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Formel 1

Zak Brown: Verbandelte Teams sollten Windkanal nicht teilen

In der Frage, wie weit Formel-1-Teams kooperieren dürfen, hat McLaren-Racing-CEO Zak Brown eine eindeutige Meinung. Beim Windkanal sollte Schluss sein.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Wie eng arbeiten sogenannte Kundenteams in der Formel 1 mit ihren technischen Lieferanten zusammen? Das ist eine Frage, die im vergangenen Jahr aufgrund des Racing-Point-Autos heiß diskutiert wurde. Zak Brown, CEO von McLaren Racing, hat sie in der Saison 2021 ein weiteres Mal in die Öffentlichkeit getragen. Der US-Amerikaner sprach sich für geheime Abstimmungen in der Formel-1-Kommission aus. Er äußerte den Verdacht, dass die großen Teams auf ihre Kunden Druck ausübten, um deren Abstimmungsverhalten zu beeinflussen. Dies gehe so weit, dass sich die kleinen Teams bei bestimmten Entscheidungen sogar selbst schaden würden.

Im vergangenen Monat veröffentlichte er einen offenen Brief. Dabei ging es ihm nicht nur darum, die zuvor geäußerte politische Dimension aufzuzeigen. Er wollte auch Diskussionen anregen, wie eng zwei Rennställe miteinander kooperieren dürfen. "Das müssen die FIA und die Formel 1 auf jeden Fall thematisieren", sagt er.

"Wenn wir in der Geschichte zurückblicken, wurden schon früher Getriebe an andere Teams verkauft. Ich habe keine Probleme damit, wenn sich die Zusammenarbeit auf diese Bereiche bezieht, um kleinen Teams zu helfen. Das ist gut und gesund. Es hilft den Teams, die ihre Technik verkaufen, einen Gewinn aus ihrer Technologie zu ziehen, und hilft kleinen Teams weiter, die nicht die Ressourcen haben, ihr eigenes Getriebe zu entwickeln", erklärt Brown.

Der von Andreas Seidl geleitete Rennstall ist auch nach dem Wechsel zu Mercedes-Motoren seiner Strategie der vergangenen Jahre treu geblieben. Der aktuell Dritte der Konstrukteurs-WM baut sein Getriebe selbst und bezieht es nicht wie Aston Martin und Williams von seinem Motorenlieferanten. McLaren hat keine tiefere Verbindung zu einem anderen Formel-1-Team.

Windkanal nur unter bestimmten Bedingungen teilen

"Ich persönlich mag ich es nicht, wenn sich zwei miteinander verbundene Teams, denselben Windkanal teilen. Ich würde gerne Beschränkungen sehen, was das Teilen des Windkanals angeht, wenn es eine direkte Beziehung gibt. Ich denke, den Windkanal zu teilen, ist gut für das Team, das den Windkanal besitzt, um seine Ressourcen zu schonen. Einige Teams können sich einen eigenen Windkanal nicht leisten", sagte er.

Die offensichtliche Verbindung zwischen zwei Formel-1-Teams besteht in der Red-Bull-Familie. AlphaTauri, das lange Zeit als Nachwuchsteam galt, genießt inzwischen ein höheres Ansehen und wird von Red Bull als Schwesterteam bezeichnet. Der Technologie-Transfer zwischen beiden Rennställen wurde in der Vergangenheit intensiviert. Seit diesem Jahr arbeiten beide auch im selben Windkanal - und zwar in jenem von Red Bull in Milton Keynes. Dies wurde möglich, da die Windkanal-Zeiten durch das Reglement eingeschränkt wurden. Die Teams haben nun vermehrt freie Kapazitäten, die sie füllen können, indem sie ihre Einrichtungen vermieten.

Wechselt Lewis Hamilton noch einmal sein Formel 1 Team?: (07:05 Min.)

Generell hat Brown keine Einwände, wenn Rennställe ihre Windkanal-Kapazitäten ihren Mitbewerbern zur Verfügung stellen. Nur darf ihre Verbindung laut dem 49-Jährigen nicht zu intensiv sein. "Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht Haas den Renault-Windkanal nutzt. Auch Sauber hat einen großartigen Windkanal", sagt er.

Baurückstand bei McLaren-Windkanal

McLaren verfügt derzeit selbst nicht über einen eigenen Windkanal. Viele Entwicklungsarbeiten fanden in den vergangenen Jahren im Toyota-Windkanal in Köln statt. Den nutzten davor auch schon Ferrari und Force India. Der Rennstall aus Silverstone nutzte nach der Übernahme durch das von Lawrence Stroll geleitete Konsortium und der Umbenennung in Racing Point bereits im Jahr 2019 des Mercedes-Windkanals. Im vergangenen Jahr rückte das heutige Aston-Martin-Team mit einer 'pinken Mercedes-Kopie' aus.

McLaren baut derzeit seine eigene Infrastruktur in Woking aus. Ursprünglich plante der britische Traditionsrennstall, zur Jahresmitte den neuen eigenen Windkanal in Betrieb nehmen zu können. Im vergangenen August sagte der technische Direktor James Key aber, dass die Pläne wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie um ein Jahr in Verzug geraten seien. Im vergangenen Jahr erhielt McLaren Racing durch den Einstieg von Investor MSP Sports Capital eine Kapitalaufwertung. Bis 2022 übernimmt das Unternehmen 33 Prozent der McLaren-Anteile als Gegenleistung für seine Investition von 185 Millionen Britischen Pfund. Die Vermietung des eigenen Windkanals an Konkurrenten könnte der Formel-1-Abteilung des Sportwagenbauers künftig wertvolle Einnahmen einbringen.


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