Formel 1

Formel 1 2019: Dank Reifen-Revolution alles besser!?

Pirelli bringt zur Formel-1-Saison 2019 gänzlich neue Reifen: Bessere Materialien, eine geänderte Konstruktion und neue Mischungen - ist nun alles gut?
von Christian Menath

In Mexiko wurde zum 200. Mal ein Grand Prix mit Pirelli-Reifen gewonnen. Warum das kaum einer mitbekommen hat? Weil die letzten 166 Rennen vom italienischen Reifenhersteller gewonnen wurden. Seit 2011 ist Pirelli Alleinausrüster der Formel 1. Und das ist Fluch und Segen zugleich.

Denn in den Fokus rückt der Reifen dabei nur, wenn er nicht richtig funktioniert oder wenn es Reifenschäden gibt. Kritik gab es in den vergangenen Jahren am Pirelli-Pneu genug. Dabei ist Pirelli dafür gar nicht nur selbst verantwortlich.

"Ich glaube, wir haben von Pirelli die falschen Dinge verlangt", gesteht Mercedes Motorsportchef Toto Wolff und fügt an: "Wir wollten immer weichere Reifen." Zur Formel-1-Saison führte Pirelli deshalb den Hypersoft-Reifen ein. Zusätzlich gibt es seither auch noch den Superhard. So gibt es derzeit allein sieben verschiedene Trocken-Mischungen.

Formel 1 macht Reifen-Kehrtwende: Weicher nicht besser

Weil die Fahrer immer mehr Grip wollten, ging Pirelli 2018 nicht mehr so konservativ wie einst an die Reifenwahl heran. Die Folge waren Rennen, in denen das Reifenmanagement zum bestimmenden Thema wurde. Teilweise fuhren die Piloten im Rennen absurd langsame Rundenzeiten, nur um die Reifen zu schonen.

Das Problem sind die guten Analyse- und Simulations-Programme der Teams. Am Freitag sammeln die Piloten in den Longruns genug Daten, um den Reifenabbau zu verstehen. Die Daten werden in ein Simulationsprogramm gespeist, das die beste Rennstrategie ausgibt. In der Regel ist es schneller, den Reifen stärker zu schonen und dafür nur einen Boxenstopp einzulegen, statt Gas zu geben, dafür aber zweimal zum Reifenwechsel kommen zu müssen.

Blistering war 2018 ein großes Problem - Foto: Sutton

"Bei den Rennen, bei denen wir eine konservativere Reifenwahl getroffen haben, haben wir weniger Reifenmanagement gesehen", gesteht Pirellis Formel-1-Chef Mario Isola. Daraus sollen für 2019 Lehren gezogen werden. Also werden die Reifen wieder härter?

"Nein, das ist nur eines unserer Werkzeuge, mit denen wir das Racing verbessern können", erklärt Isola. Der Plan ist aber, ein anderes Werkzeug einzusetzen. 2019 wird es grundüberholte Reifen geben.

Arbeitsfenster Pirelli-Reifen Formel-1-Saison 2018

Mischung Untergrenze Obergrenze Punkte WM-Rang
Hypersoft 85°C 105°C
Ultrasoft 90°C 110°C
Supersoft 90°C 110°C
Soft 105°C 135°C
Medium 110°C 140°C
Hard 105°C 135°C
Superhard 120°C 145°C

Pirelli legte an der Konstruktion und an den Mischungen Hand an. Neue Materialien kommen zum Einsatz. Dadurch wird die Charakteristik der Reifen gänzlich anders. Um das Überhitzen zu verhindern, wandern die Arbeitsfenster der verschiedenen Mischungen nach oben. "Sie sind schneller und konstanter", verspricht Isola.

Gleichzeitig wird die Lauffläche der neuen Gummis dünner. Einen solchen Versuch gab es schon bei den Rennen in Barcelona, Le Castellet und Silverstone. Auf diesen Strecken ging Pirelli von hohen lateralen Kräften und kaum Verschleiß aus. Deshalb kamen dort Reifen mit 0,4 Millimeter dünnerer Lauffläche zum Einsatz. Der gewünschte Effekt wurde erzielt, die Reifen zeigten geringere Anfälligkeit für Blistering.

Dazu sollen die Delta-Zeiten zwischen den einzelnen Reifenmischungen 2019 höher werden. So sollen - ohne erhöhten Reifenabbau - verschiedene Strategien ermöglicht werden. Um diesen Effekt zu erreichen, übersprang Pirelli in dieser Saison an manchen Wochenenden einzelne Mischungen.

Das soll 2019 nicht mehr nötig sein - und selbst wenn, der normale TV-Zuschauer bekommt davon nicht mehr viel mit. Denn an den Rennwochenenden gibt es nur noch Soft, Medium und Hard. Hinter den drei Namen können sich aber an jedem Wochenende andere Mischungen verbergen, Pirelli will das weiterhin kommunizieren.

Beim Fahrer-Briefing in Brasilien holte sich Isola erneut die Meinungen der 20 Wagenlenker ein. Am Produkt selbst wird es zwar keine Änderungen mehr geben - die Konstruktion wurde bereits homologiert -, doch der Italiener war an der prinzipiellen Richtung interessiert.

In Abu Dhabi haben alle Teams noch die Möglichkeit, alle neuen Reifen zwei Tage lang im Anschluss an den GP zu testen. Das Produkt ist dann zwar schon fertig, aber Pirelli braucht die Daten auch für die Reifenwahl für die ersten Rennen der Saison 2019.

Mercedes: Pirelli kann auch robuste Reifen

"Wir brauchen einen robusten Reifen", fordert Toto Wolff. "Pirelli kann den bauen, aber sie brauchen dafür die richtige Aufgabenstellung." Ob Pirelli das tatsächlich kann, müssen die Italiener nun unter Beweis stellten.

Denn Reifenabbau, Reifenverschleiß und Überhitzen sind unterschiedliche Phänomene. Abbau und Verschleiß waren in der Vergangenheit durchaus Ziele der Formel 1, aber vor allem die Überhitzungsprobleme der sensiblen Reifen sorgten in den letzten Jahren für starkes Management. Und das war nie gewollt.


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