Formel 1

Vollelektrische Gestaltwandler: McLarens Formel-1-Vision 2050

McLaren ergeht sich in der Formel-1-Winterpause in Gedankenspielen. Und stellt ein F1-Konzept vor: Vollelektrisch, 500 km/h, KI, bewegliche Seitenkästen ...
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - 2019 feiert die Formel 1 beim GP von China das 1000. Rennen ihrer Geschichte. Doch wie sieht die Königsklasse des Motorsports bei ihrem 100-jährigen Jubiläum 2050 aus? Diese Frage hat sich McLaren in der Winterpause gestellt. Jetzt präsentiert McLaren Applied Technologies, die Entwicklungsabteilung der britischen Marke, ihre besonderen und kreativen Vorstellungen für die Formel-1-Zukunft.

Dafür hat sich McLaren alle Aspekte des Sportes angesehen. Die Autos, die Fahrer, die Strecken, die Umgebung, und selbst die Fan-Erfahrung. Am Ende steht ein Konzept eines Formel-1-Autos der Zukunft: Der MCLExtreme, wie ihn McLaren nennt.

McLarens Formel 1 der Zukunft: 500 km/h, vollelektrisch, KI-gesteuert

Beim Konzeptauto für die Formel 1 2050 hat McLaren absolut nichts ausgelassen. Der MCLExtreme. Zuerst einmal vorweg: McLaren sieht die Zukunft vollelektrisch. Die Batterie soll trotzdem klein und handlich sein. Geladen wird sie kabellos. Der mittlerweile eigentlich traditionelle Heckantrieb bleibt aber.

McLarens Formel-1-Konzept reizt alle aerodynamischen Möglichkeiten aus - Foto: McLaren

Beim Chassis schlägt McLaren ein Comeback von aktiver Aerodynamik vor. Momentan gibt es die bis auf das stark eingeschränkte DRS in der Formel 1 nicht. Für das 2050-Konzept geht McLaren dafür aufs Ganze: Etwa sollen Seitenkästen, die ihre Form verändern, Topspeeds bis zu 500 km/h möglich machen. In der Bremszone weiten sie sich, um die Bremswirkung zu verbessern. Außerdem feiert die Unterboden-Aerodynamik ein Comeback, damit wird das Auto von oben sauberer.

Um das komplexe Fahrzeug an die absoluten Leistungsgrenzen zu bringen, will McLaren auf künstliche Intelligenz zurückgreifen. Und zwar exzessiv. Eine Onboard-KI soll die Ingenieure an der Box ersetzen und als Beifahrer fungieren. Sie soll "ihren eigenen" Fahrer individuell kennenlernen, perfekt verstehen und damit alles vorhersehen können. Mittels im Helm integrierten Display kommuniziert die KI mit ihrem Fahrer.

Formel-1-Fahrer der Zukunft: Im Druckanzug, mit integriertem Display - Foto: McLaren

Für die Reifen-Frage hat sich McLaren ebenfalls Gedanken gemacht. Exzessive Reifen-Abnutzung wie in der modernen Formel 1 soll Geschichte sein, stattdessen werden Reifen aus einem Material hergestellt, welches sich selbst regeneriert und aufheizt.

Das Formel-1-Rennen der Zukunft: Breite Strecken, neue Boxenstopps

So ein Fahrzeug-Konzept braucht natürlich eine ganz neue Art von Formel-1-Strecke. McLarens Auto-Konzept würde um einiges radikalere Strecken erlauben. Engere Kurven und extreme Überhöhungen sollen laut McLaren viel kleinere und trotzdem spektakuläre Strecken möglich machen.

Boxenstopps gibt es ohne Tank- oder Reifenwechselbedarf keine mehr. McLaren hat dafür das Konzept einer "E-Pitlane" entworfen. Dort ist schnelleres Aufladen möglich, wodurch sich mehr strategische Optionen ergeben.

Eine Idee für die Formel-1-Strecke der Zukunft - Foto: McLaren

Wer sich jetzt darüber beschweren möchte, dass in dieser Formel 1 der Zukunft der Fahrer ja gar keine Rolle mehr spielt - McLaren hat dafür auch eine Antwort parat. Sogenannte "black out zones" soll es geben. Das sind Zeiten in jedem Rennen, in dem sowohl die KI im Auto als auch die Kommunikation mit der Box komplett abgedreht wird. Dann ist der Fahrer auf sich allein gestellt.

Die Fahrer sollen also nicht vergessen werden. Das will McLaren auch sicherstellen, indem sie die Emotionen des Fahrers durch die Beleuchtung des Autos abbilden. Frustriert? Das Auto leuchtet rot. Und so weiter.

Leuchtende Reifen sollen Emotionen an die Fans weitertragen - Foto: McLaren

Alles nur Träumereien? Oft sind solche Zukunftskonzepte nur kreative Gedankenspiele, auch wenn hinter McLarens Entwurf reale technische Konzeptideen stehen. Doch wer weiß. Vielleicht hören wir 2050 nicht nur wütende Funksprüche über GP2-Motoren - sondern sehen ein paar tiefrot leuchtende Autos am Ende des Feldes.


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