Formel 1

Formel 1, Whiting zu Vettel-Strafe: Job nicht gut genug gemacht

Sebastian Vettels Strafe spaltete in Austin das F1-Fahrerlager. Rennleiter Charlie Whiting erklärt das Verfahren bei roter Flagge und warum es bleiben soll.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettels Strafe am Rennwochenende in Austin sorgte für viel Unmut im Formel-1-Fahrerlager. Selbst die Konkurrenten des Ferrari-Piloten kritisierten die Offiziellen für die Ahndung dessen Vergehens im 1. Freien Training. Für die FIA und F1-Rennleiter Charlie Whiting besteht in diesem Fall allerdings kein Diskussionsbedarf. An Vettels Vergehen bestand für ihn Zweifel.

Vettel hatte bei roter Flagge die festgelegte Deltazeit nicht eingehalten, war gemäß Reglement bei einer Gefahrensituation also zu schnell unterwegs. "Ich denke, unser Ansatz ist einwandfrei logisch", bezieht Whiting in seinem Media Briefing am Sonntagabend gegenüber Motorsport-Magazin.com Stellung.

Vettel hatte beteuert, nach eigenem Ermessen ausreichend verlangsamt und die Situation überblickt zu haben. Gleichzeitig kritisierte er, dass die Stewards dies bei ihrer Entscheidung nicht miteinbezogen, sondern lediglich auf das Einhalten der Deltazeit schauten. Dabei ist genau das Sinn und Zweck der Regel.

Um konstante und nachvollziehbare Entscheidungen treffen und Strafen aussprechen zu können, bietet das Reglement an diesem Punkt schlichtweg keinen großartigen Ermessensspielraum. Letzteres hatte Vettel als gesunden Menschenverstand bezeichnet, den er sich bei der Beurteilung seines Falles gewünscht hatte.

Whiting versteht Regel-Missachtung nicht: Knallrotes Licht nicht zu übersehen

"Wenn das Safety Car oder das VSC draußen ist, wird dir auch gesagt, wie sehr du verlangsamen musst", sagt Whiting, der erklärte, dass es nur naheliegend war, dieses System auch bei roten Flaggen anzuwenden. Etwas, das letztendlich auch der Grund dafür ist, dass die Stewards und Whiting Ausreden nicht gelten lassen.

"Sie scheinen es im Griff zu haben, wenn das Safety Car oder das VSC aktiv ist", macht Whiting klar. "Ich weiß also nicht, warum sich Fahrer nicht daran erinnern. Es ist auch sehr klar. Jedes Lichtsignal zeigt knallrotes Licht an, du kannst das gar nicht übersehen. Er [Vettel] hat in diesem Fall seinen Job nicht gut genug gemacht."

Charlie Whiting bei seinem Media Briefing in Austin - Foto: Motorsport-Magazin.com

FIA stimmte Regel für rote Flaggen mit Formel-1-Teams ab

Hinzu kommt, dass die FIA die Anwendung der Deltazeiten bei roten Flaggen auch nicht im Alleingang entschieden haben will. "Als ich vorschlug, dasselbe für rote Flaggen zu benutzen, hatten die Teams auch das Gefühl, dass es ein sinniger Weg ist", so der Rennleiter. Red-Bull-Teamchef Christian Horner hatte die Regel als Müll bezeichnet - auch, weil mit Daniel Ricciardo in Australien sein eigener Pilot davon betroffen war.

Der Australier brachte gegenüber Motorsport-Magazin.com mehr Verständnis als Vettel für seine Bestrafung auf. "In meinem Fall war es einfach so, dass ich die Regel vergessen hatte. Ich verlangsamte so, wie ich es für sicher hielt, vergaß aber, dass ich mich an die Deltazeit halten muss. Aber es ist eine Regel, also ist es schon in Ordnung", sagt er.

Whiting: Vettel, Ocon & Ricciardo mit Strafen noch gut davongekommen

Genau wie einige Monate später bei Ocon in Suzuka und Vettel in Austin, wurde Ricciardo mit einer Startplatzstrafe von drei Positionen belegt. Mit dieser, so Whiting, seien die Piloten angesichts ihres Vergehens sogar noch gut davongekommen. "Wir hatten Richtlinien für diese Art von Strafen herausgegeben, und wenn jemand bei roter Flagge nicht verlangsamt, ist das etwas Ernstes", sagt Whiting. "In den Richtlinien ist deshalb eine Grid Penalty von fünf Positionen vorgesehen."

Da es sich in den Fällen von Ricciardo und Vettel jedoch nur um Verunreinigungen der Strecke handelten, welche für die roten Flaggen sorgten, ließen die Stewards sogar noch Milde walten. "Sie hatten bei Daniel in Australien schon das Gefühl, dass es nicht zu schwer war [das Vergehen], also sprachen sie eine geringere Strafe aus", erklärt Whiting die mittlerweile gebräuchlichen drei Plätze Rückversetzung.

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Whiting beharrt auf Reglement: Verbindliche Regel ist besser

Ricciardo wiederum war mit seiner Strafe zwar einverstanden, forderte aber wie Vettel, dass "gesunder Menschenverstand manchmal überwiegen sollte." Der Red-Bull-Pilot lobte die Stewards zwar für ihre konsequenten Entscheidungen, fordert aber gleichzeitig: "Generell denke ich, dass niemand von uns dafür eine Strafe erhalten sollte. Wenn ein Auto kopfüber auf der Strecke liegt, ist es natürlich eine andere Geschichte."

Whiting sieht das anders: "Wenn du es dir klipp und klar anschaust, ist es eine üble Sache, bei einer roten Flagge nicht ausreichend zu verlangsamen. Egal, wie du es drehst und wendest", so der Brite, der deshalb auch von Ricciardos Vorschlag, lieber nur eine Verwarnung auszusprechen, nichts hält: "Ich denke, es ist besser eine verbindliche Regel zu haben."

Andernfalls, so fürchtet er, werden die Grenzen des Reglements wieder zu individuell ausgelegt: "Es ist mehr oder weniger wie mit allem anderen, was an den Autos gemacht wird. Sie wollen wissen, wie weit sie es treiben können. Und so haben sie eine klare Grenze, die einfach zu befolgen ist."


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