Formel 1

Formel 1, Bahrain: Hamilton siegt nach Ferrari-Drama um Leclerc

Lewis Hamilton hat das zweite Formel-1-Rennen 2019 in Bahrain gewonnen. Charles Leclerc verliert Rennen nach Defekt. Sebastian Vettel mit Dreher chancenlos.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton hat beim zweiten Formel-1-Rennen der Saison 2019 in Bahrain einen überraschenden Sieg gefeiert. Der Weltmeister setzte sich in einem harten Kampf gegen Sebastian Vettel durch. Der Ferrari-Pilot drehte sich im Duell mit dem späteren Rennsieger. Den 74. Sieg seiner Karriere brachte Hamilton letztendlich ein Defekt bei Charles Leclerc. Der Monegasse musste einen sicheren Sieg kurz vor Rennende begraben und wurde nur Dritter. Bottas machte den Mercedes-Doppelsieg perfekt.

Das Nachtrennen auf dem Bahrain International Circuit war reich an Action. Leclerc hatte in der ersten Runde zunächst seine Führung verloren und musste sich daraufhin wieder an Bottas und Vettel vorbeikämpfen. Ferrari ließ beide Piloten frei fahren, wodurch es zum ersten Schlagabtausch zwischen Vettel und Leclerc kam. Der Youngster setzte sich durch und hatte das Rennen daraufhin unter Kontrolle. Auch Bottas und Hamilton lieferten sich zu Beginn ein hartes Duell.

Nach der heißen Anfangsphase versuchte Mercedes mit Undercuts und alternativen Reifenstrategien die Ferraris unter Druck zu setzen. Gegen Vettel waren die Silberpfeile damit erfolgreich. Im Kampf um Platz gegen Hamilton zwei drehte sich der Deutsche und fiel zurück. Leclercs Sonntag wurde im letzten Renndrittel zu einem Albtraum, als der Turbolader seines Ferrari-Motors den Dienst quittierte.

Hamilton holte dadurch seinen ersten Saisonsieg. Bottas sorgte als Zweiter für den nächsten Mercedes-Doppelsieg nach Melbourne. Eine Safety-Car-Phase kurz vor Rennende rettete Leclerc den dritten Platz. Das Rennen wurde unter Gelb beendet, sodass er nicht mehr von Verstappen abgefangen werden konnte.

Die Punkteränge: Hinter Verstappen komplettierten Vettel, Norris, Räikkönen, Gasly, Albon und Perez die Top-10. Renault erlebte kurz vor Rennende ein Debakel, als beide Autos zeitgleich ausfielen und so für die Neutralisierung sorgten. Hülkenberg verlor dadurch den sechsten Platz.

Schnellste Runde: Durch die Safety-Car-Phase blieb die Jagd nach dem Extrapunkt für die schnellste Rennrunde gegen Rennende diesmal aus. Trotz des lahmenden Ferraris ging der WM-Zähler an Leclerc, dessen Pace bis zum Defekt am Ende schnell genug für die Fastest Lap war.

Formel 1, WM-Stand 2019:

Der WM-Stand: Bottas behält dank seiner schnellsten Runde aus Melbourne die WM-Führung. Einen Zähler trennen ihn von Hamilton. Verstappen liegt mit 27 Punkten an dritter Stelle, dahinter folgen Leclerc und Vettel. Best of the Rest ist Räikkönen mit zehn Zählern. Magnussen, Norris, Hülkenberg und Gasly folgen dahinter.

In der Konstrukteurswertung hat Mercedes mit zwei Doppelsiegen fast die maximale Punktzahl geholt. Lediglich der Bonuspunkt für die schnellste Runde von Bahrain fehlt den Silbernen. Ferrari liegt nach nur zwei Wochenenden bereits 40 Punkte zurück. Red Bull hält dank Verstappen den Anschluss an die Scuderia. Die Ferrari-Kundenteams Alfa Romeo und Haas führen das Mittelfeld an.

Das Wetter: Petrus überraschte die Formel 1 am Renntag mit unerwartet starken Windgeschwindigkeiten von bis zu 25 km/h. Die äußeren Bedingungen für das Flutlichtrennen waren abgesehen davon aus dem 3. Freien Training am Freitag bekannt. Die Außentemperatur lag bei 25 Grad Celsius, der Asphalt bei 29 Grad.

Der Start: Pole-Sitter Leclerc erwischte einen guten Start, doch Vettel kam noch einen Tick besser weg und ritt bei der Anfahrt auf Turn 1 die Attacke. Leclerc verteidigte seine Führung erfolgreich, dahinter schlüpfte Bottas bei Hamilton durch. Im Mittelsektor fehlte Leclerc jedoch der Rhythmus, woraufhin Vettel und Bottas vorbeigingen. Weiter hinten kam es in Kurve zwei zu einem Kontakt zwischen Stroll und Grosjean. Beide mussten nach der ersten Runde zum Reparaturstopp an die Box.

