Formel 1

Formel 1, Red Bull übertreibt Quali-Modus: Zu viel für Honda

Max Verstappens zweiter Platz im Formel-1-Qualifying von Hockenheim war kurzzeitig in Gefahr. Im Q2 zickte der Honda. Red Bull wollte zu viel Leistung.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen sah im Formel-1-Qualifying auf dem Hockenheimring für einen Moment wie der nächste große Pechvogel aus. Im Q2 meldete er einen Leistungsverlust. Am Ende stellte sich heraus: Red Bull übertrieb es mit dem Quali-Modus des Honda-Motors. Trotz der Probleme sicherte sich der Niederländer den zweiten Startplatz. Statt Ferrari soll Verstappen Pole-Sitter Lewis Hamilton im Rennen am Sonntag einheizen.

"Ich habe für diesen Run einen anderen Modus ausprobiert, aber als ich über die Start- und Ziellinie fuhr, hat er [der Motor] irgendwie ausgesetzt", erklärt der 21-Jährige den Moment, in dem seinen Fans im Motodrom der Atem stockte. Wie wenige Minuten zuvor Lokalmatador Sebastian Vettel drohte auch der andere Publikumsliebling unter den Zuschauern mit einem Defekt aus dem Wettbewerb zu fliegen.

"Im Q2 ist der Motor in den Sicherheitsmodus gegangen. Wir haben versucht, die optimale Leistung herauszuholen und sind dabei ein bisschen drüber gewesen", gesteht Dr. Helmut Marko im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com, dass Red Bull der Power Unit von Honda im Qualifying für den Deutschland GP schlichtweg etwas zu viel abverlangte.

"Ich habe etwas Leistung verloren, und dann weißt du, dass deine Runde hin ist. Ich bin vom Gas und zurück an die Box, um alles zu checken", so Verstappen, der das Mapping-Problem nicht selbst lösen konnte. "Das kannst du nur an der Box wieder zurücksetzen", bestätigt Marko. In der Folge konnte Verstappen aber auch den normalen Qualifying-Modus nicht mehr nutzen.

Verstappen nach Problem mit weniger Leistung

"Wir sind dann einfach in einen sichereren Modus gegangen. Er ist ab dem Zeitpunkt nicht mehr mit der optimalen Leistung unterwegs gewesen", so Marko. Honda spricht er von der Verantwortung für den Zwischenfall frei: "Die Japaner haben schon gelernt, dass man im Qualifying aufs Ganze gehen muss. Das war einfach Pech, dass für ein paar Sekunden etwas passiert ist, dass den Sicherheitsmodus ausgelöst hat."

Verstappen schaffte es mit seinem letzten Run trotzdem ins Q3 und war auch dort konkurrenzfähig. Mit dreieinhalb Zehnteln Rückstand auf Hamilton bezwang Verstappen hauchdünn Valtteri Bottas und sicherte Red Bull den zweiten Startplatz. "Das ganze Mapping war nicht mehr optimal. In Kurve acht hat er zwei Zehntel verloren", sagt Marko. "Wäre alles optimal gelaufen, wären wir ganz knapp an Hamilton dran gewesen."

Verstappen: Ferrari-Debakel gut für Red Bull

Bei aller Angriffslust auf Mercedes konnte sich Verstappen letztendlich auch glücklich schätzen, dass Ferrari sich mit Defekten an beiden Autos selbst ausschaltete: "Natürlich war es irgendwie gut, dass sie raus waren. Ich hatte erwartet, dass sie schnell sein würden. Sie haben einen tollen Topspeed und auch das Layout dieser Strecke ist ziemlich gut für sie."

"Hier auf der Gerade haben sie uns vier Zehntel abgenommen. Aber die haben sich ja entschieden, im Qualifying nicht mitzumischen", sagt Marko, der sein Team beim Topspeed auf Silberpfeil-Niveau sieht. "Sie [Ferrari] wären eine Gefahr gewesen, aber mit Mercedes ist es ziemlich gleichauf."

Verstappen-Defekt zwingt Red Bull auf Soft-Reifen

Das Problem im Q2 zog allerdings noch weitere Konsequenzen nach sich. Da Verstappen nur noch einen Versuch hatte, ging Red Bull kein Risiko ein und zog dem Niederländer den Soft-Reifen auf, während Mercedes und Leclerc sich den Medium-Compound als Startreifen sicherten. "Das war schade, denn wir wollten dasselbe versuchen wie die anderen Teams", so Verstappen.

Angesichts der deutlich kühleren Wettervorhersage für den Sonntag muss der weichste Reifen aber nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. "Dann kann es ein Vorteil sein. Außerdem kann der Medium-Reifen genau so grainen, vielleicht sogar mehr als der Soft. Wir haben jetzt jedenfalls diesen Reifen und werden schauen, dass wir das Maximum daraus machen", sagt Marko.

Gleichzeitig hätte Red Bull die Hitze gebraucht, um den temperaturempfindlichen Mercedes wie zuletzt in Spielberg in Bedrängnis zu bringen. "Leider werden es morgen nur so 25 Grad Celsius sein. Das ist nicht warm genug", glaubt Verstappen. "Aber im Rennen sind wir normalerweise immer etwas konkurrenzfähiger."

Marko gespannt: Mercedes Bluff-Taktik im Rennen?

Hamilton soll im Rennen in jedem Fall von Beginn an unter Druck gesetzt werden. "Es ist ja die Hoffnung, dass Max am Start dahinter ist, und Hamilton nicht seine übliche Taktik machen kann", hofft Marko, dass Mercedes diesmal nicht entspannt die Führungsarbeit machen kann.

"Wir starten auf einem anderen Reifen und müssen sehen, wie das funktioniert. Hoffentlich können wir dranbleiben und sie fordern. Das wäre gut", so Verstappen. Marko ist zumindest auf eine Erkenntnis gespannt: "Wenn wir direkt hinter ihm sind, werden wir vielleicht die richtige Pace sehen. Wenn er uns dann auf und davon fährt, wissen wir, dass da eine gewisse Bluff-Taktik häufig der Fall ist."


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