Formel 1

Formel 1, McLaren-Boss: Vier Teams wegen Coronakrise in Gefahr

Die Coronakrise hält die Formel 1 fest umklammert. Zwei Teams mussten bereits Kurzarbeit ausrufen. McLaren-Boss Zak Brown bangt um vier Rennställe.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 erlebt durch die Coronavirus-Pandemie die vielleicht größte Krise ihrer 70-jährigen Geschichte. Wirtschaftlich trifft Corona die F1 noch härter als die Finanzkrise 2008. Vor zwölf Jahren fanden die Rennen immerhin noch statt. Es herrschte zumindest Planbarkeit. Tickets wurden verkauft, Sponsoren- und TV-Gelder sowie Antrittsgebühren der Rennen im Kalender flossen.

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2020 ist das alles, mal mehr mal weniger, in jedem Fall vorübergehend ausgesetzt. Kommt kein vorzeigbarer Kalender mehr zusammen, bricht dem kommerziellen Rechteinhaber Liberty Media eine hohe dreistellige Millionensumme weg. Gelder, die anteilig - je nach WM-Ergebnis - auch an die Teams fließen und einen erheblichen Teil ihrer Finanzierung ausmachen.

Brown bedauert Kurzarbeit: keine Wahl

Mit McLaren und Williams haben zwei Rennställe bereits offiziell Kurzarbeit ausgerufen. Ob das für weitere Teams gilt, ist nicht zumindest nicht kommuniziert, aber denkbar. „Das war die härteste Entscheidung, die ich je treffen musste“, klagt McLaren-CEO Zak Brown im Interview mit der britischen BBC. Eine Wahl habe er allerdings nicht gehabt, um den Fortbestand McLaren Racings zu gewährleisten.

Generell sorgt sich der US-Amerikaner jedoch längst nicht nur um McLaren. Die gegenwärtige Situation könne gleich mehrere Teams - und damit die ganze Formel 1 - gefährden. „Für die Teams ist es potenziell vernichtend und wenn es das für genug Teams ist - was nicht mehr als zwei bedeuten muss - dann ist es sehr bedrohlich für die F1 als Ganzes.“

Brown bangt um vier Teams, schon zwei wären zu viel für F1

Umso schlimmer: Diese nur geringe Anzahl wirtschaftlicher Corona-Opfer in der Formel 1 hält Brown für denkbar. Sogar noch mehr. Brown: „Könnte ich - bei dem, was gerade in der Welt passiert und wenn wir diese Situation nicht sehr aggressiv beim Schopf packen - zwei Teams verschwinden sehen? Yeah. Tatsächlich könnte ich vier Teams verschwinden sehen, wenn dies nicht richtig angepackt wird.“

Doch könnten Teams von Neueinsteigern nicht einfach übernommen werden? Theoretisch ja. Das war immer Usus in der Formel 1. Renault etwa entstand aus Lotus, Racing Point aus Force India aus Jordan, Mercedes aus Brawn aus Honda und so weiter.

Schneller Ersatz? Brown: Heute steht niemand Schlange

Aktuell stünden die Zeichen dafür jedoch schlecht, fürchtet Brown. „Wenn man bedenkt, wie lange es dann dauert, ein F1-Team hochzufahren, und angesichts der Wirtschafts- und Gesundheitskrise, in der wir uns gerade befinden, zu glauben, dass sich Leute anstellen würden, um diese Teams zu übernehmen, wie es in der Vergangenheit der Fall war ...“, sagt Brown, auch ohne den Satz zu beenden, alles.

Dann formuliert der McLaren-Boss doch aus: „Ich denke nicht, dass das Timing von diesem Standpunkt aus schlechter sein könnte. "Deshalb denke ich, dass sich die F1 gerade in einem sehr fragilen Zustand befindet.“

Brown will Formel 1 Budgetcap 2021 drastisch senken

Seine Aussagen knüpft Brown jedoch an die Reaktion der Formel 1 und Teams, formulierte im Konjunktiv: „Wenn wir die Situation nicht richtig anpacken“ und „aggressiv am Schopf packen.“ Tatsächlich reagierte die Formel 1 bereits. Das neue Reglement für 2021 wurde um ein Jahr verschoben, kommendes Jahr wird mit denselben Autos gefahren wie gegenwärtig. Hinzu kommen kleinere Maßnahmen wie ein vorgezogener Sommer-Shutdown.

Das alles geht Brown jedoch nicht weit genug. Vor allem auf die ab 2021 geltende Budgetobergrenze von 175 Millionen Dollar hat sich der US-Amerikaner eingeschossen. Diese müsse drastisch weiter heruntergesetzt werden. Die Teams befinden sich dazu bereits in Gesprächen, laut BBC treffen sich die Teamchefs diesen Montag, um das Thema zu diskutieren. Die Meinungen gehen dabei jedoch auseinander.

Budgetcap-Senkung: Streit mit Ferrari & Red Bull

Bereits in der vergangenen Woche zweifelte etwa Red Bulls Christian Horner öffentlich die Effektivität einer solchen - für ihn zweitrangigen - Maßnahme an. Das Argument der Gegner: Ein Absenken bringe kaum etwas bis nichts, da viele kleine Teams ohnehin schon auch unter der aktuell im wieder im Raum stehenden 150 Millionen Dollar operieren würden.

Auf letztere Summe hätten sich die Teams inzwischen immerhin schon vollständig geeinigt, so Brown in dem BBC-Interview. Doch das reiche eben noch nicht. Brown will 100 Millionen, zur Not einem Kompromiss von 125. Die Mehrheit sei bereits auf seiner Seite. „Alle sind jetzt bei 150 Millionen und die starke Mehrheit - einschließlich eines der großen Teams - will auch deutlich unter 150 kommen“, so Brown. Laut BBC soll es sich dabei um Mercedes handeln. Als Abweichler bleiben also das schon genannte Red Bull und Ferrari.

Brown warnt: Mit 80 Prozent überlebst du, mit 20 nicht

Dementsprechend schießt Brown sich auf dieses Duo der Top-Teams ein. „Ein paar Teams stellen ihre sportlichen Interessen deutlich über das größere Wohl und übersehen dabei, dass sie wirklich riskieren, den Sport zu gefährden - und dann verlieren wir alle“, so Brown. „Es geht da auseinander“, sagt Brown.

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In Erwartung eines hitzigen Meetings schiebt er eine Warnung die beiden Top-Teams hinterher: „Es ist nicht 50:50. Ich denke, es ist eher 80:20. Die Realität sieht aber so aus, dass du mit 80 Prozent [der Teams] überleben kannst. Aber mit 20 kannst du nicht überleben.“


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