Leclerc reißt Rennen an sich

Der frühe Rennverlauf: Leclerc fackelte nicht lange und holte sich Platz zwei von Bottas gleich zu Beginn der zweiten Runde zurück. Noch ohne DRS saugte er sich im Windschatten an und ging vorbei. Hamilton nutzte Bottas‘ durch den Zweikampf verloren gegangenen Schwung und holte sich Platz drei zurück.

Vettel gelang es an der Spitze nicht auszureißen. Leclerc fuhr die Lücke mit zwei schnellsten Runden in den Umläufen zwei und drei sofort wieder auf unter eine Sekunde zu. Weiter hinten tobte der Kampf zwischen Verstappen und Sainz um Platz fünf. Der McLaren-Pilot attackierte außen in Turn 4 und zog sich bei einer leichten Berührung mit Verstappen einen Plattfuß vorne rechts zu. Der Zwischenfall landete bei den Stewards.

Das Mittelfeld lag in der Anfangsphase extrem dicht beisammen. Zwischen Magnussen auf Platz sechs und Giovinazzi auf Position 15 lagen gerade einmal fünf Sekunden. In Runde fünf kam es zum Showdown zwischen Leclerc und Vettel. Der Monegasse hatte klar die schnellere Pace und startete bei der Anfahrt auf Turn eins mit DRS die Attacke auf den Teamkollegen. Vettel verteidigte innen, doch Leclercs Überschuss reichte um auf der Bremse außen vorbeizugehen. Der Konterversuch von Vettel verpuffte vor Kurve vier.

An der Spitze waren die Positionen damit zunächst bezogen. Im Verfolgerfeld ging das Hauen und Stechen derweil weiter. Renault hatte sich mit Ricciardo auf sechs und Hülkenberg auf acht vom schwachen Qualifying rehabilitiert. Räikkönen lag zwischen dem Duo auf Platz sieben.

Leclerc versuchte an der Spitze die Lücke auf Vettel weiter aufzufahren, doch der 21-Jährige war dabei etwas zu wild unterwegs. Er verbremste sich in Turn zehn, wenige Runden später hatte auch Hamilton in dieser Passage seine Probleme und büßte eine Sekunde ein. Giovinazzi und Kvyat gerieten weiter hinten in Turn 11 aneinander. Der Russe drehte sich in Folge des Zweikampfs.

Ferrari ohne Antwort auf Mercedes-Undercut

Die ersten Boxenstopps: Das Mittelfeld eröffnete in Runde neun das Boxenstopp-Fenster. Räikkönen und Perez wechselten von Soft auf Medium, Gasly ging den entgegengesetzten Weg. In Runde elf kam Verstappen zum Reifenwechsel. Für den Red-Bull-Piloten gab es den Medium-Reifen. Durch den Stopp wurde er auf Platz neun zurückgeworfen.

Mercedes reagierte eine Runde später mit Bottas um den Undercut-Versuch von Verstappen abzuwehren. Mit 2.5 Sekunden lieferte die Boxencrew einen blitzsauberen Reifenwechsel von Soft auf Medium ab, doch es reichte nicht. Bottas fiel hinter Verstappen zurück.

Lelcerc und Hamilton stoppten in Runde 13. Der Leader entschied sich für Medium, bei Hamilton ging Mercedes für den zweiten Stint noch einmal auf Soft. Auf der Rennstrecke knackte Bottas beim Konterversuch Verstappen und holte sich Position fünf zurück. Vettel wechselte in Runde 14 von Soft auf Medium. Trotz einer Standzeit von nur 2.1 Sekunden scheiterte Ferrari daran, den Undercut von Hamilton abzuwehren.

Hamilton auf Soft chancenlos, viel Action im Mittelfeld

Der weitere Rennverlauf: Ricciardo lag in der 15. Runde zunächst auf Platz zwei hinter Leclerc, der Australier hatte jedoch noch nicht gestoppt. Dahinter folgten Boxenstopp-bereinigt Hamilton, Vettel, Bottas und Verstappen. Das Mittelfeld wurde von Räikkönen auf Platz sieben angeführt. Der Iceman hatte Hülkenberg, Giovinazzi und Norris im Schlepptau. .

Grosjean stellte sein Auto in der 17. Runde ab. Der durch die Startkollision mit Stroll entstandene Schaden war offenbar zu groß um noch ein zählbares Resultat einzufahren. In Runde 21 ritt Hülkenberg eine Attacke auf Räikkönen. Der Emmericher ging in mit DRS in Turn 1 am Alfa Romeo vorbei.

