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Formel 1

Formel 1 Australien: Erste Trainingsanalyse der Saison 2018

Die Formel 1 ist mit den Trainings endlich in die Saison 2018 gestartet. Wie sieht das Kräfteverhältnis aus? Mercedes, Ferrari oder Red Bull? Die Analyse.
von Christian Menath
Formel 1 2018: Erster Schlagabtausch Vettel vs. Hamilton: (04:01 Min.)

Wirklich überraschend kam es für die meisten Formel-1-Fans ja nicht, dass Mercedes in Person von Lewis Hamilton die Trainings zum Saisonauftakt 2018 in Australien anführte. Doch der Vorsprung war gering: Max Verstappen lag im Red Bull lediglich 0,127 Sekunden hinter Hamilton. Auch Kimi Räikkönen im ersten Ferrari lag auf Rang vier mit 0,283 Sekunden Rückstand nicht besonders weit zurück.

"Wem es vorher noch nicht klar gewesen sein sollte, der weiß jetzt zweifelsohne, dass es an diesem Wochenende sowohl gegen Ferrari als auch gegen Red Bull eng wird", fühlt sich Mercedes' Technikdirektor James Allison bestätigt. Auch wenn Romain Grosjean im Haas in die Top-6 vordringen konnte, im Konzert der großen Drei spielt der US-amerikanische Hersteller noch nicht mit.

Fraglich allerdings, ob die Trainingsergebnisse wirklich so relevant für das Qualifying sind. Auf der einen Seite fürchtet Red Bull noch immer einen Qualifikationsmodus bei Mercedes, obwohl die Ölverbrennung in den Augen der FIA komplett unterbunden wurde.

Immerhin: Die zusätzliche DRS-Zone in Melbourne mindert die Auswirkungen von Red Bulls PS-Defizit minimal. An dieser Stelle hätten wir übrigens gerne die Topspeeds des ersten Trainingstages aufgelistet, allerdings hat die FIA diesen Service 2018 offenbar nicht mehr im Angebot. Weder im Media Center, noch im Internet gibt es die offiziellen Geschwindigkeitswerte.

Ein großes Fragezeichen steht am Samstag außerdem hinter dem Wetter: Das Regenrisiko beziffern die Meteorologen für das 3. Training auf 100 Prozent, für das Qualifying immerhin noch auf 70 Prozent. Sicher jedoch ist ein Temperaturabfall, was auf die die Performance einen gewissen Einfluss haben dürfte.

Übrigens: Bei ähnlichen Bedingungen war die Formel 1 im Jahr 2018 etwas langsamer unterwegs im Albert Park als in der vergangenen Saison. Hamilton fuhr in diesem Jahr mit 1:23,931 Minuten die Freitagsbestzeit, 2017 fuhr er noch eine 1:23,620.

Doch wie sah es beim Saisonauftakt 2018 mit den Longruns aus? Pirelli bringt in dieser Saison weichere Reifen, der Abbau sollte entscheidender werden. Doch der Reifenlieferant griff in Australien noch nicht zu den neuen Hypersoft-Reifen, ging mit Ulrasoft, Supersoft und Soft lieber etwas konservativer heran.

Das hat Auswirkungen. "Theoretisch ist eine Zweistopp-Strategie am schnellsten, aber wir rechnen mit einer Einstopp-Strategie", bestätigte Pirellis Mario Isola Motorsport-Magazin.com. Selbst mit Ultrasoft und Supersoft könnten einige Teams über die die Renndistanz kommen. Tatsächlich wurden die Rundenzeiten mit abnehmender Spritmenge bei einigen sogar auf dem Ultrasoft-Reifen schneller.

Eigentlich wollte Pirelli mit den neuen Reifen Zweistopp-Renne ermöglichen und damit auch mehr unterschiedliche Strategien kreieren. Allerdings liegen die Reifenmischungen im Albert Park dafür zu nah beieinander. Die Delta-Zeit zwischen Supersoft und Ultrasoft beträgt nur 0,2 Sekunden, das Delta zwischen Soft und Supersoft beträgt rund 0,6 Sekunden.

