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Formel 1, Trainingsanalyse: Mercedes wieder in Schwierigkeiten?

30 Grad Luft, 50 Grad Asphalt: Die Formel 1 kocht in Barcelona. Muss Mercedes deshalb wieder Red Bull fürchten? Die Analyse der Trainings zum Spanien GP.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Mercedes ist gewarnt: Die sensiblen Pirelli-Pneus können für den Dauerweltmeister 2020 zur Stolperfalle werden. Die Zutaten beim sechsten Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft in Barcelona sind ähnlich wie vor einer Woche: hohe laterale Kräfte, dazu extreme Temperaturen.

Formel 1: Neues Ferrari-Chassis, neuer Vettel?: (13:56 Min.)

Am Trainingsfreitag zum Spanien GP wurden rund 30 Grad Luft- und über 50 Grad Asphalttemperatur gemessen. Kann der Silberpfeil die Pirelli-Gummis da am Leben halten oder ist Max Verstappen im Red Bull erneut der Geheimfavorit? Was macht Sebastian Vettel mit seinem neuen Chassis? Die Trainings-Analyse aus Barcelona.

Sebastian Vettel: Mit neuem Chassis im Aufwind?

Zunächst einmal Ferrari: Im 1. Freien Training sah es für Sebastian Vettel noch gut aus. Dem Heppenheimer fehlten nur wenige Tausendstel auf Teamkollege Charles Lecerc. So nah war er an beiden Silverstone-Wochenenden nie.

Das neue Chassis scheint Vettel zu helfen. Am Nachmittag sah es weniger gut aus für den viermaligen Formel-1-Weltmeister: Während Leclerc auf Rang sechs fuhr, wurde Vettel nur Zwölfter. "Ich hatte am Nachmittag etwas Probleme, die Runde zusammen zu bekommen", erklärt Vettel.

Formel 1 Barcelona: Ferrari schielt auf dritte Kraft

Mit weniger als drei Zehntelsekunden hielt sich der Rückstand auf Leclerc aber diesmal in Grenzen. "Ich war auch ziemlich zufrieden mit der Pace auf eine Runde", erklärte Vettel abgesehen von seinen Problemen am Nachmittag. So optimistisch hörte man den 33-Jährigen lange nicht mehr. "Ich habe generell ein besseres Gefühl mit dem Auto", bestätigt er.

Auch Teamkollege Charles Leclerc zeigte sich gut gelaunt. "Es lief besser als erwartet", gab der Monegasse zu Protokoll. Beide Ferrari-Piloten waren auch mit ihrer Longrun-Pace zufrieden. Allerdings teilten die Italiener die Arbeit wieder auf. Vettel fuhr gegen den Strom, weshalb seine Zeiten schwer zu vergleichen sind.

Mercedes auf eine Runde unschlagbar

Auf den Softs befindet sich Leclerc im Mittelfeld, auf den Mediums lief es etwas besser. Der Rückstand auf die Spitze ist trotzdem enorm. Die Aussagen zeigen aber das neue Anspruchsdenken: Dritte Kraft hinter Mercedes und Red Bull ist bereits ein kleiner Erfolg.

Dann weiter nach vorne: Auf eine Runde zerstörte Mercedes einmal mehr alles und jeden. Rund eine Sekunde fuhren die schwarzen Silberpfeile schneller als der Rest der Formel-1-Welt. Im ersten Sektor kann die Konkurrenz noch mithalten - wohl solange Mercedes den Power-Modus noch nicht aktiviert hat -, in Sektor zwei und drei kassieren alle anderen mindestens vier Zehntelsekunden.

Doch die Pace auf eine Runde steht sowieso außer Frage: Red Bull kann den Weltmeister nur im Longrun schlagen, das hat auch Silverstone gezeigt. Mercedes hatte enorme Probleme mit Blistering, während Red Bull nahezu komplett davon verschont blieb.

"Das Wetter ist wundervoll, aber es ist schwierig für das Auto und auch sehr hart zu den Reifen", stöhnte Lewis Hamilton. Trotzdem zeigte sich der WM-Leader vorsichtig optimistisch: "Wir haben keine Blasenbildung gesehen, die Reifen fühlten sich okay an und die längeren Runs sahen nicht schlecht aus. Aber wir hatten auch am vergangenen Freitag keine Blasenbildung an den Reifen, deshalb müssen wir weiterhin vorsichtig bleiben. Red Bull scheint auf den Long Runs sehr nah an uns dran zu sein, uns erwartet also erneut ein enges Rennen."

