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Formel 1

Formel 1 Barcelona: Vettel für Risiko-Stint auf Soft belohnt

Sebastian Vettel gelingt im Formel-1-Rennen in Spanien ein vorzeigbares Ergebnis. Erneut Diskussionen um Ferrari-Strategie. In Barcelona mit gutem Resultat.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel hat sich beim Spanien GP 2020 der Formel 1 in Barcelona mit einem wieder besseren Rennen zurückgemeldet. Der vierfache F1-Weltmeister fuhr auf dem überholfeindlichen Circuit de Barcelona-Catalunya vom elften Startplatz vor bis auf Rang sieben. Hauptverantwortlich für das diesmal wieder vorzeigbare Ergebnis war eine gewagte Einstoppstrategie, die alle Künste Vettels in Sachen Reifenmanagement erforderte - und erneut zu Diskussionen am Boxenfunk mit Ferrari führte.

Als erster Fahrer in der Startaufstellung mit freier Reifenwahl votierte Vettel für den Medium-Pneu am Start. Damit ging es in der Frühphase des Rennens weder vor noch zurück. In Runde 29 bog Vettel unmittelbar hinter Teamkollege Charles Leclerc (kurz darauf DNF durch technischen Defekt) zum Boxenstopp ab und wechselte auf einen gebrauchten Satz der weichen Reifenmischung. Damit fuhr Vettel die übrigen 36 Rennrunden bis Umlauf 65 (Vettel wurde überrundet) tatsächlich bis ins Ziel.

Sebastian Vettel: Hatten nichts mehr zu verlieren

Eine gewagte Strategie, hatte Pirelli vor dem Rennen noch Strategien empfohlen, die nur Stints von 15 Runden auf dem Soft vorsahen. Wieso derart viel Risiko? „Es ist ganz einfach: Wir hatten nicht wirklich etwas zu verlieren“, erklärt Vettel. „Wir sind von P11 gekommen und haben versucht, es gegen Ende des Rennens mit einem Offset zu versuchen. Wir haben die Autos vor uns eingeholt und dann sind die für ihre zweiten Stopps gekommen. Ich war aber nicht in Eile, die einzuholen und habe mehr die Reifen geschont“, schildert Vettel die frühe Phase seines ersten Stints.

Verdammt nochmal! Ich habe dich das eben gefragt und jetzt drei Runden gepusht!
Sebastian Vettel am Boxenfunk

Dann folgten die erneuten Diskussionen via Boxenfunk. „Mir wurde dann gesagt, dass ich pushen soll. Das habe ich, aber dann wurde ich gefragt, ob ich es auch bis zum Ende schaffen könnte. Dann habe ich halt gesagt, dass man das auch drei Runden vorher hätte fragen können“, erklärt der Heppenheimer einen ungehaltenen Funkspruch ("Verdammt nochmal! Ich habe dich das eben gefragt und jetzt drei Runden gepusht!"). „Denn ich hatte schon ein paar Mal gefragt, was das Ziel sei, wie lang wir fahren wollen, sodass ich auf meine Reifen achten kann. Ich habe dann gesagt: ‚Okay, probieren wir es’.“

Vettel holt 3000. WM-Punkt seiner Formel-1-Karriere

Zu diesem Zeitpunkt lag Vettel auf Rang fünf, musste sich mit nachgebenden Pirelli-Reifen in Runde 56 erst Lance Stroll, in Runde 59 Carlos Sainz beugen. Doch mehr Konkurrenten zogen nicht mehr am Ferrari vorbei, Vettel erzielte somit einen siebten Platz. Der brachte ihm sechs WM-Punkte ein, im WM-Stand rückte Vettel von P13 vor auf P11. Noch dazu sprengte der Deutsche so als einziger Fahrer neben Lewis Hamilton die Schallmauer von 3000 Karriere-Punkten.

Ein Ritt auf der Rasierklinge waren die letzten Kilometer in Barcelona allerdings. Vettel: „Die letzten fünf Runden waren schon sehr schwierig und es hat nicht geholfen, dass ich dann auch noch überrundet wurde. Das passiert auch nicht immer, aber heute mal. Wir sind dieses Risiko aber eingegangen, weil wir nichts zu verlieren hatten und es hat sich ausgezahlt. Vor dem Rennen war es nicht geplant, 40 Runden mit dem weichen Reifen zu fahren.“

Vettel: Ferrari-Pace fehlt weiter, alles dank Strategie

Anders sei ein derartiges Resultat mit dem aktuellen Speed des Ferrari nicht zu holen gewesen. „Wir haben noch immer viel Arbeit zu erledigen. Wir sind, wo wir sind. Das ist unsere wahre Pace. Heute haben wir eigentlich so um P10 rum gekämpft, haben es dank Reifen und Strategie aber auf P7 geschafft. Ansonsten haben wir keine tolle Pace, sonst kontrollierst du das Rennen auf andere Art und Weise“, sagt Vettel. „Im ersten Stint hatte ich zu kämpfen. Der war heute ziemlich schwach. Ich denke nicht, dass ich trotz des Mediums noch viel weiter hätte fahren können. Selbst auf dem Soft konnte ich dann viel mehr Runden fahren. Im zweiten Stint fühlte ich mehr sich viel mehr in Kontrolle über das Auto.“

Insgesamt seien nicht nur die Stints im Rennen, sondern die Performance über das gesamte Wochenende hinweg, ein unerklärliches Auf und Ab gewesen. „In den einen Sessions hat es sich besser angefühlt, in den anderen schlechter. Es ist noch immer auch von meiner Seite etwas zu tun.“


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