Formel 1

Abu Dhabi für Bottas Sinnbild der Saison: Aus gut wird Scheiße

Valtteri Bottas beendet die Formel-1-Saison 2018 ohne das erhoffte Highlight zum Abschluss. In Abu Dhabi geht schief, was schief gehen kann. Das war los.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mercedes-Pilot Valtteri Bottas hat beim Saisonfinale der Formel 1 in Abu Dhabi den erhofften versöhnlichen Saisonabschluss verpasst. Statt eines Sieges wie noch im Vorjahr fiel der Finne vom zweiten Startplatz bis auf Rang fünf zurück, verlor damit in der WM-Wertung auch noch Platz vier an Max Verstappen von Red Bull Racing. Die F1-Saison 2018 beendet Bottas damit als einziger Fahrer der drei Top-Teams sieglos.

Dementsprechend deutlich fällt sein Fazit zum verkorksten Rennen in der Wüste aus. "Ich denke, dass das Rennen unter dem Strich meine Saison ziemlich gut zusammenfasst: Es ging ganz gut los und dann wurde alles zu Scheiße", so Bottas am Abend in Abu Dhabi.

Verbremser: Vettel, Verstappen, Ricciardo kassieren Bottas

Kein unpassendes Fazit. Tatsächlich ließ sich der Grand Prix vielversprechend für den Finnen an. Nach einem sauberen Start übernahm Bottas nach sieben Runden sogar für knapp ein Fünftel des Rennens die Führung, weil sich Teamkollege Lewis Hamilton unter VSC früh zum Reifenwechsel verabschiedet hatte.

Nach seinem eigenen Service in Umlauf 16 stellte sich die alte Ordnung dann wieder, doch kaum dass sich die Spitzengruppe mit dem letzten Stopp von Daniel Ricciardo in Runde 33 wieder komplett bereinigt hatte, begannen Bottas sämtliche Felle davon zu schwimmen. In Runde 35 verbremste sich der Finne in Kurve fünf. Das öffnete Sebastian Vettel Tür und Tor - oder besser gesagt: Das DRS-Fenster. Nur kurz darauf war der Ferrari vorbei.

Bottas erklärt: Bremsen waren nicht in Ordnung

"Ich dachte erst, dass es nur mein Fehler war - was es im Resultat auch war -, aber der Wind hat sich auch plötzlich gedreht, sodass ich hätte früher bremsen müssen", bewertet Bottas die Szene. Doch damit nicht genug. Auch die Bremsen sollen nicht so mitgespielt haben wie geplant. "Gleichzeitig konnte das Team an der Bremse hinten rechts ein paar Vibrationen verstelle, sodass die vorderen Bremsen das etwas kompensieren musste, was dann natürlich schneller zu einem Verbremser führt", berichtet Bottas.

Bottas musste in die Auslaufzone - Foto: Sutton

Dasselbe sei dann auch in der nächsten Szene geschehen, als Bottas die Schikane in Kurve acht ausließ, Max Verstappen ebenfalls DRS erhielt, kurz darauf in Runde 38 nach einem engen Scharmützel mit leichtem Kontakt vorbeiging. Nur eine Runde später war auch Daniel Ricciardo vorbei, gegen den sich Bottas erst gar nicht mehr zu wehren versuchte. Mercedes legte daraufhin einen zweiten Stopp ein, hatte ohnehin nichts mehr zu verlieren.

Wolff: Keine Bottas-Bewertung, erst Datenanalyse

"Mit den Bremsen müssen wir das allerdings erst noch genau ansehen", meint Bottas. Mercedes-Teamchef Toto Wolff bestätigt dieses Phänomen, verteidigt seinen zuletzt ohnehin schon angeschlagenen Fahrer damit. "Valtteri hatte heute mit den Bremsen zu kämpfen und wir untersuchen noch, woran das gelegen hat. Aber wir konnten sehen, dass die Balance an seinem Auto nicht stimmte. Nach dem Stopp war das Bremsverhalten ziemlich merkwürdig. Bevor ich etwas zu seiner Leistung sage will ich also erst die Daten sehen", so der Österreicher. "Bis dahin war sein Rennen nach Plan verlaufen und er hatte alles gut unter Kontrolle", lobt Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin sogar.

"Nach der Berührung mit Max hatte ich aber auch noch recht großen Schaden am Unterboden und einen schleichenden Plattfuß. Deshalb der Stopp", ergänzt Bottas über den zweiten Wechsel. Einen Vorwurf macht Bottas Verstappen aber nicht: "Aber es war ein guter Zweikampf, hartes Racing. Aber alles war fair", so der Finne.

Bottas: Wollte, dass es vorbei ist

"Die letzten Runden fühlten sich dann so lang an. Ich wollte die Saison nur noch beenden. Jetzt bin ich froh, dass sie vorbei ist. Auch wenn es schön gewesen wäre, wenn die Saison ein besseres Ende gefunden hätte", ergänzt Bottas nach dem nächsten, aber immerhin sicher letzten Rückschlag. "Mental war es eine ziemlich ermüdende Saison. Ich hatte hohe Ziele, aber diese haben sich als unmöglich erwiesen. Damit ist manchmal schwierig umzugehen. Deshalb fühle ich mich momentan etwas geschlaucht. Es fällt mir schwer, viel Positives zu sehen."

Toto Wolff leidet regelrecht mit seinem Fahrer. "Hinter Valtteri liegt eine harte Saison und ich verstehe, dass er enttäuscht ist. Sobald ein Fahrer keine Chance mehr auf die Weltmeisterschaft hat, wird es für ihn sehr schwer", sagt der Teamchef. "Er wird nun über den Winter seine Akkus aufladen und dann im nächsten Jahr gestärkt zurückkommen", hofft der Teamchef jedoch.


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