Formel 1 2018, Australien: Die Brennpunkte zum F1-Saisonstart: (05:10 Min.)

"Die Reifen scheinen definitiv nicht die gleichen Schwierigkeiten zu haben, die wir in Barcelona hatten. Dort gab es Blasenbildung, aber hier fühlte es sich viel normaler an", freut sich auch Lewis Hamilton. Des einen Freud', des anderen Leid: Für den Zuschauer wird es zumindest bei der Strategie kein Spektakel. Auch die Pirelli-Analysen sagen, dass es weder Graining, noch Blistering gibt.

Und wie sieht es bei den Longrun-Zeiten aus? Hier kommt tatsächlich Spannung auf: Den schnellsten Longrun auf Ultrasoft fuhr Daniel Ricciardo. Allerdings hatten seine Reifen am Ende nur neun Runden auf dem Buckel. Und: Der Red-Bull-Pilot wird wegen eines Rot-Vergehens um drei Plätze nach hinten versetzt.

Longruns auf Ultrasoft

Fahrer Durchschntl. Zeit Alter Reifen
Ricciardo 1:28,6 9
Grosjean* 1:28,8 12
Hamilton 1:28,8 17
Verstappen 1:28,9 13
Bottas 1:29,0 16
Räikkönen 1:29,0 16
Vettel 1:29,1 19

* Romain Grosjean fuhr seinen Ultrasoft-Longrun mit leerem Tank

Von Romain Grosjeans Ultrasoft-Longrun darf man sich nicht täuschen lassen. Mit einem Durchschnitt von 1:28,8 Minuten liegt er zwar auf Platz zwei, im Gegensatz zur Konkurrenz fuhr er aber den Ultrasoft erst am Ende des Trainings, als das Auto leichter war. Die Top-Teams fuhren ihre Longruns erst auf Ultrasoft, dann auf Supersoft oder Soft.

Bei den realistischen Longrun-Zeiten auf Ultrasoft sieht es nach einem engen Zweikampf zwischen Red Bull und Mercedes aus, Ferrari ist leicht abgeschlagen. Auf den Supersofts gibt es nicht besonders viele repräsentative Zeiten. Hamilton fuhr deutlich weniger Runden als Kimi Räikkönen, die Differenz von 1,0 Sekunden sollte deshalb aufgrund der Benzinmengen wenig Aussagekraft haben. Gleiches gilt für Romain Grosjean, der seinen Supersoft-Longrun antizyklisch früh im Training fuhr.

Longruns auf Soft

Fahrer Durchschntl. Zeit Alter Reifen
Vettel 1:28,2 18
Bottas 1:28,3 16
Ricciardo 1:28,6 18
Verstappen 1:28,7 29

Auf den Soft-Reifen ergibt sich ein interessantes Bild: Mit einem Schnitt von 1:28,2 Minuten setzte Vettel hier die Bestzeit. Valtteri Bottas landete nur eine Zehntelsekunde dahinter, Daniel Ricciardo und Max Verstappen drei, respektive vier weitere Zehntel dahinter.

"Der Longrun war besser als meine schnelle Runde", meinte auch Sebastian Vettel selbst. "Es ist ein bisschen schwierig, mit Verkehr und dem wechselndem Rhythmus, aber auf mehreren Runden habe ich mich ein bisschen wohler gefühlt."

Fazit: Die Top-Teams liegen enger beieinander als erwartet. Auf eine Runde scheint Mercedes noch einen Vorteil zu haben, vor allem im Qualifying ist das zu befürchten. Im Renntrimm sind auf dem Ultrasoft kaum Unterschiede zwischen Mercedes und Red Bull zu erkennen, Ferrari hinkt etwas hinterher. Lediglich auf dem Soft kann Ferrari überzeugen, Red Bull dafür weniger. Weil sich Mercedes keine Schwäche zu erlauben scheint, sind die Silberpfeile vor Red Bull weiterhin Top-Favorit.


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