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Formel 1

Formel 1: Neue Regeln für Aerodynamikentwicklung gegen Dominanz

Je besser ein Formel-1-Team abschneidet, desto weniger Aerodynamikentwicklung darf es betreiben. Neue Regeln sollen Dominanz verhindern.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - In einem umfangreichen Corona-Paket haben sich die Formel-1-Teams auf zahlreiche Neuerungen am Formel-1-Reglement geeinigt. Neben erheblichen Maßnahmen zur Kosteneinsparung, darunter die Einfrierung von Motoren und Chassis und die Herabsetzung der Budgetobergrenze, gibt es auch sportlich gravierende Eingriffe.

So gibt es schon ab 2021 ein umgekehrtes Bonussystem bei der Aerodynamikentwicklung. Je schlechter ein Team abschneidet, umso mehr aerodynamische Entwicklung darf es betreiben. Im ersten Jahr fällt die Abstufung noch relativ mild aus, ab 2022 werden die Erfolgreichen erheblich für ihre guten Ergebnisse bestraft.

Kategorie Einheit Basiswert
Windkanal-Läufe # 320
Windkanal-Belegung Stunden 400
Windkanal aktiv Stunden 80
3D-Modelle im CFD # 2000
CFD-Berechnungen MAUh 6

Das System orientiert sich an einem Basiswert für Windkanal- und CFD-Limits. Diese Werte gelten jeweils für eine sogenannte aerodynamische Testperiode, wovon es sechs pro Kalenderjahr gibt. Der Basiswert für die Windkanalbelegung beträgt zum Beispiel 400 Stunden, der Basiswert für die Windkanal-Läufe beträgt 320.

Ab 2021 wird die WM-Platzierung in Relation zu diesen Werten gesetzt. Der Basiswert wird dann mit dem Faktor C multipliziert. Für den Konstrukteursweltmeister 2020 bedeutet das: Er darf 2021 nur 90 Prozent der Basiswerte nutzen. Heißt konkret: 0,9 x 400 Windkanal-Belegungsstunden ergibt 360 Stunden für eine aerodynamische Testperiode.

Je weiter hinten ein Team in der Wertung lag, desto mehr darf es entwickeln. Pro Position gibt es 2,5 Prozentpunkte mehr. Der Fünfplatzierte erhält damit schon den vollen Basiswert. Aber auch danach steigt der Entwicklungsrahmen weiter linear an, sodass der WM-Letzte 112,5 Prozent Testkapazität erhält.

Während die Staffelung im ersten Jahr noch relativ mild ausfällt, verschärft sich die Abstufung 2022. Die Schritte werden doppelt so groß: Pro Platzierung gibt es 5 Prozentpunkte. Weil sich der Basiswert nicht mehr am WM-Fünften orientiert sondern am WM-Siebten, erhält der Weltmeister nur noch 70 Prozent, der Zweite 75 Prozent und so weiter.

Doch Vorsicht, die WM-Platzierung des Vorjahres ist nicht maßgeblich für das gesamte Jahr: Sie gilt nur bis zum 30. Juni. Ab dem 1. Juli gilt die Platzierung, die bis zum Stichtag 30. Juni in der laufenden Saison erreicht wurde.

Die Tabelle sieht auch den Fall von mehr als zehn Teams vor. Allerdings gibt es für schlechtere Platzierungen dann keinen Bonus mehr: Der Wert des Zehntplatzierten gilt für alle schlechteren und neu eingeschriebenen Teams.

Die Teams haben den neuen Regeln in einem E-Vote bereits zugestimmt. Dafür war die einfache Mehrheit nötig, allerdings sollen sich alle zehn Teams einig gewesen sein. Am Mittwoch sollen die Änderungen auch noch vom Motorsportweltrat bestätigt werden.


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