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Formel 1: McLaren will sich nicht nur auf Vandoorne verlassen

McLaren-CEO Zak Brown glaubt, sein Team sei gut aufgestellt, wenn es einen Ersatzfahrer benötigt. In den Überlegungen spielen mehrere Piloten eine Rolle.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - McLaren hat derzeit keinen eigenen Ersatzfahrer unter Vertrag. Vor dem Start in die Formel-1-Saison 2020 einigte sich der Rennstall mit dem künftigen Motorenlieferanten Mercedes darauf, auf die Dienste von Stoffel Vandoorne zugreifen zu dürfen, wenn Carlos Sainz oder Lando Norris ausfallen sollten. Er steht bei den Stuttgartern unter Vertrag und bestritt die abgelaufene Formel-E-Saison für Mercedes.

Das McLaren-Team will sich allerdings nicht darauf verlassen, Zugriff auf den Belgier zu haben, falls die Stammfahrer verhindert sind. Die Gefahr ist zu groß, dass ein Zwischenfall diese Planungen zerstören würde. "Die Sache ist, du weißt nicht, was bei anderen Teams passiert", sagt CEO Zak Brown. "Je nachdem, wie sich die Situation entwickelt, braucht man mehr als einen Fahrer. Wir haben verschiedene Szenarien so gut wie möglich durchgespielt. Aber es ist unmöglich, sich auf das Unerwartete vorzubereiten."

Gleiches gilt auch für Racing Point. Im Team von Otmar Szafnauer fiel bei den beiden Rennen in Silverstone Stammpilot Sergio Perez aus, weil er positiv auf das Covid19-Virus getestet wurde. Doch es kam nicht etwa Vandoorne zum Einsatz, sondern Nico Hülkenberg, der kurzfristig engagiert wurde, um das freie Cockpit zu besetzen.

Für eine Verpflichtung Hülkenbergs sprach, dass er im Team kein Unbekannter war. 2011, 2012 sowie zwischen 2014 und 2016 bestritt er für den Vorgängerrennstall Force India 93 Rennen. Die Erfahrung wäre auch ein Faktor, der für einen Einsatz Vandoornes bei McLaren sprechen würde. 2016 gab der Belgier beim Bahrain GP sein Debüt für den Rennstall aus Woking, als er den verletzten Fernando Alonso ersetzte. 2017 und 2018 war er an der Seite des Spaniers der zweite Stammpilot bei McLaren. Gegen den Spanier konnte er sich mit seinen Leistungen allerdings nicht behaupten.

Vandoorne sieht seine Zukunft bei Mercedes

Ein Einsatz in der Saison 2020 wäre indes nicht mehr als ein kurzes Gastspiel für Vandoorne. McLaren hat für die kommende Saison bereits Lando Norris und Neuzugang Daniel Ricciardo unter Vertrag genommen. Außerdem ist Vandoorne als Mercedes-Werksfahrer in der Formel E tätig. Er selbst sagt: "Ich bin sehr happy mit meiner Position in der Formel E. Es war erfrischend, in die Serie zu kommen und eine ganz neue Umgebung kennenzulernen. Es war eine einzigartige Chance, dies mit Mercedes zu machen. Ich bin außerdem Ersatzfahrer bei Mercedes in der Formel 1. Wenn ich in der Formel 1 für Mercedes fahren könnte, würde ich das machen, weil es das beste Team ist. Andernfalls fühle ich mich hier wohl."

Sollte ein Formel-1-Team in der Saison 2020 einen Ersatzfahrer benötigen, könnte die Suche schwieriger werden, da der favorisierte Fahrer unter Umständen nicht zur Verfügung steht. Zuletzt kollidierten Grands Prix mit den Rennen der WEC und der Formel E, wo mögliche Ersatzfahrerkandidaten engagiert sind. Deswegen geht aus laut Brown darum, unterschiedliche Optionen in Betracht zu ziehen. "Man muss die Liste offenhalten und reagieren, um den besten Fahrer zu haben, der da", sagt der US-Amerikaner.

Brown schließt McLaren-Comeback von Alonso nicht aus

Auch eine Rückkehr Alonsos möchte der McLaren-CEO Brown nicht bereits im Vorfeld ausschließen. "Ich denke nicht, dass man einen Fahrer, der im Besitz einer Superlizenz ist, eliminieren kann, nur weil wir Stoffel einsetzen können. Wenn einem Mercedes-Fahrer etwas passiert, dann ist Stoffel nicht weiter für uns verfügbar."

Alonso hat das Formel-1-Team nach der Saison 2018 verlassen. Seinen zwischenzeitlich erworbenen Posten als McLaren-Markenbotschafter führt der zweifache Formel-1-Weltmeister seit diesem Jahr nicht mehr aus. Dennoch ist er der Marke treu geblieben. Aktuell bereitet er sich auf das Indy500 vor. Der im Team Arrow McLaren bestreiten wird. Der Spanier wird im kommenden Jahr seine Rückkehr in der Königsklasse geben - allerdings nicht für McLaren, sondern für Renault.


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