Red Bull: Reifen helfen Mercedes in Spanien wieder

Valtteri Bottas bestätigt den Eindruck: "Wir haben heute mit allen Reifenmischungen Long Runs absolviert und ich habe dabei keine Blasenbildung gehabt." Doch Chef-Ingenieur Andrew Shovlin warnt erneut: "Es sieht ähnlich wie bei den vergangenen Rennen aus: Wir sehen gut aus im Vergleich zu allen anderen Autos außer Verstappen - er scheint sehr nah dran zu sein."

Bei Red Bull sieht man es ähnlich - alles wie immer: Auf eine Runde zu langsam, im Longrun dran. Dran heißt aber in diesem Fall tatsächlich nur dran und noch lange nicht vorbei. Dafür gibt es mehrere Gründe. "Wir haben eine andere Reifenmischung, die auf dieser Strecke leider mehr zu Mercedes’ Stärke beiträgt als zu unserer", klagt Red Bull Teamchef Christian Horner.

Während in Silverstone vor einer Woche die Mischungen C2 bis C4 zum Einsatz kamen, hat sich Pirelli in Barcelona für C1 bis C3 entschieden. Doch der größte Unterschied rührt nicht daher, denn Mercedes hatte auch auf dem härtesten Reifen in Silverstone große Probleme mit Blistering. Der Hard aus Silverstone war der C2-Reifen, der an diesem Wochenende in Barcelona als Medium zum Einsatz kommt.

Hoher Verschleiß hilft gegen Blasenbildung

Der größte Unterschied ist die Strecke: Der Asphalt des Circuit de Barcelona-Catalunya ist etwas rauer, nimmt die Reifen daher etwas härter ran. Im ersten Sektor wird vor allem der vordere linke Reifen belastet. Der letzte Sektor fordert vor allem Traktion und geht auf die Hinterreifen.

Dabei werden die Reifen aber nicht nur gefordert, sie werden auch relativ stark verschlissen. Der Verschleiß ist in Barcelona deutlich höher als in Silverstone. Der Reifen verliert mit der Zeit Gummi und dadurch auch Temperatur. Blistering gibt es deshalb trotz hoher Temperaturen nur selten.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber trotzdem noch für Red Bull: Durch den hohen Verschleiß scheinen unterschiedliche Strategien möglich. Eine Einstopp könnte sich gerade noch aus ausgehen - aber wohl nicht für jeden. Aus eigener Kraft wird es für Red Bull in Barcelona schwer, die Strategie könnte aber die ein oder andere Möglichkeit eröffnen.

Formel 1, Longruns Spanien GP 2020: Soft, C3

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Stint
Bottas 15 6 1:22,839 1
Vettel 13 2 1:23,024 2
Hamilton 15 6 1:23,175 1
Verstappen 15 9 1:23,331 1
Stroll 15 10 1:23,727 1
Gasly 15 5 1:23,859 1
Leclerc 23 9 1:23,923 1
Perez 17 12 1:23,926 1
Ricciardo 12 6 1:23,944 1
Norris 17 8 1:24,095 1
Albon 17 8 1:24,103 1
Kvyat 17 8 1:24,117 1
Grosjean 20 11 1:24,293 1
Sainz 24 16 1:24,383 1
Magnussen 19 10 1:24,475 1
Ocon 24 15 1:24,524 1
Giovinazzi 15 7 1:24,600 2
Räikkönen 19 11 1:24,667 1
Latifi 16 7 1:25,458 1

Formel 1, Longruns Spanien GP 2020: Medium, C2

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Stint
Verstappen 18 10 1:22,552 2
Hamilton 22 14 1:22,916 2
Leclerc 12 7 1:23,238 2
Magnussen 17 8 1:23,561 2
Albon 10 8 1:23,570 2
Ricciardo 22 14 1:23,574 2
Kvyat 22 13 1:23,961 2
Norris 21 8 1:24,114 2
Räikkönen 23 13 1:24,159 2
Vettel 23 12 1:24,330 1
Latifi 16 5 1:24,917 2
Giovinazzi 25 15 1:24,979 1
Russell 28 13 1:25,701 1

Formel 1, Longruns Spanien GP 2020: Hard, C1

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Stint
Bottas 21 14 1:23,312 2
Gasly 24 14 1:23,832 2
Perez 22 12 1:23,850 2
Ocon 16 3 1:24,103 2
Stroll 24 13 1:24,431 2

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