Formel 1

Formel 1 2018: 8 Lehren des F1-Saisonstarts in Australien

Der Formel-1-Saisonstart 2018 in Australien lieferte endlich jede Menge Antworten. Beobachtungen zu Mercedes, Ferrari, Red Bull, dem Mittelfeld und mehr.
von Jonas Fehling

Der Renngott ist wieder Vettel-Fan

Was war Sebastian Vettel Ende der Formel-1-Saison 2017 nicht für ein Unglücksrabe. Nach dem Startunfall in Singapur brachte gleich doppeltes Technik-Pech in Malaysia und Japan den Ferrari-Star final um alle WM-Chancen. Doch warte, eigentlich war der Renngott ursprünglich doch mal Vettel-Fan, oder?

Zumindest hätte die eine oder andere enge WM-Entscheidung wie 2010 und 2012 auch ganz schnell mal anders laufen können. Doch lässt sich Glück dem Volksmund nach auch erarbeiten. Genau das hat Ferrari zumindest ein Stück weit in Australien getan. Wie auch immer: Glück oder nicht. Gewonnen ist gewonnen.

Sauber: Rote Laterne auch mit Alfa - noch

Von ganz vorne nach ganz hinten. Noch etwas hat uns der Australien GP gelehrt: Sauber hat jetzt nicht nur ein teils rotes Auto, sondern auch noch immer die rote Laterne. Sogar schlimm sah der Freitag aus. In beiden Auftakttrainings beide Sauber ganz hinten - mit dickem Abstand nach vorne. Das Qualifying sah schon besser aus. Immerhin einen Williams und einen Toro Rosso vermochten Marcus Ericsson und Charles Leclerc zu schlagen.

Trotzdem war damit mindestens ein Fahrer der Konkurrenz-Teams schneller. Im Rennen fiel dann der Schwede aus, Leclerc aber lieferte Grund zur Hoffnung, besiegte Stroll und Hartley. Genau das macht Hoffnung, dass Sauber 2018 die rote Laterne vielleicht erst mal weider hält, aber auch mal weiterreichen kann. Selbst der ausgeschiedene Ericsson sendete ermutigende Signale an alle Fans der Hinwiler: "Ich habe gekämpft, konnte racen, war schneller als der Williams, konnte die Autos um mich herum attackieren. Es ist eine Weile her, dass wir in dieser Position waren. Vielversprechend."

Williams wirklich so schlecht wie gefürchtet

Weniger Aufbruchsstimmung herrscht dagegen bei Williams. Das Team lieferte tatsächlich den befürchtet schwachen Saisonstart. In Grove sieht es genauso dramatisch aus, wie es die schlimmsten Prognosen vorausgesagt hatten. Vor allem Lance Stroll lamentierte herum, beschwerte sich ausdrücklich über seinen Boliden und sogar das Team. Immerhin schaffte er noch Q2. Anders als Sergey Sirotkin, im Rennen dann mit einem unglücklichen Defekt ausgeschieden.

Gut ist die Stimmung nach Melbourne also nicht bei Williams. Was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass schon nach nur einem Rennen in Person von Paddy Lowe auch aus dem eigenen Lager leise Kritik an zumindest einem Fahrer aufkam. Was es bei Williams so in den vergangenen Monaten überhaupt nicht gegeben hatte ...

Haas wirklich so gut wie gedacht

Erfüllt hat sich in Australien aber auch eine positive Prognose. Haas, Underdog der Testfahrten, lieferte Down Under volles Rohr ab. Die Plätze sechs und sieben im Qualifying bescherten Romain Grosjean und Kevin Magnussen doch tatsächlich den klaren Status als erste Kraft hinter den drei Top-Teams. Im Rennen wusste Haas die Pace zu bestätigen. Erstaunlich gut hielten Magnussen und Grosjean mit, ärgerten so selbst Max Verstappen.

Formel 1 2018: Beste F1-Fahrerpaarung: (30:29 Min.)

Diese Leistungen wiederum ärgerten die Konkurrenz: Begeistert war kaum ein Mittelfeld-Team, dass Haas praktisch den Vorjahres-Ferrari abgekupferte. Kam deshalb Karma zurück? Das Rennen endete für Haas bekanntlich mit einem ganz bitteren Fiasko.

Mercedes hat immer noch den Party-Mode

Lewis Hamilton hat ihn bestritten, wollte seine eigene Leistung wohl nicht geschmälert wissen. Doch dass Mercedes im Qualifying den Hahn noch immer eine Runde mehr aufdrehen kann als alle anderen, ist bei eben allen anderen unbestritten. Auch bei Teamchef Toto Wolff himself, der Hamilton gleich einmal widerlegte. Fast sieben Zehntel Vorsprung im Qualifying lassen sich nicht wegdiskutieren - wenngleich der Faktor Hammertime sicherlich auch auf gewisse Weise eine Art eigenen Party-Mode darstellt.

Der Iceman hat noch Feuer

Den dicken Vorsprung fuhr Hamilton im Qualifying auf seinen ersten großen Ferrari-Rivalen seiner Formel-1-Karriere heraus: Kimi Räikkönen. Ja, der Iceman. Da rieben sich so einige im Pressezentrum die Augen. Ausgerechnet der Finne, normalerweise weder bekannt als großer Qualifyer noch Saisonstarter, war plötzlich Zweiter. Vettel geschlagen, Chapeau. Der Grundspeed des Finnen ist also allemal noch da. Passen dann Auto und Bedingungen, kann auch ein 38-Jähriger noch richtig glänzen.

Honda kann doch noch kaputt gehen

Noch mehr rieben sich die Experten schon bei den Testfahrten die Augen. Wie? Acht Tage Test und kein einziger Honda-Defekt? Ist das noch die Formel 1? Ja, ist sie. Ausgerechnet als es nicht mehr nur ums Üben ging, versagte die Power Unit aus Sakura. Pierre Gasly musste nach nur wenigen Runden den Toro Rosso abstellen. MGU-H defekt. Das H steht für Honda.

Formel 1 2018 enger als 2017 - und doch nicht

Abschließend lässt sich selbst nach dem Australien GP das Kräfteverhältnis in der Formel 1 nicht einschätzen. Doch eines hat sich ganz klar gezeigt: Red Bull ist auf jeden Fall gleich zum Start deutlich besser bei der Musik als vor einem Jahr. Dafür wirkte Mercedes irgendwie immer, als ginge da noch was, hätte die Konkurrenz nur mal mehr aufgedreht. Bei Ferrari klang Sebastian Vettel gleich nach dem Zielstrich im Jubel-Funk aber auch danach, als hätte die Scuderia noch so einiges in der Pipeline.

An der Spitze könnte es also noch eng werden. Die fast noch größere Hoffnung für 2018 war jedoch gewesen, dass die Spitze breiter werden könnte. Klingt jetzt etwas nach einem Fußball-Spruch … Aber so war es. Doch Renault gestand bereits selbst in Person von Nico Hülkenberg ein, dass der Abstand eher gewachsen zu sein scheint. McLaren hatte Renault zumindest im Qualifying immerhin noch klar im Griff. Und die wiederum sehen sich eher heute als morgen fast schon auf Red Bulls Niveau. Dazu passt auch, dass Mercedes Bottas' lahme Aufholjagd mit einem stärkeren Mittelfeld begründete.

Also: Ist das Mittelfeld doch näher dran? Ja was denn nun? Nichts Genaues weiß man noch nicht. Doch genau das macht die Formel 1 mindestens in den nächsten Rennen so spannend. Vorhersehbar ist erst einmal nicht viel.


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