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Formel 1

Formel 1: Verstappen eine Bank - Red Bull schwärmt nach Pole

Max Verstappen stach Mercedes im Qualifying in Abu Dhabi überraschend aus. Der Niederänder ist erlöst. Teamchef Christian Horner lobt seine Nummer eins.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen überraschte mit seiner Pole Position für das Formel-1-Finale 2020 in Abu Dhabi nicht nur Mercedes. Der Niederländer und Red Bull hatten sich für das letzte Qualifying des Jahres einmal mehr Platz drei ausgerechnet. Auf den letzten Drücker gelang auf dem Yas Marina Circuit doch noch der Triumph über die totale Mercedes-Dominanz. Teamchef Christian Horner schwärmt einmal mehr von seinem Supertalent.

"Er kann dich immer überraschen und das hat er heute getan", so Horner am Mikrofon von Sky UK, nachdem Verstappen für Red Bull doch noch die eine heißersehnte Pole Position in dieser Saison geholt hatte. Vor einer Woche hatte der 23-Jährige diese auf dem kurzen 'Outer Loop' von Bahrain um nur eine halbe Zehntelsekunde gegen Bottas verpasst. Diesmal reichten ihm zweieinhalb Hundertstelsekunden, um den Finnen hinter sich zu lassen.

Horner hatte damit zwar nicht gerechnet, doch für ihn ist dieser Ausgang einmal mehr eine Bestätigung der Qualitäten seines Teamleaders. "Du weißt einfach, dass er eine Bank ist und er immer alles geben wird", lobt er Verstappen. "Er war dieses Jahr so oft auf dem dritten Platz und hat jetzt zum Schluss einfach eine brillante Runde zusammengebracht."

Kurioser Lapsus: Verstappen bleibt am Lenkrad hängen

Der Weg zur Pole-Runde war für Verstappen alles andere als klar. Sowohl in Q1 als auch in Q2 lief es für ihn nicht nach Plan. Seinen ersten Run im Zeittraining musste er aufgrund eines ungewöhnlichen Missgeschicks in Kurve sechs abbrechen. Beim Aufmachen der Lenkung blieb er mit der Hand hängen und baute fast einen Unfall.

"Das war irgendwie unglücklich. Ich bin zwischen dem Lenkrad und meinem Knie steckengeblieben. Das ist mir noch nie zuvor passiert, aber plötzlich lenkte ich geradewegs Richtung Mauer", erklärt er die kuriose Szene. Im Q2 brauchte er zwei Anläufe, um sich auf dem Medium-Compound für das letzte Segment zu qualifizieren. Erst in letzter Minute gelang ihm die entscheidende Runde.

Pole für Verstappen und Red Bull wichtig

"Diese Strecke hat so viele Kurven, da ist es einfach einen Fehler zu machen", so Verstappen. Im Showdown waren alle Augen auf das Duell Lewis Hamilton gegen Valtteri Bottas gerichtet. Erst unterbot der Weltmeister den Teamkollegen um acht Hundertstelsekunden, dann schlug dieser mit sechs Hundertstelsekunden zurück. Damit schien die sechste Bottas-Pole der Saison fix, doch Verstappen hatte noch eine Überraschung parat.

"Ich glaube, ich bin dieses Jahr ein paar gute Qualifying-Runden gefahren, aber es hat einfach nie für die Pole gereicht", so Verstappen. "Diese war zum Glück gut genug. Zum Schluss endlich doch noch da zu sein, nachdem sie das ganze Jahr so dominant waren, ist für uns sehr schön."

Das Verbot des Qualifying-Modus der Power Units mit dem Grand Prix von Belgien hatte Mercedes nicht eingebremst. Red Bull hinkte am Samstag Wochenende um Wochenende hinterher. "Diese Pole zu holen, war eine phänomenale Performance. Sie ist wichtig für das Team, das so hart arbeitet, um dieses Auto zu verbessern, und auch für Honda. Und für Max, der dieses Jahr einfach bärenstark war. Er hat absolut alles an Performance aus dem Auto geholt", so Horner.

Verstappen nach Pole voll zufrieden: Sieg egal

Verstappen war nach der Pole sogar derart euphorisch, dass er einen zweiten Saisonsieg nach Silverstone trotz der perfekten Ausgangslage erst einmal hinten anstellen wollte. "Das war schon der Wahnsinn. Es ist egal, ob wir morgen gewinnen", sagt er. Mit beiden Mercedes im Nacken erwartet er, dass ihm der Sieg am Sonntag mit allen Mitteln streitig gemacht wird.

"Ich erwarte, dass sie mir sehr viel Druck machen werden. Vielleicht versuchen sie auch eine andere Strategie", so Verstappen, der Red Bulls sonst stets hochgelobte Rennpace diesmal nicht einzuschätzen vermag: "Wir sind wegen der roten Flagge kaum richtige Longruns gefahren. Aber zumindest ist unser Topspeed dieses Wochenende nicht so schlecht."

Horner hofft auf Albon-Schützenhilfe für Verstappen

Nicht so schlecht ist diesmal auch die Ausgangslage des Teamkollegen. Alexander Albon qualifizierte sich zwar nur als Fünfter, war mit drei Zehntelsekunden Rückstand allerdings deutlich näher an Verstappen dran, als es in den vergangenen Monaten zumeist der Fall war. "Alex hat in diesem Qualifying einen anständigen Job gemacht", lobt Horner das Sorgenkind in seiner Garage.

Der Thailänder fährt um seine Zukunft bei Red Bull und der Teamchef glaubt, dass am Sonntag noch einmal ein Ausrufezeichen drin ist. Albon startet nach einem erfolglosen Medium-Run im Q2 nämlich mit dem weichen Reifen ins Rennen. "Er wird am Start schnell sein. Der Reifen hat zu Beginn eine ähnliche Pace wie der Medium, er hält nur nicht so lange. Wenn er einen guten Start erwischt, kann er im Rennen ein Wörtchen mitreden", so Horner.


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