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Formel 1, Mercedes: Toto Wolff wünscht sich stärkere Konkurrenz

Mercedes dominiert seit vielen Jahren die Formel 1. Motorsportchef Toto Wolff will sich darauf nicht ausruhen und wünscht sich stärkere Konkurrenten.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Die Mercedes-Fahrer haben die ersten drei Rennen der Formel-1-Saison 2020 dominiert. Nach einem Sieg von Valtteri Bottas beim Auftakt legte sein Teamkollege Lewis Hamilton beim Steiermark GP und beim Ungarn GP nach. Auch die Leistung in der Qualifikation beeindruckte. Hamilton sicherte sich beim zweiten Rennen die Pole Position mit mehr als 1.2 Sekunden Vorsprung auf Max Verstappen im Red Bull. Hält die Dominanz an, könnte die WM-Entscheidung bereits früh fallen. Gleiches gilt für zwei Rekorde Michael Schumachers. Hamilton könnte schon bald der Fahrer mit den meisten Siegen und Podiumsplätzen in der Formel-1-Geschichte werden.

Mercedes Teamchef Toto Wolff lässt sich wie gewohnt nicht von der Euphorie anstecken, die rund um das Team herrscht. Schließlich gab es am ersten Wochenende in Österreich technische Probleme, die Bottas' Sieg gefährdet haben. "Es gibt in uns nicht eine Faser, die denkt, dass die Meisterschaft schon sicher ist. Das ist etwas, das dich sehr überrumpeln könnte", sagt der Österreicher. "

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Die seit vielen Jahren anhaltende Siegesserie kann aber auch Wolff nicht verleugnen. "Auf der anderen Seite ist eine Dominanz eines Teams, egal ob wir es sind, Red Bull in den 2010er oder Ferrari in den frühen 2000er Jahren, ist für eine Meisterschaft immer ein bisschen seltsam. Aber es ist nicht die Sache des Teams, das diesen Vorsprung hat, sich für die Vorhersehbarkeit der Meisterschaft verantwortlich zu fühlen."

Seit 2014 haben ununterbrochen Mercedes-Fahrer den WM-Titel gewonnen - eine tadellose Bilanz. Doch dem Mercedes-Motorsportchef gefällt es nicht, beinahe alleine an der Spitze zu sein. "Wir sind scharf darauf, gegen unsere fantastischen Konkurrenten zu kämpfen. Wir würden gerne auf der Strecke gegen Ferrari und Red Bull kämpfen, wir würden gerne Marken wie Racing Point herausfordern und Teil des Spiels sein. Auf der anderen Seite müssen auch McLaren und Renault wieder zurück an die Spitze finden. Ich würde mir nichts mehr wünschen als einen harten Wettkampf mit einem ungewissen Ausgang jeden Freitag, wenn wir ins erste Freie Training starten."

Wolff verdeutlichte kürzlich, wie stark sich das Team von starken Konkurrenten angespornt fühlt. Er sagte: "Die Ironie der Geschichte ist, dass wir von einem unserer Konkurrenten auf ein absolut neues Level gepusht wurden." Gemeint war Ferrari. Die Scuderia konnte im vergangenen Jahr aufgrund einer offenbar nicht ganz legalen Regelinterpretation auf zusätzliche Motorleistung zugreifen. "Wir waren deshalb im letzten Jahr nahe am Burnout, weil wir so entwickeln und innovieren mussten, damit wir auf der Strecke konkurrenzfähig sind."

Ex-Motorsportchef Haug ist vom Erfolg begeistert

Norbert Haug, ehemaliger Motorsportchef des schwäbischen Autobauers stimmt seinem Nachfolger zu. Im Interview mit dem TV-Sender Sky sagt er: "Wir haben Ende 2009 dieses Silberpfeil-Werksteam gekauft und mit Michael Schumacher und Nico Rosberg angefangen. 2012 das erste Rennen gewonnen und heute fährt man dort von Sieg zu Sieg - wohlverdienter Weise. Wenn man sagt, Mercedes macht die WM langweilig, dann muss ich das richtigstellen. Die, die nicht hinterherkommen, machen die WM langweilig und nicht die, die vorne rausfahren. Denn das ist Sinn und Zweck der Sache."

Der 67-Jährige stellt dem Mercedes-Rennstall ein gutes Zeugnis aus. "Was in den zehn Jahren bisher passiert ist mit dem Partner, dem Team, der Teamleitung das ist nicht eine Eins, das ist eine Eins plus, das ist eine Eins mit Stern, so wie es sich für den Stern gehört", sagt Haug.

In der Tat kann Mercedes deutlich mehr Erfolge aufweisen, als andere Hersteller, die in den 2000er Jahren mit einem Werksteam in die Königsklasse eingestiegen sind. Auch BMW und Honda hatten ähnliche Voraussetzungen, da sie jeweils einen vorhandenen Rennstall übernahmen. Keines der beiden Teams konnte sich dauerhaft an der Spitze etablieren, ehe sie ihre Formel-1-Projekte im Zuge der Finanzkrise beendeten. Sie hatten aber auch keinen Fahrer mit der Klasse Lewis Hamiltons, der die Siege am Fließband einfährt.


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