Formel 1

F1-Test, Räikkönen nach Hamilton-Ansage: Ferrari kann schneller

Kimi Räikkönen macht den Formel-1-Fans zum Ende der Testfahrten Mut, dass Ferrari Mercedes auch 2018 zum Tanz bitten kann: Auch Ferrari könne schneller.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen hat zum Abschluss der Formel-1-Testfahrten in Barcelona, genau zwei Wochen vor dem F1-Saisonstart 2018 in Melbourne, Australien, nicht nur die letzte Tagesbestzeit der gesamten Wintertests erzielt, sondern kurz darauf auch indirekt auf eine Pace-Ansage des Weltmeisters Lewis Hamilton reagiert.

Der Mercedes-Champion hatte die Konkurrenz am Vorabend regelrecht vor den eigenen Möglichkeiten im Mercedes W09 gewarnt. Schon der alte Silberpfeil sei großartig gewesen, aber der neue noch viel besser, so Hamilton. Noch dazu interessierte sich der Brite keine Spur für den neuen Streckenrekord durch Sebastian Vettel. "Ich weiß nicht, ob das schnell ist, ist auch völlig egal. Es zählt das Q3 in Melbourne - wenn alle zum gleichen Zeitpunkt mit leeren Tanks fahren. Wir haben hier nicht abgetankt ...", warnte Hamilton.

Kimi Räikkönen sicher: Auch Ferrari kann noch nachlegen

Doch Kimi Räikkönen, einen Tag später bis auf 0,039 Sekunden zeitgleich mit seinem Ferrari-Teamkollegen und damit im kombinierten Ergebnis aller Testtage Zweitschnellster hinter Vettel, spielt den Ball zurück. "Ich bin sicher, dass wir schneller fahren könnten wenn wir wollten. Aber es bedeutet hier sowieso nichts. In zwei Wochen wird jeder wissen, wo alle sind", sagt der Iceman.

Blendet Räikkönen mit dieser Aussage nicht nur, zündet Nebelkerzen, so kann das fast nur eines bedeuten: Auch Ferrari hat den SF71H noch nicht ganz abgetankt, keine reinen Showzeiten hingelegt. Durch weichere Reifen kann Ferrari nämlich keine Zeit mehr finden. Sowohl Vettel als auch Räikkönen nutzen für ihre schnellsten Runs bereits den neuen Hypersoft, also die weichste Mischung im Pirelli-Sortiment. Bleiben also nur noch Spritladung und Motormappings.

Ferrari im Shortrun auch bereinigt noch vorne

Mercedes dagegen erzielte seine schnellsten Runden der Testfahrten mit den Ultrasofts. Weil Pirelli inzwischen Delta-Daten genannt hat, lassen sich die Ferrari- und Mercedes-Werte jetzt besser in Relation setzen. Sieben bis acht Zehntel soll die Differenz zwischen Ultra- und Hypersoft betragen.

Formel-1-Boliden 2018: Ferrari, Mercedes & Co im Technik-Check: (09:16 Min.)

Rechnet man den Mittelwert dieser Werte auf die Ferrari-Zeiten hinzu, so kommen Vettel wie Räikkönen auf hohe 1:17er-Zeiten. Damit ist das rote Duo sogar noch immer vier bis sechs Zehntel schneller als die besten Zeiten der Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas und Lewis Hamilton (vgl. Tabelle).

Die erzielten ihre Bestmarken in Barcelona allerdings schon am Mittwoch, konzentrierten sich am Donnerstag und Freitag - als Ferrari die absoluten Bestzeiten setzte - einzig auf Longruns und Rennsimulationen. Weil sich der Circuit de Barcelona-Catalunya im Lauf der Woche sukzessive verbesserte, könnten also allein die Streckenbedingungen schon für den verbleibenden Ferrari-Vorsprung verantwortlich zeichnen.

Fahrer Bestzeit Tag Reifen Rückstände reifenbereinigt
(0,75 Sek Delta HS vs. US)
Sebastian Vettel 1:17.182 DO Hypersoft
Kimi Räikkönen 1:17.221 FR Hypersoft 0,039 0,039
Lewis Hamilton 1:18.400 MI Ultrasoft 1,218 0,468
Valtteri Bottas 1:18.560 MI Ultrasoft 1,378 0,628

Blickt man deshalb nur auf den Mittwoch und errechnet dort Reifen-bereinigte Zeiten, so sind Mercedes und Ferrari plötzlich fast exakt gleichschnell. Vettel fuhr am Mittwoch auf Soft 1:19.541, Mercedes auf den genannten Ultrasofts 1:18.4 und 1:18.6. Das Delta zwischen diesen Mischungen: eine Sekunde. (Eine detaillierte Testfahrten-Analyse lesen Sie am Wochenende auf Motorsport-Magazin.com)

Ferrari im Longrun-Nachteil? Kimi: Nicht voll aufgedreht

Das alles bezieht sich allerdings nur auf Bestzeiten. Ein ganz anderes Thema sind die Longruns - und da hinterließ Mercedes zumindest am Donnertag den klar stärksten Eindruck aller Formel-1-Teams. Doch Räikkönen meint, Ferrari habe bei den eigenen Simulationen noch überhaupt nicht ganz aufgedreht. "Wir haben natürlich viel dabei gelernt, aber noch nicht wirklich nur auf den Speed geschaut", berichtet der Ferrari-Routinier.

Weder dem einen noch dem anderen Programm - ob Longrun oder Shortrun - misst Kimi Räikkönen allerdings große Aussagekraft bei. "Mein Gefühl ist ganz gut, ich bin damit recht zufrieden. Insgesamt haben wir ein starkes Paket. Wir können aber noch einige Dinge verbessern. Aber das kannst du immer, auch wenn du mit einem Auto gewinnst", sagt der Finne. "Aber wir sehen erst in zwei Wochen, wo wir alle stehen. Noch ist es ein Ratespiel."


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