Formel 1

Formel 1, Ferrari kontert McLaren im Budget-Streit: sind Kunden

In der Formel 1 gehen die Meinungen zu einer Reduzierung des Budgetcaps für 2021 auseinander. Jetzt stichelt Ferrari nach einer McLaren-Kritik zurück.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Durch die erwarteten negativen finanziellen Auswirkungen des Coronavirus auf die finanzielle Lage der Formel 1 und ihrer Beteiligten bemühen sich kommerzieller Rechteinhaber, FIA, Teams und alle denkbaren Parteien aktuell auf diversen Ebenen um Sparmaßnahmen. Ein Teil davon umfasst die Budgetobergrenze, die ab 2021 in der Königsklasse greifen wird.

175 Millionen US-Dollar waren hier vereinbart. Inzwischen sollen sich alle zehn Teams einig sein, dieses Limit auf 150 Millionen zu reduzieren. Doch einigen geht das nicht weit genug, zum Beispiel McLaren. CEO Zak Brown schwebt ein deutlich niedrigerer Cap vor - 100 Millionen. Mit einem Kompromiss von 125 Millionen könnte der US-Amerikaner auch leben, sagte Brown kürzlich der BBC.

Brown sprach unmittelbar vor einer Telefonkonferenz aller zehn Teamchefs an diesem Montag. Dort war das Thema großer Teil der Corona-Notfall-Besprechungen. Brown erwartete schon vorab eine hitzige Debatte - denn die Meinungen, noch deutlich unter 150 Millionen zu gehen gingen weit auseinander. Vor allem Ferrari und Red Bull sollen sich sträuben.

Den McLaren-CEO veranlasste das zu einer leidenschaftlichen Brandrede. „Ein paar Teams stellen ihre sportlichen Interessen deutlich über das größere Wohl und übersehen dabei, dass sie wirklich riskieren, den Sport zu gefährden - und dann verlieren wir alle“, mahnte der McLaren-Boss in Richtung Ferrari und Red Bull. „Es ist nicht 50:50. Ich denke, es ist eher 80:20 [das Meinungsbild unter den Teams]. Die Realität sieht aber so aus, dass du mit 80 Prozent [der Teams] überleben kannst. Aber mit 20 kannst du nicht überleben.“

Diese Aussagen hatten es in sich - und trieben nun einen der kritisierten, Ferrari, zu einer Reaktion. Im Interview mit Sky Sports UK konterte Mattia Binotto die Offensive aus Woking deutlich. „Wir besprechen ja eine Reduzierung des Budgetcaps“, so der Ferrari-Teamchef, nun nach besagter Besprechung. Grundsätzlich herrscht also Gesprächsbereitschaft.

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Ein großes Aber aus Maranello folgte jedoch unmittelbar. Binotto weiter: „Wir sollten bei dieser Aufgabe nicht vergessen, dass wir verschiedene Strukturen und Assets haben. Es gibt Teams wie Ferrari und andere Top-Teams, die Konstrukteure sind - wo wir jede einzelne Komponente unserer Autos selbst designen, entwickeln, homologieren und produzieren.“

Dann gebe es eben noch andere - so der Italiener, mutmaßlich als Spitze in Richtung Woking zu verstehen. „Andere Teams sind Kunden, die einige Teile kaufen und nicht dieselben Strukturen haben“, sagte Binotto. McLaren bezieht etwa seine Power Unit von Renault. „Wenn wir also über einen Budgetcap sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass wir uns in unterschiedlichen Lagen befinden“, ergänzte Binotto.

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Dennoch sei es nun wichtig, eine gemeinsame Basis zu finden, die für diese unterschiedlichen Voraussetzungen aller Sinn ergebe. „Konstruktiv und positiv“, seien die Meetings Binotto zufolge jeden falls gewesen. Eine Idee hat der Ferrari-Leader dafür auch schon. Binotto: „Vielleicht ist die Antwort nicht ein einzelner Budgetcap, der für alle Teams gleich ist.“

Dass Ferrari sich nicht komplett querstellt, hatte die Scuderia zuvor bei einem anderen Thema bewiesen. Der Verschiebung des neuen Reglements auf 2022. „Es war die richtige Entscheidung. Es musste eine verantwortungsbewusste Entscheidung sein“, betonte Binotto nun erneut. Auch wenn das vielleicht nicht zum Vorteil Ferraris gewesen sei.

„Natürlich macht das Sorgen“, so Binotto über die aktuellen Perspektiven der Formel 1 und ihrer Teams. „Uns sind die Schwierigkeiten einiger Teams voll und ganz bewusst und uns ist auch komplett bewusst, dass wir das Thema Kosten für die Zukunft der F1 angehen müssen. Kosten zu reduzieren spielt die wichtigste Rolle dabei, sicherzustellen, dass jedes einzelne Team überlebt.“

Binottos Forderung lautetet deshalb: „Gerade sollten wir es einfach vermeiden, emotional zu sein. Wir wissen, dass wir schwierigen Situationen ausgesetzt sind, aber wir müssen irgendwie auch die DNA und Essenz der F1 behalten. Und das ist Wettbewerb. Wir sollten das für die F1 und den Motorsport nicht vergessen. Deshalb halte ich es für wichtig, sich die Details anzuschauen, aber eine rationale Entscheidung zu treffen.“


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