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Formel 1

Formel 1, Mazepin erklärt Crash: Wollte Schumacher ausweichen

Nikita Mazepin crashte in seinem ersten F1-Rennen nach zwei Kurven. Der Russe ist enttäuscht und wütend. Teamchef Günter Steiner hilft bei Frustbewältigung.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Nikita Mazepins erstes Formel-1-Rennen war am Sonntag in Bahrain nach wenigen Metern beendet. Der russische Rookie setzte seinen chaotischen Auftritt aus dem Qualifying nahtlos fort, als er bereits in Kurve drei die Kontrolle über seinen Haas verlor und in die Streckenbegrenzung einschlug. Das Debüt war für ihn ein unverzeihliches Desaster. Teamchef Günther Steiner managt die Frustration beim Youngster.

"Es gibt keine Ausreden. Ich habe einen schlechten Job gemacht, es war mein Fehler", so Mazepin sichtlich niedergeschlagen. "Aber ich bin ein Mensch, und leider mache ich Fehler. Außer hier zu stehen und einen der schlimmsten Tage meines Lebens zu haben, kann ich nicht viel sagen."

Nachdem die Fahrer sich diszipliniert durch die erste Kurve gefädelt hatten und die größte Gefahr einer Startkollision vorüber schien, bog der Haas mit der Startnummer 9 am Ende des Feldes ab und krachte in die Barriere.

Mazepin hatte auf dem Kerb am Ausgang von Kurve zwei die Traktion verloren und war nach einem Gegenpendler quer über die Rennstrecke geschossen und eingeschlagen. "Die Reifen waren kalt und ich habe auf dem Kerb zu viel Gas gegeben und mich gedreht", erklärt der 22-Jährige. Schon am Samstag hatte er gestanden, dass ihm das Vertrauen in den VF-21 an diesem Wochenende fehlte.

Mazepin wütend auf sich: Im Duell gegen Schumacher Kontrolle verloren

Nach zwei Drehern im Qualifying erreichte er am Sonntag einen neuen, bitteren Tiefpunkt. "Es war alleine mein Fehler und es tut mir für das Team sehr leid. Sie haben mehr als das verdient. Ich bin sehr wütend auf mich", zeigt er sich untröstlich. Nach einem fehlerfreien Start traf er im Pulk schlichtweg die falschen Entscheidungen.

"Es war mit Mick außen in Kurve zwei sehr eng, denn er hatte mehr Schwung. Ich konzentrierte mich darauf, nicht mit ihm zu kollidieren, kam auf den Kerb und verlor mit zu viel Gas das Auto. Ich hatte keine Chance, es abzufangen", so Mazepin. Während der Teamkollege bei seinem Dreher wenig später davonkam und seinen ersten Grand Prix beendet, war bei ihm Frustbewältigung angesagt.

Mazepin nach schwierigem Winter neben der Spur?

"Er war ziemlich hart mit sich. Ich habe ihm nur gesagt, Kopf hoch und weiter machen", so Steiner. Der Haas-Teamchef musste sich in den vergangenen Jahren auch bei seinem erfahreneren Fahrerduo mehrfach mit Krisenmanagement auseinandersetzen. Mit Mazepin begann dies noch vor dem ersten Rennen, als dieser durch ein Instagram-Video unter Beschuss der Öffentlichkeit kam.

"Ich weiß nicht, inwiefern ihn das beeinflusst hat. Natürlich geht das in dem jungen Alter nicht ganz spurlos an dir vorüber", so der Südtiroler. Mazepin hatte im Zuge des Skandals betont, seinen Platz in der Königsklasse mit den Leistungen auf der Strecke rechtfertigen zu wollen. Steiner glaubt jedoch nicht, dass er zu viel wollte: "Es ist normal, dass du dich beweisen willst. Natürlich hat er etwas härter gepusht, aber ich glaube, das ist einfach sein Charakter."

Für ihn waren Mazepins Fehler klassische Rookiefehler. "Er hat es einfach übertrieben und fühlt sich deshalb sehr schlecht", sagt er. "Du willst das Limit finden und manchmal gehst du darüber hinaus. Ich bin davon nicht wirklich überrascht, denn du versuchst dein Bestes zu geben und unser Auto ist offenbar auch nicht so einfach zu fahren. Die Jungs geben wirklich alles."

Schumacher drehte sich nach dem Restart in Kurve vier auf dieselbe Weise wie Mazepin. Der Deutsche war auf dem Gas zu gierig, verlor die Traktion und drehte sich nach einem Gegenpendler von der Strecke. "Mick hat einen sehr guten Job gemacht. Er hat auch seinen Dreher gehabt, kam aber zurück. Er hat mit jedem Stint etwas gelernt und wurde besser", so Steiner.

Steiner hofft auf Lerneffekt: Nächstes Mal anderer Fehler

Mazepin konnte zwar nicht die erhofften Kilometer abspulen, doch er hofft auch bei seinem zweiten Fahrer auf einen Lerneffekt durch das Rennen in Bahrain: "Du musst auch das Kämpfen lernen. Beide waren auf dem Gas zu wild und kamen dann auf einen Kerb. Diese Autos haben so viel Leistung, wenn das Drehmoment einsetzt, kannst du es nicht immer einfach kontrollieren. Die Erfahrung müssen sie auch machen."

Er geht davon aus, dass sich das so schnell nicht wiederholen wird: "Ich denke nicht, dass es ihnen nochmal passiert. Sie werden sich nochmal drehen, aber nicht so. Sie haben jetzt die Erfahrung gemacht, wie es ist, im Rennen mit anderen Autos zu kämpfen und mit der Traktion zu optimistisch zu sein und damit, wie viel Leistungsabgabe das Auto verträgt."


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