Formel 1

Formel 1, Bottas ganz cool: Hamilton-Attacke? Puls war niedrig

Valtteri Bottas bekommt in Baku Wiedergutmachung für seinen Reifenschaden im Vorjahr. Sieg und WM-Führung. So cool überstand der Finne Hamiltons Sturmlauf.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Valtteri Bottas hat sich mit seinem Sieg beim Aserbaidschan GP 2019 selbst entschädigt. Im Vorjahr hatte der Finne in Baku auf Siegkurs gelegen, da zerfetzte es ihm kurz vor Rennende plötzlich einen Hinterreifen. Ein heftiger Schlag mitten aus dem Nichts. Ein Schlag, auf den 2018 unzählige weitere folgen sollten.

Ganz anders 2019. Mit seinem Coup von Baku hat Bottas im vierten Rennen der laufenden Formel-1-Saison jetzt bereits seinen zweiten Erfolg errungen. Das sind schon zwei mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

Wolff: Bottas ganz cooler Finne

Noch dazu holte sich der Mercedes-Pilot die WM-Führung von Teamkollege Lewis Hamilton zurück. Mit 87 Zählern liegt der Finne nun wieder genau einen Punkt vor dem Weltmeister. Entsprechend groß die Freude. "Die Performance war sehr gut hier. Es ist unglaublich auf welchem Level wir als Team momentan arbeiten", sagt Bottas.

"Ich bin stolz, da dazu zu gehören. Es ist erst meiner fünfter Sieg - fühlt sich gut an und bedeutet mir viel. Es ist die Wiedergutmachung für vergangenes Jahr", jubelt Bottas für die Verhältnisse eines Finnen regelrecht. "Ich hoffe, es geht jetzt so weiter!" Typisch Finne präsentierte sich Bottas auch zuvor im Rennen. "Am Ende war Valtteri ganz der coole Finne, der die Nerven behält", lobt Teamchef Toto Wolff im ORF.

Bottas wehrt Hamilton am Start ab

Aber der Reihe nach. Zunächst widerstand Bottas am Start einer ersten großen Attacke seines Teamkollegen. In den ersten beiden Kurven wurde es richtig ein, beinahe krachte es. "Der Start war der kritischste Moment", sagt Bottas. "Lewis kam besser von der Linie, ich war vielleicht etwas zu vorsichtig, weil ich unbedingt keinen Schlupf haben wollte. So musste ich mich etwas in Kurve eins und zwei verteidigen." Das lief nicht nur sauber, Bottas behauptete nach der Pole auch die Führung.

Das war der Grundstein für seinen Sieg am Kaspischen Meer. "Er ist ein fantastisches Rennen gefahren. Valtteri hat keinen Fehler gemacht. Ich habe es schon im Qualifying verloren", meint Hamilton. Doch sollte der Bottas-Sieg noch einmal wackeln. Kurz vor Rennende bließ Hamilton plötzlich zur großen Schlussoffensive, gelangte sogar ins DRS-Fenster hinter Bottas.

Mercedes stellt klar: Kein Eingriff in Schlussphase

Für Mercedes ein Graus. Würden die Fahrer hier den vierten Doppelsieg zum Start der Saison und damit einen weitere, neuen F1-Rekord für Mercedes gefährden? Griff Mercedes deshalb ein? Nein, nicht vonseiten des Kommandostands, versichert Wolff. Dabei hatten den TV-Kameras ganz klar seinen Finger auf dem Funkknopf eingefangen. Da habe er allerdings nur mit der Strategieeinstellung gesprochen, so Wolff.

"Ich spreche nicht mit den Fahrer, das mache ich nie", sagt der Österreicher. "Wir haben ihnen keine Anweisungen erteilt. Vorher hatten wir den Fahrern, als wir auf Medium gewechselt hatten, nur gesagt, dass wir nicht sicher seien, ob der bis zum Ende halten würde und sie den Reifen deshalb nicht zu sehr rannehmen sollen." Allerdings habe man auch gesagt, dass sie gegen Rennende dann attackieren, auch gegeneinander fahren dürften.

Bottas lässt Hamilton-Attacke kalt: Puls war niedrig

Genau das befolgte Hamilton. Erst Zurückhaltung, dann Attacke. Doch auch Bottas. Auch der Finne hatte sich noch ein paar Körner in den Reifen behalten. "Es war ein hartes Rennen, auch wenn vorne nicht so viel passiert ist", schildert Bottas die Szenen selbst.

"Lewis hat am Ende gut Druck gemacht. Ich habe gespürt, dass er attackieren wollte, um es noch zu schaffen. Da durfte ich mir keinen Fehler leisten", schildert Bottas. Ins Zittern geriet er aber nicht. "Mein Puls war eigentlich sehr niedrig. Ich habe versucht, nicht zu viel darüber nachzudenken, hilft ja nichts", berichtet der neue WM-Leader.

Ein Bottas-Bier für George Russell

"Und ich wusste, dass ich noch etwas Speed in der Hinterhand hatte. Ich hatte immer das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Trotzdem war ich dann froh, dann die Zielflagge zu sehen", ergänzt Bottas. Kleine Schützenhilfe gab es noch von einem anderen Mercedes-Mann: Junior George Russell, dessen Williams Windschatten spendierte.

Bottas will sich, auch hier ganz Finne, hochprozentig bedanken: "Bei Überrundungen ist es immer toll, wenn es dir dann hilft. Aber das kann so oder so laufen. Ich werde ihm ein Bier spendieren!"


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