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Formel 1, Mick Schumacher: Werde mir den Arsch aufreißen

2021 gibt Mick Schumacher sein Debüt in der Formel 1. Wie sich der F2-Champion vorbereitet und was er zur neuen Haas-Lackierung sagt.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Am Donnerstagmorgen war es endlich soweit: Haas präsentierte die neue Lackierung für die Formel-1-Saison 2021. Ein neues Auto gab es noch nicht zu sehen, nur neue Farben. Die haben es dafür in sich: Der US-amerikanische Rennstall geht im Russland-Design an den Start.

Der Hintergrund ist klar: Der russische Chemie-Konzern Uralkali steigt als Titelsponsor ein und bezahlt damit das Cockpit von Mick Schumachers Teamkollegen Nikita Mazepin. Der Sohn von Uralkali-Boss Dimitry Mazepin sorgte in der Winterpause schon mit Grapsch-Affäre und Verkehrs-Verstoß für Aufsehen, nun mit der Lackierung.

Mick Schumacher zeigt sich davon aber unbeeindruckt: "Mich stören die Farbe nicht. Ich sehe die Teamfarben darin. Solange wir schnell sind, bin ich happy." Während die Fragen zur Lackierung unausweichlich waren, wollte Schumacher auf das Bad-Boy-Images seines Teamkollegen nicht näher eingehen. Beide kennen sich schon lange, fuhren bereits diverse Rennen gegeneinander und waren sogar schon Teamkollegen.

Haas startet 2021 mit russischer Flagge auf dem Auto - Foto: Haas F1 Team

Schumacher konzentriert sich lieber auf sich selbst. Für sein Renndebüt in der Formel 1 trainiert er unermüdlich: "Die Vorbereitung ist nicht so viel anders als in den Nachwuchsserien. Man wird älter und trainiert deshalb härter, dieses Jahr liegt der Fokus vor allem auf dem Nacken."

Sechsmal die Woche trainiert der 22-Jährige für seinen großen Traum. Neben Kardiotraining auf dem Rad stehen vor allem Trainingseinheiten im Fitnessstudio auf dem Programm. Dort werden täglich andere Muskelgruppen trainiert, nur der Nacken wird jeden Tag malträtiert.

Schumacher: Quarantäne für Sitzanpassung

Während die physische Vorbereitung über den Winter perfekt lief, litt die Eingewöhnungsphase mit dem neuen Team unter der Corona-Pandemie. Erst kürzlich konnte Schumacher zur Sitzanpassung zum Team nach England reisen. Dort musste er sich aber zunächst in häusliche Quarantäne begeben.

Erst als er sich nach vorgeschriebener Zeit 'freitesten' konnte, durfte er zum Team nach Banbury. Für anderthalb Tage in Haas' Einsatzzentrale musste Schumacher insgesamt zehn Tage einplanen. Dafür zelebrierte er das Seatfitting regelrecht. "Es hat von acht Uhr morgens bis halb elf abends gedauert", berichtet der Formel-2-Champion.

"Das war gar nicht so einfach", so Schumacher. "Das Cockpit ist recht eng. Ich bin zuversichtlich, dass es gut geklappt hat. Sicherheit hat man aber erst nach einigen Runden, wenn man sieht, ob es Druckstellen gibt."

Auf die ersten Runden muss der 22-Jährige noch etwas warten. Der Haas VF-21 wird erst beim offiziellen Testauftakt in Bahrain seine Jungfernfahrt absolvieren. Bis dahin stehen weiterhin Fitnesstraining und diverse virtuelle Meetings mit dem Team auf dem Plan.

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Neben seinem Job als Einsatzfahrer bei Haas ist Schumacher noch immer Mitglied der Ferrari Driver Academy. In seiner Ausbildung zum kompletten Rennfahrer wird er dabei von Ferrari unterstützt, auf die Rennen kann er sich im Simulator in Maranello vorbereiten. "Ich habe auch einen iRacing-Account. Dort gibt es ein Auto, das sich so ähnlich wie ein Formel-1-Auto fährt. Der große Simulator von Ferrari ist aber besser", so Schumacher.

Haas: Keine Weiterentwicklung 2021

Während Millionen von Fans dem Schumacher-Comeback in der Formel 1 entgegenfiebern, sieht Mick Schumacher es noch ganz gelassen: "Ich habe meine Gedanken gut sortiert, ich freue mich zunächst einmal auf den Test. Wenn ich dann im Rennen bin, werden die Emotionen kommen."

Sportlich wird seine erste Saison schwierig. Haas fuhr im vergangenen Jahr hinterher und wurde in der Konstrukteurs-WM Vorletzter. Große Weiterentwicklungen gibt es 2021 nicht, dazu will der Rennstall auch während der Saison den Fokus bereits voll auf 2022 legen. "Das heißt aber nicht, dass wir nicht pushen werden", stellt Schumacher klar.

Das beschränkt sich nicht nur auf die Arbeit im Cockpit: "Ich will mich in jedem Aspekt verbessern. Das will ich und da werde ich mir den Arsch dafür aufreißen - wenn ich das so sagen darf. Ich werde alles geben, was ich habe."


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