Formel 1

Sebastian Vettel auf Ursachenforschung: Zauberwürfel F1 lösen

Ferrari fährt auch in der Formel-1-Saison 2019 Mercedes hinterher. Sebastian Vettel beginnt sich zu langweilen. Aber ist diesmal alles anders?
von Christian Menath
Nach Formel 1 in Baku: Wie gut ist Ferrari wirklich?: (18:45 Min.)

Vier Doppelsiege in den ersten vier Rennen. Das hat es in der Formel-1-Geschichte noch nicht gegeben. Nach den Testfahrten hätten die meisten diese Ergebnisse höchsten Ferrari zugetraut. Doch einmal mehr dominiert Mercedes die Königsklasse des Motorsports.

"Langweilig oder? Sooooo langweilig. Sooooo langweilig", sagte Sebastian Vettel auf die jüngste Siegesserie des Konkurrenten angesprochen. "Es sind nicht nur vier Rennen, es sind mehr oder weniger vier Jahre", fügte er mit einer Mischung aus Ironie, Sarkasmus und einer kleinen Portion Frustration an.

Um genau zu sein: Die Silberpfeile holten schon fünf Titel in Folge, 2019 könnte das sechste Double hinzukommen. Während viele Fans inzwischen auf Mercedes losgehen, packt sich Vettel an der eigenen Nase: "Wir müssen härter und besser arbeiten. Wir pushen so gut wie wir können, aber man muss anerkennen, dass sie es phänomenal gut machen und ihre Autos die meiste Zeit in das richtige Fenster bekommen."

Vettel: Reifen 2019 Ferraris Problem

In dieser Erklärung steckt auch schon der Hoffnungsschimmer: Das richtige Fenster. Denn während Mercedes mindestens vier der letzten fünf Jahre einfach unantastbar überlegen war, scheint es 2019 anders zu sein. "Wir haben ein gutes Auto, wir haben es nur noch nicht hinbekommen, es immer dort haben, wo es hingehört", so Vettel.

Während Mercedes das Betriebsfenster seines Silberpfeils immer im richtigen Moment zu erwischen scheint, hapert es bei Ferrari daran. "Vier Rennen, kein Sieg für Ferrari, vier Siege für Mercedes - kein Zweifel, dass sie sehr stark sind und wohl das etwas bessere Auto haben", gesteht Ferrari Teamchef Mattia Binotto. "Aber der Abstand ist nicht so groß. Die Punkte und die Ergebnisse spiegeln nicht das wahre Potential des Autos wieder."

Nicht nur Ferrari ist überzeugt, 2019 ein starkes Auto zu haben. Doch der SF90 ist eine Wundertüte. Dafür gibt es zwei Erklärungen. "Für Mercedes scheint es einfacher zu sein, es zusammenzubekommen. Für uns ist das schwierig. Das Geheimnis, das uns bislang im Schnitt gefehlt hat, sind die Reifen. Wir haben in diesem Jahr mehr Probleme als im vergangenen Jahr."

Pirelli überarbeitet Mischungen und Konstruktionen

Tatsächlich hat Pirelli die Reifen für 2019 überarbeitet. Auch wenn Pirelli selbst von keiner Revolution spricht und auch die Piloten die typischen Pirelli-Charakteristika erkennen können, wurden die meisten Mischungen überarbeitet. Dazu kommt bei allen Mischungen eine neue Konstruktion. Zusätzlich wurde die Lauffläche etwas dünner, um das Überhitzen zu verhindern.

Viele kleine Änderungen stellen die Teams vor ein großes Reifenrätsel. "Es ist wie ein Zauberwürfel", meint Vettel. "Man muss ihn nur lösen. Wir haben einige Leute, die einen Zauberwürfel in wenigen Minuten lösen können. Wir haben wirklich schlaue Leute, aber wir arbeiten an einem sehr großen Zauberwürfel."

Dazu kommt noch ein zweiter Faktor, der es schwer macht, die Ergebnisse richtig zu lesen. Geht man nach den Test- und Trainingsergebnissen, läuft es für Ferrari nämlich prächtig. "Wir sollten uns die Trainingsergebnisse nicht zu genau anschauen", mahnt Teamchef Binotto. "Wir sind auf unterschiedlichen Programmen unterwegs. Man fährt andere Motormodi und mit unterschiedlichen Benzinmengen."

Ferrari Teamchef: Unser Auto ist gut

Also alles nur Ferrari-, respektive Mercedes-Bluff? Nicht ganz. "Wir hatten mit Charles in Baku das Potential für Pole", sagt Binotto. "Und wenn man ein Auto hat, das schnell genug für die Pole ist, dann hat man insgesamt ein gutes Auto."

Da sieht es der Italiener auch nicht als dramatisch an, dass Ferrari im Rennen verhältnismäßig schwächer aussah: "Wir waren in Baku nicht so schnell wie Mercedes, aber es war ein enges Rennen, wir waren keine 20 Sekunden hinter ihnen. Es gab einen Rundenzeitunterschied, aber der war gering. Es ist ein anderes Rennen, wenn du vorne oder hinten bist. Es ist viel einfacher, deine Pace und deine Reifen zu managen, wenn du in frischer Luft fährst. Unsere Pace beim Aserbaidschan GP war von unseren Positionen im Grid beeinträchtig."

Neben den guten Anzeichen bei der Pace gibt es weitere positive Faktoren bei der Scuderia. Trotz der geringen Trainingszeit konnte Ferrari die ersten Updates der Saison testen und für gut befinden. "Sie haben funktioniert wie erwartet", freut sich Binotto. "Es waren die ersten neuen Teile. Wir werden hier aber nicht aufhören, es kommen die nächsten Rennen noch weitere."


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