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Formel 1, Grosjean meidet IndyCar-Ovale: Unfall eine Lehre

Romain Grosjean kehrt nach seinem Feuerunfall in der Formel 1 in der IndyCar Series zurück in den Motorsport. Warum er die Ovale meidet - erst einmal.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Das Funkeln in seinen Augen sagte mehr als alle Worte. Romain Grosjean ist noch nicht fertig. In einem Twitch-Stream verkündete der Franzose am Mittwoch sein Comeback im Motorsport nach seinem furchtbaren Feuerunfall beim Großen Preis von Bahrain 2020 der Formel 1. "Wenn ihr zuletzt im Internet unterwegs wart, wisst ihr schon, worum es geht", eröffnete Grosjean seine Bekanntgabe.

Im nächsten Satz bestätigte der 34-Jährige offiziell, was längst offenes Geheimnis war: 2021 startet Grosjean mit Dale Coyne Racing in der IndyCar. Damit war die Rückkehr perfekt. Auch die letzten Spekulationen, Grosjean könne nach seiner Erfahrung von Bahrain den Helm vielleicht doch ganz an den Nagel hängen, hatten sich als falsch erwiesen.

Romain Grosjean: Karriereende war nie eine Option

Tatsächlich habe ein Karriereende nie im Raum gestanden, verriet Grosjean. „Ich habe mir diese Frage gestellt. Tief in mir drin war das aber nie eine Option, auch wenn mir manche Leute dazu geraten haben“, sagt der Franzose. Zuvor hatte Grosjean immer davon gesprochen, seit Bahrain liege die Entscheidung nicht länger nur bei ihm, sondern seiner gesamten Familie um Ehefrau Marion und die drei gemeinsamen Kinder.

Die Beratungen hätten jedoch schnell ein klares Ergebnis geliefert. „Meine Frau hat mir sofort gesagt: ‚Es tut mir leid, weil du das vielleicht nicht hören willst. Aber ich will, dass du wieder Rennen fährst’“, berichtet der ehemalige Haas-Pilot. „Meine Frau und die Kinder verstehen, dass ich im Herzen Racer bin und es liebe.“ Es gab auch andere Meinungen.

Bahrain-Unfall: Grosjean-Manager wollte IndyCar-Pläne begraben

„Die erste Nachricht, die ich nach dem Unfall von meinem Freund und Manager Martin [Reiss] erhielt war: ‚Lass’ uns IndyCar vergessen.’ Nach so einem Schock und einem so furchtbaren Tag, kannst du das natürlich verstehen. Aber dann dachte ich, nein, es ist noch immer möglich, ich will es noch immer machen“, schildert Grosjean.

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Angebahnt hatte sich der Deal mit Dale Coyne nämlich schon lange vor Bahrain. Grosjean: „In der Woche vor Imola oder sogar ein paar Wochen zuvor. Er hat das als Angebot formuliert. Ich wollte die ganze Meisterschaft fahren, aber dann ist Bahrain geschehen ...“

Grosjean: Absage an Oval-Rennen nach Unfall

Das änderte, wie gesagt, jedoch nichts an seinem grundsätzlichen Willen, weiter Rennen zu fahren, allerdings sehr wohl an einem Detail: Ovale will Grosjean (noch) meiden. Dass sein Deal mit Dale Coyne die Superspeedways in Texas und im berühmten Indianapolis ausklammern würde, hatten die meisten ohnehin schon genauso erwartet wie die Zusammenarbeit selbst.

„Für einen Moment dachte ich in Bahrain, dass ich tot bin. Aber als Vater von drei Eltern muss ich bei meinen Entscheidungen für meine Zukunft vernünftig sein“, erklärt Grosjean den Grund für seine Entscheidung. „Jetzt fühle ich mich nicht wohl damit, Ovale oder Speedways zu riskieren - nicht speziell für mich selbst, mehr für meine Kinder und meine Familie.“

Grosjean emotional: Kann ich Familie nicht zumuten

Der Franzose wird emotional: „Da finde ich nicht, dass ich das für meine Kinder und meine Frau riskieren kann, nachdem sie etwas derart Unbeschreibliches in Bahrain erlebt haben und das Zuhause am Fernsehen ansehen mussten. Ich will nicht, dass sie nochmal in so einer Situation sind.“

Natürlich, das Risiko fahre auch so weiterhin mit. „Motorsport wird immer riskant sein, dass wissen wir, seit wir Kart fahren. Aber dann geht es darum, welchen Level du akzeptierst. Und zum jetzigen Zeitpunkt sind Ovale oder Superspeedways daher nicht auf der Liste“, erklärt Grosjean. Immerhin verfüge er auch über keinerlei Erfahrung mit Rennen im Oval. Deshalb schließt der ehemalige Haas-Fahrer einen Sinneswandel nicht gänzlich aus.

