im Auto haben", ergänzt Seidl. "Aber hinter den Ferrari und Pierre zu starten, macht es nicht leichter."

Ferrari will in Frankreich endlich mit Rennpace glänzen

Noch dazu will diesmal auch Ferrari beweisen, auch Rennen zu können. Bedenken wegen der Rennpace habe er nicht, so Charles Leclerc zu Motorsport-Magazin.com. "Aber ich bin nicht besonders glücklich mit der Runde auf den Startreifen im Q2 ..." Gerade für den Monegassen war das Qualifying ein regelrechter Spießrutenlauf. "Ich kam einfach nicht um die Einschränkungen herum, die wir das ganze Wochenende mit der Front haben, aber das liegt mehr an mir als am Auto", gesteht Leclerc.

Teamkollege Sainz habe dieselben Probleme. "Und kommt besser damit zurecht. Ich hatte Probleme. Da muss ich verstehen, was ich hätte besser machen können", sagt Leclerc. Alles versucht haben will der Ferrari-Pilot. Im Q3 änderte er die Einstellung des Frontflügels drastisch. Leclerc: "Viel aggressiver als normalerweise. Das und auch ein paar Dinge mit meiner Fahrweise haben sich ausgezahlt. Mit der letzten Runde war ich ganz happy, davor war es desaströs und sehr weit weg."

Charles Leclerc überfährt Ferrari, von Sainz besiegt

Auf Sainz fehlten dennoch eineinhalb Zehntelsekunden - der, wie von Leclerc angedeutet, allerdings auch zu kämpfen hatte. "Wir kämpfen wie alle anderen mit den Vorderreifen. Die sind etwas zu weich und schwierig auf ihrem Peak zu fahren, du überfährst sie schnell. Ich habe versucht, diszipliniert zu bleiben, aber es war nicht leicht", berichtet der Spanier.

Für Sainz ist der seltene Triumph über Leclerc speziell nach Baku und Monaco ein großer Sieg. "Heute war eine kleine Erleichterung nach zwei, drei frustrierenden Qualifyings, wo wir nicht das volle Potential ausgeschöpft haben. Ich hatte zwei, drei starke Runden im Q3", jubelt der Ferrari-Neuzugang. Einzig für einen Angriff auf Red Bull und Mercedes reichte es diesmal dennoch nicht. Zumindest in dieser Relation lieferte Ferrari in Frankreich die wohl von allen erwartete Performance.

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