Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1, Verstappen beteuert: Keine Absicht bei Hamilton-Move

Max Verstappen fuhr in Imola gegen Lewis Hamilton die Ellenbogen aus. Der Weltmeister war nicht erfreut. Der Red-Bull-Pilot erklärt es mit einem Versehen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen ließ beim Formel-1-Rennen in Imola auf dem Weg zu seinem ersten Sieg 2021 nichts anbrennen. Der Red-Bull-Pilot legte mit einem fulminanten Start samt Ellenbogeneinsatz gegen Lewis Hamilton den Grundstein für seinen ersten Erfolg in dieser Saison. Nachdem sein Verfolger bei den schwierigen Bedingungen patzte, war der Weg für den Niederländer endgültig frei. Um ein Haar hätte er sich jedoch selbst mit einem Fahrfehler um den Triumph gebracht.

"Du versuchst natürlich immer den bestmöglichen Start zu erwischen. Als ich sah, dass ich sehr gut weggekommen war, habe ich natürlich nichts anbrennen lassen", so Verstappen über die erste Schlüsselszene des Rennens, als er beim Start von der dritten Position aus die Führung übernahm. Nachdem er Teamkollege Sergio Perez von der Linie weg ausbeschleunigt hatte, ging es Rad an Rad mit Hamilton in die Tamburello-Passage.

Der Brite hielt außen dagegen, doch Verstappen setzte sich mit Nachdruck durch. Hamilton musste daraufhin auf die extrem aggressiven Kerbs in der Rechtskurve des Komplexes ausweichen. "Ich denke, ich war am Eingang der Kurve leicht vorne und habe dann einfach nur verhindert, dass wir kollidieren", so Hamiltons Einschätzung der Situation. "Max kam immer und immer mehr rüber. Wir haben uns leicht berührt und ich musste dann auf diesen großen Kerb."

Von dem Kontakt will Verstappen nichts gespürt haben: "Ich glaube nicht, dass wir uns berührt haben. Ich muss das Video nochmal sehen." Bevor es eng wurde, war er ohnehin mehr damit beschäftigt, das richtige Tempo für die erste Anfahrt auf Tamburello zu ertasten. "Es ist schwer, auf den kalten Reifen den Bremspunkt zu treffen. Du willst dich nicht verbremsen, denn mit all dem Kies rundherum kannst du dir auf dieser Strecke schnell das Auto beschädigen", erklärt er.

Dass es dabei mit Hamilton eng wurde, geschah keineswegs vorsätzlich. "Wir sind nebeneinander in die Kurve gefahren und es ist schwer, den Grip auf der ersten Runde einzuschätzen. Ich bin dabei auch etwas weiter gegangen, als ich wollte und Lewis war eben dort. Dann kommen diese gelben Kerbs und er musste darüber fahren", so der 23-Jährige.

Red Bull wechselt im richtigen Moment auf Slicks

Hamilton beschädigte sich dabei eine Endplatte seines Frontflügels, während Verstappen mit freier Fahrt die Führungsarbeit übernahm. Die Rennleitung notierte den Zwischenfall zunächst, sah aber von einer Untersuchung ab. Zu Beginn konnte Verstappen seinem Verfolger davonziehen, doch auf abtrocknender Strecke wurde die Luft für ihn gegen Rennhalbzeit wieder dünner. Sein Vorsprung schmolz von über fünf auf eine Sekunde.

"Der richtige Moment, um auf Slicks zu gehen, ist immer schwierig zu entscheiden", so Verstappen, der auf den alternden Intermediates zunehmend in Schwierigkeiten geriet: "Ich sah, wie einige Fahrer auf den Slicks Probleme hatten und gleichzeitig waren meine Intermediates am Ende. Es war sehr schwer, damit weiterzufahren, denn du bist nur noch gerutscht und wenn du ein paar Zentimeter von der Linie abkommst, kannst du schnell das Auto verlieren."

In der 27. Runde hatte Hamilton aufgeschlossen, woraufhin Verstappen an die Box ging und sich des Mischreifens entledigte. "In einem Rennen wie diesem ist es nie einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es war sehr stressig, richtig zu wählen. Aber ich denke, wir haben das sehr gut hinbekommen", sagt er über den Zeitpunkt seines Reifenwechsels.

Hamilton versuchte den Overcut und wechselte eine Runde später auf Slicks, doch Verstappen baute seinen Vorsprung auf dem Trockenreifen schnell wieder auf über fünf Sekunden aus. Im Überrundungsverkehr unterlief Hamilton dann ein folgenschwerer Fehler, der Verstappen den Druck nahm.

Verstappen wirft beinahe Führung weg

Beim Restart nach der Rennunterbrechung in Folge des Unfalls zwischen Valtteri Bottas und George Russell, stellte er sich jedoch fast selbst ein Bein. In der Aufwärmrunde verlor Verstappen in der Doppel-Links-Passage Rivazza, welche auf die Start- und Zielgeraden führt, kurzzeitig die Kontrolle über seinen RB16B.

"Ich hatte einen Schreckmoment, als ich auf dem Gas [die Reifen] aufwärmen wollte", erklärt der Sieger. Im Verlauf des Rennens waren mehrere Piloten beim Aufwärmen von der Strecke gerutscht. Perez verlor in einer solchen Szene zwei Positionen, die er sich hinter dem Safety Car unter Missachtung des Reglements zurückholte.

Verstappen hatte Glück, dass er bei seinem Fahrfehler nicht von den ihm folgenden Piloten Charles Leclerc und Lando Norris überholt wurde. "Ich war kurz neben der Strecke, aber dann kam ich zurück und war natürlich langsam, weil ich mich wieder einordnete", sagt er. Dass einer seiner Verfolger ihn hätte kassieren können, glaubt er nicht.

"Wenn du ein Auto vor dir so außer Kontrolle siehst, verlangsamst du erstmal, denn du weißt nicht, wohin es sich bewegen wird. Du hast vielleicht zwei oder drei Sekunden, um das zu entscheiden. Du willst auch nicht plötzlich reagieren, weil du dich dabei vielleicht selbst drehst", so Verstappen, der seinen Fauxpas mit Humor nimmt: "Das war eine geheime Art des Reifenaufwärmens."


Weitere Inhalte: