Formel 1

Formel 1 Favoritencheck: Vettel vs. Verstappen vs. Hamilton

Der Brasilien GP der Formel 1 heute verspricht Spannung pur. Wer hat die besten Karten auf den Sieg: Max Verstappen, Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton?
von Christian Menath

Das Qualifying zum Brasilien GP war eine Tausendstelschlacht. Am Ende setzte sich Max Verstappen vor Sebastian Vettel und Lewis Hamilton durch. Damit starten zum zweiten Mal hintereinander drei verschiedene Autos von den ersten drei Plätzen. Das verspricht Spannung pur für das 20. Rennen zur Formel-1-Saison 2019.

Vor zwei Wochen in Austin war es am Ende aber ein Kampf zwischen Mercedes und Red Bull. Ferrari spielte früh im Rennen keine Rolle mehr. Sebastian Vettel fiel aus, Charles Leclerc war chancenlos.

Wiederholt sich das Spiel heute in Sao Paulo? Wer aus dem Führungstrio hat die besten Chancen auf den Sieg? Oder kann sogar noch die zweite Garde ein Wörtchen mitreden? Motorsport-Magazin.com liefert den 20. Favoritencheck des Jahres.

Austin war nicht das erste Mal, dass Ferrari im Rennen schwächer war als im Qualifying. Der Renntrimm ist noch immer die Achillesferse der Scuderia. Immerhin hat Pirelli in Brasilien ein kleines Geschenk für Ferrari: Wie so oft in dieser Saison gingen die Italiener ein Stufe härter bei ihrer Reifenwahl. Das soll verhindern, dass die Piloten wie im vergangenen Jahr hauptsächlich ihre Reifen schonen.

Ferrari dürfte das freuen. Trotzdem sahen die Longruns am Freitag nicht vollends überzeugend aus. Zwar fehlte Sebastian Vettel nicht viel, trotzdem war ein keiner Rückstand auf Mercedes und Red Bull sichtbar.

Vettel: Longrun im 3. Training macht Mut

"Wir wissen, dass wir im Rennen vielleicht nicht so gut sind wie im Qualifying, aber ich war mit der Balance hier ziemlich zufrieden", wirft Vettel ein. "Wir haben im 3. Training noch einen Longrun gemacht und der hat sich viel besser angefühlt als am Freitag. Das gibt mir Hoffnung für heute."

Formel 1 Brasilien GP 2019, Longruns auf Soft

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Gefahren gegen Zeit
Hamilton 21 10 Anfang 1:13,334
Verstappen 16 10 Anfang 1:13,538
Vettel 19 10 Anfang 1:13,608
Bottas 19 8 Anfang 1:14,828

Formel 1 Brasilien GP 2019, Longruns auf Medium

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Gefahren gegen Zeit
Verstappen 16 2 Ende 1:13,070
Hamilton 5 3 Ende 1:13,174
Leclerc 26 14 Anfang 1:13,792
Albon 18 5 Anfang 1:14,119

Doch auch Vettel weiß um die Stärken der Konkurrenz. "Es wird schwierig", gibt er zu. "Beide sehen ein bisschen besser aus, wenn es darum geht, die Reifen zu managen. Aber wir sind aus einem Grund da vorne: Wir haben den Speed und wir haben die Power. Ich bin vorsichtig optimistisch, ich denke es sollte ein gutes Rennen sein."

"Wir haben die Power" - ein Satz, bei dem nach dem ganzen Hickhack um Technische Direktiven nicht nur Max Verstappen nervös wird. Am Freitag zeigte sich Ferrari nach der zwischenzeitlichen Flaute auf den Geraden wiedererstarkt. Am Samstag fiel der Vorsprung kleiner aus.

Im letzten Sektor, dem Power-Sektor von Interlagos, lagen zwischen den ersten fünf exakt 24 Tausendstelsekunden. Auch im ersten Sektor fehlten Verstappen auf die Leclerc-Bestzeit nur 0,008 Sekunden. Entweder hat Honda über Nacht enorm aufgeholt, oder Ferrari hat in Hinblick auf das Rennen ordentlich Abtrieb aufs Auto gepackt.

Ferrari in Brasilien wieder mit mehr Abtrieb?

Dafür spricht auch der Mittelsektor. Zwar waren dort wie nicht anders zu erwarten Verstappen und Hamilton schneller, aber auch dort fielen die Abstände auffallend gering aus. Leclerc fehlten nur 0,070 Sekunden. Von einer richtigen Schwäche lässt sich da nicht mehr sprechen. Am Freitag lag Ferrari im kurvigen Abschnitt noch weiter zurück.

Doch Verstappen gibt sich erwartungsgemäß selbstbewusst: "Wir haben normalerweise ein gutes Rennauto - das wird hoffentlich morgen wieder der Fall sein." Schon im letzten Jahr, als Red Bull im Qualifying noch chancenlos war, hatte der Niederländer klar die stärkste Pace im Renntrimm.