Romain Grosjean irgendwann doch im Oval?

„Es ist schwer, in die Zukunft zu sehen“, sagt Grosjean. „Vielleicht mache ich es in Zukunft. Wer weiß. Aber gerade steht das außer Frage. Wir haben diese Entscheidung als Familie getroffen. Prinzipiell wollte ich die ganze Saison machen, einschließlich der Ovale, aber nach dem Unfall wollte ich die zwei Superspeedways in Texas und Indianapolis nicht mehr machen - obwohl ich natürlich davon träume, die 500 Meilen zu gewinnen.“

Romain Grosjean ist mit Motorsport noch längst nicht fertig - Foto: Romain Grosjean/Twitch

Bis dahin wolle er jedoch erst einmal Erfahrungen sammeln und mindestens eine Saison im IndyCar bestritten haben. „Vielleicht werde ich irgendwann auch einen Test fahren, um zu sehen, wie ich mich damit fühle. Aber gerade ist es ein klares Nein. Der erste Indy-Test ist schon am ersten März. Das will ich nicht machen“, sagt Grosjean.

Indy-Lehrling Grosjean kontaktiert Pagenaud & Ericsson

Apropos Vorbereitungen: Die laufen längst auf Hochtouren - und auf zwei Ebenen. Die IndyCar selbst lernte Grosjean im Winter per Video-Studium auf YouTube und durch Austausch mit Fahrern kennen, parallel arbeitete der Franzose an der Reha seiner linken Hand. In Kontakt stand Grosjean vor allem mit Landsmann und IndyCar-Champion Simon Pagenaud sowie Marcus Ericsson. Der Schwede war 2019, wie jetzt Grosjean, ebenfalls aus der Formel 1 in die IndyCar Series gewechselt und stellt somit den idealen Ratgeber dar.

„Ich bin fast 200 Rennen in der Formel 1 gefahren“, sagt der 179-malige GP-Starter. „Aber in der IndyCar bin ich ein Rookie. Ich erwarte nicht, das erste Rennen zu gewinnen. Marcus hat mir sehr geholfen, die IndyCar zu verstehen. Jetzt kann ich es nicht erwarten, am 22. Februar das Auto auszuprobieren.“ Dann ist im Barber Motorsports Park Grosjeans erster Test mit Dale Coyne angesetzt.

Grosjean gibt Update zu verletzter Hand

Bis dahin sei auch seine Hand einsatzfähig, so Grosjean über Teil zwei seiner Vorbereitungen. „Mit dem Rennhandschuh muss ich vielleicht noch eine Woche warten, aber das sollte dann kein Problem sein“, sagt Grosjean. „Werde ich bei 100 Prozent sein? Vielleicht noch nicht ganz, aber für das erste Rennen im April bin ich bei 100 Prozent, denke ich.“

Grosjean: Formel 1-Abschied im Mercedes?: (15:40 Min.)

Ohnehin schränke ihn die Hand nur noch marginal ein. „Es ist okay. Rechts ist alles gut, links ist es noch ein bisschen … Die Haut ist wieder da, fast vollständig zurück, nahezu 98 Prozent in Sachen Oberfläche. Aber es ist noch sehr pinke, neue, enge Haut. Da muss ich noch viele Übungen machen, damit das wieder ganz funktioniert“, berichtet der Franzose.

Auch sein Bänderriss sei weitgehend verheilt. „Es ist jetzt recht stabil, da muss ich aber noch ein wenig Reha machen. Ich kann meine Hand aber schon fast vollständig benutzen und muss nur noch mit Kälte und Sonne aufpassen“, schildert Grosjean. Die Schmerztabletten hat er längst abgesetzt. „Und ich will sie auch nicht mehr zurück!“


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