Formel 1

Formel 1: Wegen Alfa nur zweite Ferrari-Geige? So reagiert Haas

Mit Saubers Umbenennung in Alfa Romeo werden die Bande des Teams zu Ferrari so eng wie nie zuvor. Schlechte Nachrichten für Haas? Das sagt Teamchef Steiner.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Das Aus des Namens Sauber in der Formel 1 erschütterte in den vergangenen Tagen die Fans des Schweizer Teams. Tatsächlich bleibt der Rennstall aber komplett erhalten und in Besitz der Sauber AG. Einzig der Name ändert sich zu Alfa Romeo Racing. Seit der neuen Kooperation zur vergangenen Saison war Alfa Romeo ohnehin längst Bestandteil des offiziellen Teamnamens.

Berichten zufolge geht das jetzt reine Alfa-Branding - der Verzicht auf den nach 25 Jahren Formel 1 kaum weniger historischen Namen Sauber - jedoch einher mit einer kräftigen Finanzspritze für das Team. Wirtschaftlich und in Folge sicherlich auch im Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit handelt es sich also um eine durchaus gute Nachricht. 'Nur' emotional drückt das Fehlen von Sauber eben aufs Gemüt. Zumindest auf der einen Seite.

Ferraris liebstes B-Team: Jetzt Alfa Romeo statt Haas?

In Italien jedoch glänzt auch diese Seite der Medaille: Endlich ist das einst so große Alfa komplett zurück! Weil der Hersteller wie Ferrari zur Fiat-Chrysler-Familie zählt, werden damit die zuletzt schon engen Bande zum Schweizer Team noch enger gezurrt. Mehr denn je wirkt Sauber, jetzt Alfa Romeo, nun wie ein B-Team der großen Scuderia.

Genau diese Bezeichnung wurde in den vergangenen Jahren schon einem anderen Team zugeschrieben: Haas F1. Der US-Rennstall baut seit seinem Formel-1-Einstieg zur Saison 2016 auf eine technische Partnerschaft nicht nur mit Dallara, sondern auch mit Ferrari. Erst im Vorjahr stieß das manchem Konkurrenten sauer auf - weil der Haas schlicht eine billige Kopie des Vorjahres-Ferrari sei.

Doch wie geht es in dieser Beziehung jetzt weiter? Jetzt, da Ferrari mit Alfa Romeo über ein auch namentlich vorzügliche Alternative aus dem eigenen Haus verfügt? Wird Haas vernachlässigt? Spielt das Team nur mehr die zweite Geige?

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Teamchef Steiner winkt ab. Die Änderungen bei Ferrari würde Haas in keiner Weise treffen, versichert der Tiroler im Rahmen des Launch-Events seines Teams am Donnerstag. "Diese Frage stellen mir viele Leute. Aber wir haben eine sehr stabile Beziehung mit ihnen, technisch, menschlich, finanziell. Es ist sehr stabil", sagt Steiner. Man arbeite schon drei Saisons und durch die Vorbereitungen des F1-Einstiegs insgesamt sogar noch länger zusammen.

Haas-Teamchef: Ferrari-Alfa-Beziehung komplett unabhängig

"Sie respektieren uns, wir respektieren sie und arbeiten sehr gut zusammen", schwärmt Steiner von der Kooperation mit Maranello. Was sich nun zwischen Alfa Romeo bzw. Sauber und Ferrari abspiele sei eine völlig andere und von der eigenen Beziehung unabhängige Baustelle. "Alles was sie mit Sauber und Alfa Romeo machen ist nicht mein Geschäft und sie wissen, dass ich das vollkommen respektiere. Ich funke da nicht dazwischen und bin auch nicht in der Position, Ferrari zu sagen, was sie zu tun haben. Solange wir das bekommen, was sie versprechen und was sie uns bisher gaben, bin ich zufrieden", sagt Steiner.

"Was sie sonst treiben, sollen sie. Es ist so ... ich bin nicht kritisch oder irgendetwas in diese Richtung. Es ist mir ziemlich egal, was sie mit ihnen unternehmen - solange wir weitermachen, wie wir es immer gemacht haben. Und das tun wir", stellt der Haas-Teamchef klar. Keine Veränderungen also für Haas. Außer vielleicht, dass Sauber, jetzt Alfa Romeo, nun zu einem noch stärkeren Widersacher - schon Ende des Vorjahres war Sauber vierte Kraft - wachsen könnte.

Aber: Alfa Romeo jetzt noch stärkerer Haas-Gegner?

Doch auch darin sehe er nichts Negatives. Steiner: "Darauf habe ich keinen Einfluss und darauf will ich auch keinen Einfluss haben, denn wir sind happy damit, was wir bekommen. Alles gut." Ohnehin richtet Haas den Blick vielmehr nach vorne als nach hinten. Das zeigten schon die großspurigen Ansagen des neuen Titelsponsors Rich Energy, sogar Red Bull attackieren zu wollen.

Einen Vorteil im Hinblick auf die neuen Regeln hätte Haas durch die Ferrari-Kooperation hier jedoch nicht. "Da sind wir zu hundert Prozent selbst verantwortlich. Das hat nichts mit Ferrari zu tun. Alle Änderungen waren ja Aero-Änderungen. Front- und Heckflügel, Bargeboards, also müssen wir unseren eigenen Job machen", schildert Steiner.

Mehr Preisgeld & Titelsponsor vs. Ausgaben für Regeln 2019

Ebenso wenig ein Thema sei bei Haas die Namensänderung bei Sauber. Immerhin waren es die US-Amerikaner, die sich im vergangenen Jahr in der Causa Preisgeld für Racing Point querstellten. Abgehakt ist das Thema im Übrigen noch immer nicht. "Das ist jetzt aber völlig anders. Sie haben ja dieselbe Lizenz behalten, also ist es okay. Das hat nichts miteinander zu tun", erklärt der Teamchef.

Für Haas selbst kommt es 2019 unterdessen jedoch auch zu einer erfreulichen Nachricht in Sachen Preisgeld. Durch den starken fünften Platz bei den Konstrukteuren im Vorjahr spült ein größerer Geldsegen denn je in die Kassen der Truppe mit Europa-Sitz in Banbury. Hinzu kommen die Einnahmen durch den ersten Titelsponsor der jungen Teamgeschichte.

"Es ist eine Mischung. Es nicht nur der neue Sponsor, sondern auch, dass wir mehr Preisgeld haben. Aber deshalb stocken wir jetzt nicht gleich auf 500 Leute auf", scherzt Steiner. "Denn wir wissen, dass wir bei unserem Job gerade darin gut sind, effizient zu sein. Und wir haben jetzt etwas mehr Einkommen, aber wir mussten auch etwas mehr ausgeben [durch die Aero-Änderungen im Formel-1-Reglement 2019, Anm. d. Red.]."


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