Weiter vorne verpuffte Hamiltons Soft-Offensive. Der Weltmeister hatte nach dem Boxenstopp gegenüber Leclerc auf über sechs Sekunden abreißen lassen und klagte über einen schlechten Zustand seiner Hinterreifen. Vettel war in Runde 23 in Schlagdistanz und ging beim Anbremsen auf Turn 4 gleich im ersten Anlauf vorbei. Drei Umläufe später ging es zwischen Norris und Räikkönen zur Sache. Der McLaren-Rookie übernahm Platz sieben.

An der Spitze war in Runde 30 alles unverändert. Leclerc lag acht Sekunden vor Vettel. Hamilton folgte drei Sekunden dahinter, Bottas hatte bereits zehn Sekunden Rückstand auf den Teamkollegen. Verstappen war als Fünfter alleine auf weiter Flur und kämpfte mit seinen Reifen. Die Pace war derart langsam, dass Stroll sich bei ihm entrundete.

Zweiter Mercedes-Undercut ohne Erfolg

Die zweiten Boxenstopps: Nachdem aus dem Mittelfeld bereits Hülkenberg gestoppt hatte, kam Verstappen in Runde 32 ebenfalls zu seinem zweiten Boxenstopp. Red Bull ging auch für den dritten Stint auf Medium. Eine Runde später stoppten Räikkönen und Perez.

Mercedes holte Hamilton im 33. Umlauf für den Wechsel von Soft auf Medium rein. Ferrari reagierte mit Vettel sofort. Diesmal scheiterten die Silbernen mit dem Undercut, doch Hamilton kam bis auf unter eine Sekunde an seinen letztjährigen WM-Rivalen heran. Leclerc absolvierte seinen Boxenstopp eine Runde später. Sein Vorsprung auf Bottas reichte aus um die Führung zu behaupten. Der Finne stoppte in Runde 37.

Schon wieder: Vettel dreht sich im Duell mit Hamilton

Der weitere Rennverlauf: Hamilton biss sich hinter Vettel im DRS-Fenster fest und attackierte den Ferrari-Piloten in der 37. Runde hart. Vettel verteidigte sich im ersten Sektor erfolgreich. Doch Hamilton ließ nicht ab. Einen Umlauf später versuchte er es noch einmal. Bei der Anfahrt auf Turn 4 war Hamilton auf der Außenbahn erfolgreich. Für Vettel endete der Zweikampf im Desaster.

Beim Herausbeschleunigen aus Turn 4 drehte sich Vettel und zerstörte sich die Reifen. Zu allem Überfluss löste sich im Mittelsektor sein Frontflügel. Vettel fiel durch den Reparaturstopp bis auf Platz neun zurück. Obwohl zwischen den Kurven zehn und elf die Wrackteile Vettels verstreut waren, verzichtete die Rennleitung auf eine Neutralisierung.

Hinter dem Aufreger an der Spitze duellierten sich die Renault-Teamkollegen um Platz fünf. Ricciardo touchierte Hülkenberg in Turn 1 leicht am rechten Hinterreifen. Die kleine Auseinandersetzung blieb jedoch ohne Folgen. Dahinter lief die Aufholjagd Vettels. In Runde 43 übernahm er Platz fünf von Hülkenberg.

Ferrari-Defekt zerstört Leclercs Traumsonntag

Die Schlussphase: Ricciardos Einstopp-Strategie wurde in der Schlussphase zum Rohrkrepierer. Der Australier wurde durchgereicht und musste nach Hülkenberg auch Norris und Räikkönen ziehen lassen. An der Spitze bahnte sich in Runde 46 das nächste Ferrari-Debakel an, als Leclerc im Funk über Probleme mit dem Motor klagte. Die Rundenzeiten des Führenden brachen um rund zwei Sekunden ein.

Leclerc war auf den Geraden bis zu 30 km/h langsamer als Hamilton. Der Turbo lief nicht mehr, Hamilton ging in Runde 48 ohne Mühe vorbei. Für Leclerc wurde der Rest des Rennens zum Überlebenskampf. Er verlor bis zu fünf Sekunden pro Runde, Bottas und Verstappen schickten sich an Leclerc noch vor der Zielflagge abzufangen.

In der 54. Runde musste Leclerc seinen zweiten Platz an Bottas abtreten. Einen Umlauf später ging Renaults Rennen den Bach herunter. Hülkenberg und Ricciardo rollten beide zeitgleich in Kurve eins aus und mussten ihre Autos abstellen. Die Rennleitung rief das Safety Car auf den Plan. Der Grand Prix endete daraufhin unter Gelb.

Die Top-Facts des Rennens

  • Hamilton holt ersten Saisonsieg
  • Drama um Ferrari-Youngster Leclerc
  • Vettel scheitert an Hamilton
  • Debakel für Renault

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