Aber auch Mercedes beansprucht die Renn-Herrschaft für sich. "Unsere Pace auf den Longruns sah am Freitag stark aus, das zählte schon das gesamte Jahr über zu unseren Stärken", erklärt Lewis Hamilton.

Ein entscheidender Punkt könnte dabei das Wetter sein. Nachdem es am Freitag noch stark geregnet hatte, zeigte sich der Himmel über Sao Paulo am Samstag versöhnlicher. Am Sonntag soll es noch einmal deutlich wärmer werden. Asphalttemperaturen von 50 Grad werden erwartet.

Hamilton: Habe Hitze-Setup

"Dann wird es für alle richtig schwer, denn solche Werte haben wir das ganze Wochenende über noch nicht gesehen", warnt Hamilton. Der frischgebackene sechsfache Formel-1-Weltmeister sieht darin einen möglichen Trumpf: "Ich habe das bei meinem Setup beachtet und hoffe, dass es sich morgen auszahlt."

Eigentlich hatte Pirelli eine klare Einstopp-Strategie prognostiziert. Schon im Vorjahr mit der aggressiveren Reifenwahl machten die meisten Piloten nur einen Stopp. Durch den extremen Temperaturanstieg ist ein zweiter Reifenwechsel aber denkbar. "Wir müssen bei der Strategie offen in dieses Rennen gehen, weil die Bedingungen ganz anders als am Freitag sein werden", weiß auch Mercedes Technikchef James Allison.

Gut möglich, dass Hamilton die Weitsicht beim Setup am Samstag die Pole kostete. Denn Mercedes hatte sich bei den Temperaturen etwas verspekuliert. Noch während des Qualifyings experimentierte das Team mit den Heizdecken. Erst im allerletzten Versuch passte es bei Hamilton besser - als die Konkurrenz schon Probleme mit einem zu heißen Asphalt hatte.

Dazu klagte Hamilton im Qualifying über ein großes Speed-Defizit. Auf den Geraden hätte er nicht nur gegenüber Ferrari, sondern auch gegenüber Red Bull deutlich verloren. Möglicherweise ein Zeichen für etwas mehr Abtrieb bei Mercedes, um die Reifen am Sonntag zu schonen.

Vettel hofft auf Rennstart: Dann Reifen schonen

Bei der Pace und den Vorzeichen gehen Verstappen und Hamilton als Favoriten ins Rennen. Vettel bleiben eher Außenseiterchancen. Aber der Heppenheimer hat sich schon einen Plan zurechtgelegt: "Der Schlüssel wird ein guter Start. Wenn wir da nach vorne kommen, können wir die Reifen managen. Dann brauchen wir die richtige Strategie und dann sehen wir, was passiert."

Frische Luft könnte Vettels Joker sein. Dann können Verstappen und Hamilton dahinter ihren Reifen-Vorteil möglicherweise nicht ausspielen, weil sie unter der verwirbelten Luft leiden.

Der Sprint zum ersten Bremspunkt ist mit rund 200 Metern zwar extrem kurz, Vettel hat aber Erfahrung darin, den Brasilien GP am Start zu gewinnen. 2017 ging er an Valtteri Bottas vorbei und gab die Führung bis zum Ziel nicht mehr ab.

Allerdings steht Vettel heute neben Verstappen in der ersten Startreihe und nicht neben Bottas. Dazu hat auch Lewis Hamilton nach der WM-Entscheidung nichts mehr zu verlieren. Oder doch? "Ich kann vielleicht ein bisschen aggressiver sein und ein bisschen Spaß mit den Jungs haben, aber eigentlich gibt es keinen Grund, meine Herangehensweise zu ändern", so Hamilton. "Meine Herangehensweise hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin, deshalb werde ich so weitermachen." Geschenke braucht Vettel aber wohl auch von Hamilton nicht erwarten.

Leclerc: Von Startplatz 14 aufs Podium?

Bleib noch die Frage, ob die Top 3 unter sich bleiben. Valtteri Bottas auf Rang vier macht das ganze Wochenende keinen besonders guten Eindruck. Der Renntrimm ist 2019 außerdem nicht unbedingt seine Stärke. Alexander Albon im zweiten Red Bull fehlt schlichtweg zu viel Pace auf die Top-Leute.

Und Charles Leclerc? Der Monegasse muss nach dem Motorwechsel von Startplatz 14 aus ins Rennen gehen. Platz vier in der Qualifikation war eine riesen Enttäuschung für ihn. Ohne Fehler in der letzten Kurve hätte er die Pole-Zeit von Verstappen angreifen können.

Durch die Strafversetzung war der Fehler nicht ganz so dramatisch. Aber es zeigt, welche Pace auch im Ferrari mit der Startnummer 16 steckte. Aufgrund der Strafe qualifizierte sich Leclerc im Q2 auf den Medium-Reifen. Damit hat er durchaus noch große Pläne: "Hoffentlich kann ich noch um ein Podium kämpfen." Dafür benötigt er allerdings eine gehörige Portion Glück. Die Top-Autos liegen so eng zusammen, dass eine Aufholjagd aus eigener Kraft eher unwahrscheinlich ist.


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