Formel 1

Formel 1 Testfahrten 2020: Vettel-Bestzeit bei Dreher-Orgie

Am vorletzten Testtag ist es passiert: Bestzeit für Ferrari und Sebastian Vettel bei den Formel-1-Testfahrten 2020. Wieder Mercedes-Defekt, viele Dreher.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Ein feuchter Start in den vorletzten Testtag der Formel-1-Testfahrten 2020 sorgte am Donnerstag für einen ereignisreichen Vormittag auf dem Circuit der Barcelona-Catalunya. Max Verstappen, Sebastian Vettel und Valtteri Bottas - alle versenkten sie ihre Boliden ins Kiesbett. Das führte erneut zu zahlreichen roten Flaggen. Auf abgetrockneter Strecke bestimmten dann Rennsimulationen den Tag. Die Jagd auf Bestzeiten entschieden erstmals Vettel und Ferrari für sich. Mercedes mit nächstem Problem.

Das Ergebnis: Es geht doch: Am fünften von sechs Testtagen in Barcelona gelang Ferrari endlich die erste Bestzeit. Sebastian Vettel setzte sich mit einer 1:16.841 Minuten aus der Morgensession an die Spitze des Tagesklassements. Damit fehlte allerdings noch immer eine stramme Sekunde auf die Vorgabe Bottas’ aus der ersten Testwoche. Noch dazu benutzte Vettel die besonders weichen C5-Reifen.

Auf den zweiten Platz schob sich Pierre Gasly im AlphaTauri mit einem ganz späten Run auf C5. Aus Reifensicht umso beeindruckender war hingegen einmal mehr die Pace bei Racing Point. Lance Stroll umrundete den katalanischen Kurs keine drei Zehntel langsamer als Vettel, allerdings mit zwei Stufen härteren Pirelli-Pneus (C3). Rang drei. P4 ging dank C5 tatsächlich an Williams und F1-Rookie Nicholas Latifi.

Generell sind die Zeiten, wie schon am Vortag, jedoch mit großer Vorsicht zu genießen, befindet sich die Strecke gegenüber der ersten Testwoche in schlechterer Verfassung. Der Morgenregen hat das kaum verbessert. Zudem weht weiterhin ein starker Wind. Noch dazu legten es viele Teams ohnehin sehr viel mehr auf Rennsimulationen an, vor allem Ferrari, Racing Point, Williams, McLaren, Alfa Romeo.

Das Rundenbilanz: Nachdem am Mittwoch fast das gesamte Feld unterwegs gewesen war, setzen am Donnerstag nur drei Teams auf einen Fahrerwechsel in der Mittagspause: Mercedes, Renault und Red Bull. Besonders aus dem Rahmen fiel Mercedes. Die Silberpfeile schafften durch einen Defekt am Hamilton-W11 kumuliert nur 61 Runden - die mit Abstand schlechteste Tagesausbeute bislang.

Formel 1 Testfahrten Barcelona 2020: Ergebnis Tag 5

P. Fahrer Team Zeit Reifen Runden
1 Vettel Ferrari 1:16.841 C5 145
2 Gasly AlphaTauri + 0.225 C5 139
3 Stroll Racing Point + 0.277 C3 130
4 Latifi Williams + 0.472 C5 160
5 Norris McLaren + 0.732 C3 113
6 Verstappen Red Bull + 0.897 C2 31
7 Bottas Mercedes + 1.144 C3 47
8 Ocon Renault + 1.172 C4 37
9 Magnussen Haas + 1.384 C3 111
10 Albon Red Bull + 1.552 C2 61
11 Ricciardo Renault + 1.554 C3 59
12 Giovinazzi Alfa Romeo + 2.829 C3 92
13 Hamilton Mercedes + 5.584 C3 14

Im scharfen Kontrast dazu stand Williams. Nicholas Latifi, diesmal ungeplagt von einem Defekt an seiner Power Unit, spulte 160 Runden ab. So holte der Kanadier viele verpasste Kilometer ab - und sicherte sich die Rundenkrone des Donnerstags, sowohl für sich als auch Williams. Verstappen/Albon (92) und Ricciardo/Ocon (96) verpassten die Latifi-Vorgabe klar. Knapper scheiterten Vettel (145) und Gasly (139)

Die Zwischenfälle: Eine gute Stunde lang präsentierte sich der Circuit de Barcelona-Catalunya am Morgen von seiner schlechteren Seite. Regen in Südspanien. Das führte zu wenig Fahraction zu Beginn des vorletzten Testtags. Wenn gefahren wurde, führte die feuchte Strecke, allen voran die rutschigen Kerbs, jedoch zu gleich mehreren Ausrutschern.

Den ersten leistete sich Williams-Pilot Nicholas Latifi. In der langen Rechtskurve nach der Haarnadel im Schlusssektor räuberte der Kanadier durch das Kiesbett, konnte seinen FW43 aber in die Box retten. Nach rund 80 Minuten Training war die Zeit reif für Slicks. Max Verstappen drehte sich in einem frühen Versuch mit vielen Aero-Rakes an seinem mit Updates bestückten Red Bull jedoch gleich einmal in Kurve 15 in die Auslaufzone. Auch der Niederländer konnte weiterfahren.

Gleiches galt wenig später mit sehr viel Glück für Antonio Giovinazzi. Der Italiener hatte seinen Alfa Romeo auf Bestzeitkurs beim Anbremsen von Kurve vier auf dem Kerb verloren und rutschte ins Kiesbett. Rückwärts schlug der C39 in die Barriere, der Heckflügel war hinüber. Giovinazzi befreite sich jedoch aus eigener Kraft und schleppte sich zurück in die Box. Eine kurze Rotphase gab es dennoch. Säuberungsarbeiten durch Kies und Karbonteile des Flügels auf der Strecke.

Den nächsten Ausritt leistete sich Valtteri Bottas. Der Finne verlor in Kurve fünf das Heck seines Mercedes und rodelte durch das Kiesbett. Aus eigener Kraft befreite Bottas seinen unbeschädigten W11.

Dicker kam es an derselben Stelle kurz darauf für Max Verstappen. Wie Bottas rutschte der Niederländer weg, drehte sich um 180 Grad und begrub den Red Bull tief im Kiesbett. Dort blieb der RB16 stecken, eine gute Viertelstunde Rotphase zur Bergung war erforderlich. „Ich glaube, ich habe einfach die weiße Linie berührt und da war es noch ein bisschen feucht, das habe ich im Auto nicht gesehen", erklärte Verstappen.

Für die dritte Rotphase des Vormittags sorgte 30 Minuten später Sebastian Vettel. Erst setzte der Ferrari-Pilot eine neue Bestzeit, dann ging es auch für Vettel in den Kies von Kurve fünf. Den SF1000 konnte der Deutsche zwar selbst befreien, der aufgewirbelte Kies erforderte jedoch eine kurze Pause.

Nach gut 90 Minuten der Nachmittagssession sorgte Mercedes für die vierte rote Flagge des Tages. Lewis Hamilton war nach Kurve fünf ausgerollt. Die Power Unit hatte ihren Dienst quittiert - ohne Rauchentwicklung, ohne merkwürdiges Geräusch. Das nächste Problem mit der Elektrik nach Bottas in Woche eins? Nein. Es handelte sich um eine Anomalie beim Öldruck. Der Tag war für die Weltmeister vorzeitig vorbei. Bitter auch für die Konkurrenz: Die Unterbrechung für erneut 15 Minuten zerstörte gleich einige Rennsimulationen, darunter die von Sebastian Vettel.


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