Formel 1

Formel 1, Sebastian Vettel in der Krise: Es ist schwierig

Sebastian Vettel fährt zuletzt nicht nur den eigenen Ansprüchen hinterher, sondern auch Teamkollege Leclerc. Dazu unterlaufen ihm immer wieder Fehler.
von Christian Menath

Vor einiger Zeit noch wäre die Ferrari-Pressekonferenz nach dem Rennen in Silverstone wie der brühmte Gang nach Canossa für Sebastian Vettel gewesen. Der viermalige Formel-1-Weltmeister hatte zuvor beim Großbritannien GP Max Verstappen abgeschossen und damit vor allem sein eigenes Rennen ruiniert. Vettel musste zum Nase wechseln an die Box, erhielt eine Zeitstrafe und landete schließlich - noch hinter Robert Kubica - auf Rang 16.

Doch für Sebastian Vettel im Jahr 2019 war der Gang vor die Presse selbst nach dem Debakel von Silverstone - zumindest nach außen hin - keine Qual mehr. Einerseits ist es der Ferrari-Pilot inzwischen gewöhnt, sich für Fehler und weniger gute Leistungen rechtfertigen zu müssen.

Nach dem Dreher im Kampf gegen Lewis Hamilton in Bahrain und dem Ausrutscher in Kanada unter dem Druck des Briten war es bereits der dritte Fehler mit Folgen für Vettel in der aktuellen Saison. Dazu wird es langsam zur Gewohnheit, dass Teamkollege Charles Leclerc der schnellere der beiden Ferrari-Piloten ist.

Krisen-Gerüchte: Tritt Sebastian Vettel zurück?: (17:28 Min.)

Beendet Vettel Formel-1-Karriere schon 2019?

"Schwierig", beschrieb Vettel seine eigene Saison kurzum. Während der Deutsche früher wohl mit der Entscheidung der Stewards lamentiert und über die Kollision mit Verstappen diskutiert hätte, zeigte er sich diesmal reumütig. "Ich habe eine Lücke gesehen, die keine war. Ich habe es falsch eingeschätzt, es war mein Fehler", lautete seine klare Ansage.

Man kann Vettels Reaktion auf zwei sehr unterschiedliche Arten deuten. Entweder ist Vettel gereift, verfügt über die nötige Selbstreflektion und kann eigene Fehler nun eingestehen. Oder aber es ist ihm inzwischen egal, ihm fehlt der letzte Biss, der ihn bislang so angetrieben hatte.

Seit einigen Wochen hält sich im Fahrerlager hartnäckig das Gerücht, Vettel würde seinen bis 2020 geltenden Ferrari-Vertrag gar nicht erfüllen. Manche dichten ihm eine Rückkehr zu Red Bull an, andere einen Abschied aus der Formel 1. Zuletzt berichteten australische Medien, Ferrari würde sich schon für den Fall der Fälle nach einem Ersatz umsehen.

Die Situation ist für Vettel nicht ganz neu. 2014 verlor er das teaminterne Duell gegen den damals aufstrebenden Daniel Ricciardo. Anschließend verließ er Red Bull und heuerte bei der Scuderia an. "Das ist aber lange Zeit her, das war eine ganz andere Situation", wiegelt Vettel ab.

Vettel: Lag nicht zufällig auf Rang drei

"Hie und da hat das Ergebnis gefehlt, aber die Rennen, die wir hatten, hätten auch in die andere Richtung gehen können", gibt Vettel zu Bedenken. "Man muss fair sein und nicht nur eine einzige Runde beurteilen. Es war keine perfekte Runde, aber die Runden zuvor waren ziemlich stark."

Vettel setzte von Platz sechs gestartet auf eine alternative Strategie und profitierte vom Safety Car, das ihn auf Platz drei spulte. "Ich lag nicht zufällig auf Rang drei", wirft Vettel aber ein. "Das Safety Car hat geholfen, aber meinen ersten Stint haben wir ziemlich gut gemanagt. Wir haben etwas anderes gemacht und das hat funktioniert."

Doch auch dafür gab es einen unschönen Grund: Während sich Teamkollege Charles Leclerc nur eine Zehntel hinter dem Polesetter auf Rang drei qualifizieren konnte, fuhr Vettel über eine halbe Sekunde langsamer als der Monegasse und musste beiden Red Bull den Vortritt lassen.

Qualifying wird 2019 zu Vettels Achillesferse

In Österreich sorgte ein Technik-Problem für Vettels schlechtes Qualifikationsergebnis, doch die Pace von Leclerc hatte er auch dort nicht. In Frankreich qualifizierte sich der Deutsche gar nur auf Rang sieben. Vettel hat ein Qualifying-Problem. "Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich darauf die Antwort habe", gesteht er.

"Im Rennen [in Silverstone] hat es sich viel besser angefühlt, obwohl wir das Auto nicht ändern durften", erklärt der 32-Jährige. "Im Qualifying konnte ich die Performance des Autos nicht nutzen, im Rennen kam alles natürlich, ich hatte Vertrauen in das Auto und in die Reifen."

Dabei ist die Stärke des Ferrari das Qualifying. Im Rennen gehen der Roten Göttin die Reifen zu schnell ein. Vettel scheint die Stärken des SF90 nicht nutzen zu können. Trotz 100 Punkten Rückstand auf WM-Leader Lewis Hamilton will Vettel die Flinte jedoch noch nicht ins Korn werfen: "Einige Rennen hätten auch anders laufen können. Ich bin nicht allzu besorgt. Jetzt freue ich mich auf Deutschland."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video