Formel 1

Leclerc erklärt nach Ferrari-Stallorder: Habe Vettel geholfen

Charles Leclerc und Sebastian Vettel sorgen auch im Formel-1-Rennen in Sotschi für teaminterne Diskussionen. Leclerc erklärt seine Sicht auf die Stallorder.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Im vierten Rennen nach der Sommerpause stand Charles Leclerc zum vierten Mal auf dem Podium. Allerdings war Platz drei beim Russland GP in Sotschi eine große Enttäuschung für den Ferrari-Piloten, der zum vierten Mal in Folge von Pole gestartet war.

Die Führung verlor Leclerc gleich am Start, was zu zahlreichen Diskussionen am Funk führte. Ausgerechnet Teamkollege Sebastian Vettel überholte Leclerc aus dem Windschatten heraus vor dem ersten Bremspunkt.

Eine Variante, die Ferrari offenbar vor dem Rennen so abgesprochen hatte - allerdings sollte Vettel die Position anschließend wieder an Leclerc zurückgeben. Obwohl dazu aufgefordert, dachte Vettel gar nicht erst an einen Platztausch.

Allerdings musste Leclerc etwas abreißen lassen, machte zumindest auf der Strecke keinen Druck für einen Platztausch. "Ich habe versucht, so nah wie möglich dran zu bleiben, aber vor allem in den ersten beiden Sektoren sind die Reifen überhitzt", erklärt Leclerc.

Der zweifache Grand-Prix-Sieger zog seine Schlüsse daraus: "Dann habe ich mich etwas zurückfallen lassen, weil ich hundertprozentiges Vertrauen in das Team hatte, dass wir den Platztausch wie abgemacht vornehmen werden."

Doch warum sollten Leclerc und Vettel überhaupt Plätze tauschen? Hatte Vettel Leclerc nicht einfach am Start überholt? "Die Absprache war ganz einfach", verrät Leclerc. "Ich musste Sebastian am Anfang Windschatten geben und ihn in der zweiten Kurve vorbeilassen, damit wir die ersten beiden Positionen haben und dann wird zurückgetauscht."

Ferrari instruierte die Piloten so, damit Vettel von Position drei aus direkt am Start an Hamilton vorbeigehen konnte. Doch Vettel hatte Hamilton schon überholt, bevor er richtig vom Windschatten Leclercs profitierte.

"Ich bin am Start extra links gefahren, um Sebastian den Windschatten zu geben. Wären Sebastian und Lewis nebeneinander gewesen, hätte ich Sebastian geholfen, so war es abgemacht. Ich wusste, dass er mich überholen wird und die Position später zurückgibt", schildert Leclerc die Startsituation aus seiner Sicht.

Die Frage ist, ob Leclerc Vettel wirklich helfen wollte. Hätte er sich anders verhalten, wenn er seine Position hätte schützen wollen? Für Leclerc ist die Sache klar: "Ich hatte keinen Grund zu kämpfen, weil ich keinen Zweifel an der Absprache hatte. Ich hatte komplettes Vertrauen und deshalb hatte ich keinen Grund zu kämpfen."

Nach weiteren Diskussionen am Funk vertagte Ferrari den Platztausch auf die Boxenstopps. Leclerc kam drei Runden früher zum Reifenwechsel und konnte Vettel so mit einem Undercut überholen.

Als Vettel kurz nach dem Stopp seinen Boliden auf der Strecke abstellen musste und damit eine VSC-Phase auslöste, verlor Leclerc das Rennen. Mercedes nutze die VSC-Phase und holte Hamilton, der noch nicht gestoppt hatte, zum Reifenwechsel. Hamilton konnte dank des VSC vor Leclerc bleiben.

Als kurz nach der VSC-Phase George Russell für ein Safety Car sorgte, entschied sich Ferrari Leclerc noch einmal zum Stopp zu holen und auf die Soft-Reifen zu setzen. Dabei verlor er auch noch Position zwei an Valtteri Bottas, die er sich nach dem Restart nicht mehr zurückholen konnte.


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