Formel 1

Formel 1, trotz Pleite 2018: McLaren will Auto nicht begraben

McLaren erlitt in Kanada einen herben Rückschlag. Renault enteilt in der WM zunehmend. Warum das Team den schwächelnden MCL33 trotzdem nicht aufgeben will.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - McLaren kommt in der Formel-1-Saison 2018 einfach nicht vom Fleck. Früh wurde klar, dass der MCL33 weit vom ursprünglich angepeilten Level entfernt ist. Seitdem wird in Woking mit Hochdruck daran gearbeitet, den Boliden von Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne doch noch irgendwie auf Kurs zu bringen - bisher vergeblich. In Kanada erlitt McLaren einen herben Rückschlag

Das Team rutschte im Mittelfeld ganz nach hinten ab. Auf Renault fehlen in der WM aktuell 16 Punkte. Die Sommerpause naht und damit auch die Frage, ob es nicht langsam an der Zeit ist das Auto zu beerdigen und den Fokus auf 2019 zu legen. Schließlich beginnt nun die Zeit, in der viele Teams den Schwerpunkt ihrer Ressourcen auf das nächstjährige Fahrzeug verlagern.

Gerade bei schwächelnden Konzepten wird dazu geneigt, den Stecker zu ziehen und alles auf den Nachfolger zu setzen. "Ich denke, das Auto ist es aus ein paar Gründen wert, weiterentwickelt zu werden", entgegnet McLarens Racing Director Eric Boullier auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com, dass der MCL33 vom Team noch längst nicht abgeschrieben wird.

McLaren MCL33 als Testträger: Plattformfehler für 2019 nicht wiederholen

"Der erste Grund ist zu verstehen was falsch gelaufen ist, um derartige Plattformfehler in der Zukunft nicht zu wiederholen", so der Franzose. Der Rückstand auf Renault und vor allem Red Bull, die beide mit baugleichen Power Units unterwegs sind, zeigt deutlich, dass die Plattform des MCL33 im Direktvergleich hinterherhinkt.

Wenn McLaren mit dem aktuellen Boliden schon nicht in derselben Liga wie Red Bull spielen kann, will man zumindest die Gründe dafür bis ins letzte Detail durchleuchten, um mit dem MCL34 nicht wieder einen Reinfall zu erleben. "Wir arbeiten Vollgas um die Probleme des Autos zu verstehen und zu beheben und beginnen bald mit der mit dem nächstjährigen Auto", so Boullier.

Doch nicht allein um Erkenntnisse für 2019 zu sammeln sollen die Ingenieure des britischen Traditionsrennstalls weiter am MCL33 arbeiten. Bei noch 14 ausstehenden Rennen ist die McLaren-Chefetage davon überzeugt, dass Hopfen und Malz noch nicht verloren ist. "Ich denke, dass noch Zeit bleibt das Auto zu entwickeln", so Boullier.

Formel 1 Kanada 2018: So kam es zum Zielflaggen-Chaos: (07:53 Min.)

McLaren gibt 2018 nicht auf: Besserer Lowspeed-Grip kann Saison retten

Außerdem könne das Verbessern von Teilbereichen bereits einen großen Unterschied machen. "Das Fehlen des Lowspeed-Grips zu beheben könnte einen großen Einfluss auf unsere Performance haben", erklärt Boullier. "Also, ich sehe keinen Grund weshalb wir nicht weitermachen sollten"

Gleichzeitig wird sich das Team bei der bevorstehenden Saisonhalbzeit zwangsläufig auch mit dem Nachfolger beschäftigen müssen. "Wir müssen auch sicherstellen, dass die Entwicklung für nächstes Jahr nicht benachteiligt wird. Es ist eine Balance, an der wir arbeiten", sagt der Racing Director.

Der für den MCL33 hauptverantwortliche Designer Tim Goss musste Ende April aufgrund der anhaltenden Erfolglosigkeit seinen Hut nehmen. "Erst einmal hängt nicht alles von einem Designer ab", holt Boullier aus. "Wir haben hunderprozentiges Vertrauen in die Leute die wir bei McLaren haben."

McLaren CEO Zak Brown: Dinge brauchen ihr Zeit

Dass die schwache Performance 2018 hausgemacht ist, streitet er nicht ab. "Wir können einige der Probleme dem Auto ankreiden, denn natürlich ist es nicht das Auto, das wir erwartet hatten." McLarens CEO Zak Brown erinnert derweil daran, dass der Wechsel der Power Unit ein nach wie vor anhaltender Prozess ist.

"Ich würde sagen, dass wir uns in einem Wiederaufbau befinden und diese Dinge ihre Zeit brauchen", so der US-Amerikaner. "Wir sind im Moment natürlich frustriert, wie man sich vorstellen kann. Wir versuchen an den Defiziten zu arbeiten, Prozesse zu überprüfen, Technologien, Personal. All die Dinge die du machst um ein Team nach vorne zu bringen."

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Möglicher Red-Bull-Wechsel zu Honda als Vorteil für McLaren?

Der Wille zusammen mit Renault zum besten Privatteam im Feld zu werden scheint jedenfalls trotz des holprigen Starts ungebrochen. Zudem bahnt sich bei Gradmesser Red Bull ein Motorenwechsel von Renault zu Honda an. Ein Vorteil für McLaren? "Das wissen wir noch nicht", sagt Boullier.

Doch ein Abwandern des anspruchsvollen und fordernden Red Bull Teams weg von Renault könnte die Position McLarens durchaus stärken, wie er spekuliert: "Wir haben mit ihnen einen Vertrag für mehrere Jahre. Wenn Red Bull zu einem anderen Power-Unit-Lieferanten wechselt, werden sich in Enstone und bei Renault vielleicht Türen für eine besser Kollaboration öffnen."

Auf Star-Fahrer Fernando Alonso wird das Team dabei aller Wahrscheinlichkeit weiter zählen dürfen, denn bisher klang es beim Spanier nicht nach Abschied. "Sie sind für mich das perfekte Paar. Diese Unternehmen stehen für pures Racing. Renault und McLaren sind hier um zu gewinnen. Ich sehe eine glänzende Zukunft für diese Kombination. Die Siege werden kommen, ob dieses, nächstes oder in fünf Jahren", so der zweimalige Weltmeister.


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