Formel 1

Formel 1, Ricciardo nach Rekord: Mercedes nur noch knapp vorne

Red Bull fuhr bei den Testfahrten einen neuen Rundenrekord. Trotz Reifenvorteil ist Ricciardo überzeugt: Sind an Mercedes dran. Ferrari bleibt Fragezeichen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo pulverisierte bei den Testfahrten für die Formel-1-Saison 2018 Ferraris Uralt-Rekord auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Doch viel wichtiger: Der Australier stellte auch im aktuellen Vergleich Mercedes und Ferrari in den Schatten. Die WM-Mission der Bullen kommt ins Rollen.

"Wir reden glaube ich nicht mehr von sechs bis acht Zehnteln, wie zur selben Zeit im letzten Jahr", so Ricciardo nach dem sechsten der acht offiziellen Pre-Season-Testtage in Barcelona. Mit 1:18.047 Minuten nahm er Weltmeister Lewis Hamilton dreieinhalb Zehntel ab. Ferrari-Speerspitze Sebastian Vettel landete sogar anderthalb Sekunden hinter ihm.

"Im letzten Sektor ist noch eine Zehntel drin. Die 1:17-Minuten-Marke hätte ich knacken können", erklärt der 28-Jährige, dessen silberner Verfolger auf Ultrasoft und damit bei den Reifenmischungen eine Stufe härter unterwegs war. Ricciardo macht sich nach seiner Hypersoft-Runde keine Illusionen. Er ist sicher, Mercedes kann noch mehr.

"Mercedes sieht immer noch sehr schnell aus. Ich denke, die paar Zehntel kamen schon vom Reifen. Außerdem, wenn sie sich entscheiden ihren Qualifying-Modus zu benutzen - der kann auch noch etwas mehr als unserer", so seine realistische Einschätzung. "Wenn alle unter denselben Voraussetzungen fahren würden, hätten sie dem Rest noch ein bisschen voraus - aber nicht viel. Das ist positiv."

Die Konkurrenz aus Maranello mag der Strahlemann aus Perth aber noch nicht so richtig einschätzen. "Ich weiß noch nicht, wo Ferrari ist. Ich bin mir sicher, dass Mercedes nur gerade so noch vor uns ist. Bei Ferrari könnte es sein, dass sie im Moment auf unserem Level sind", spekuliert er.

Ricciardo: Red Bull wie letztes Jahr, nur besser

So oder so ist das Team mit dem RB14 voll auf Kurs. "Ich fühle, dass die Balance ähnlich ist wie letztes Jahr. Nur da wo das Auto letztes Jahr schon gut war, ist es jetzt noch besser. Unsere Stärken sind stärker geworden, zum Beispiel im letzten Sektor, wo viel Traktion gefragt ist. Dort fühlt sich das Auto sehr stark an", erklärt der fünfmalige GP-Sieger. Auch die schnellen Kurven, wie zum Beispiel Turn 9, bereiten derzeit keine Probleme.

"Ich kann da gar nicht schneller fahren, denn ich fahre schon Vollgas! Mein Nacken will da immer in die Tribünen fliegen", scherzt Ricciardo. "Sobald du den Hypersoft drauf hast, lenkst du einfach nur ein und hältst dich fest. Der Grip und der Anpressdruck dieser Autos ist beeindruckend. Vor ein paar Jahren mussten wir für die Kurve noch herunterschalten, jetzt geht sie einfach so mit Vollgas."

Beim Vorgänger, dem RB13, war von Anfang der Wurm drin. Das Team hatte bei der Entwicklung den Bogen überspannt, kam mit einem kaum ausgereiften Auto zu den Testfahrten und schaffte es nicht, den Boliden bis zum Saisonstart auszusortieren: "Wir haben jetzt eine gute Basis. Wir sehen zwar noch Schwächen, aber an denen arbeiten wir jetzt", sieht Ricciardo deutlich bessere Vorzeichen für eine Attacke auf die Weltmeisterschaft.

Formel-1-Autos 2018 im Technik-Check: Red Bull RB14: (02:27 Min.)

Kranker Ricciardo pfeift aus dem letzten Loch

Der Mittwoch war aber nicht nur wegen der Bestzeit ein guter Tag für die Bullen. Auch das Pensum von 165 Runden war alles andere als selbstverständlich. "Wir hatten so viele Runden geplant, aber ich habe am Anfang darüber gelacht. Ich war mir nicht sicher, ob wir das schaffen. Meistens kommt etwas dazwischen", so Ricciardo, aus dessen Stimme noch die Erkältung herauszuhören war, die ihn am Dienstag lahmgelegt hatte.

Die erstaunlich gute Zuverlässigkeit belehrte ihn eines Besseren: "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich jetzt noch vor Kraft strotze. Eigentlich pfeife ich aus dem letzten Loch. Aber wir sind durchgekommen und es war ein guter Tag. Wenn die Rundenzeiten so schnell sind, setzt das etwas Adrenalin frei, das dich durchbringt."

Ricciardo spulte von Qualifying-Runs über Rennsimulationen inklusive Boxenstopp das volle Programm ab. "Wir haben eine ganze Reihe von Runs gemacht. Die Änderungen am Auto haben alle geholfen, mehr Vertrauen aufzubauen. Die Streckentemperatur war anständig, so konnten wir endlich richtig testen", so Ricciardo

Bei seinem Longrun auf Medium-Reifen waren die Bedingungen dennoch nicht optimal - jedenfalls nicht für den Pneu: "Für den Medium ist es immer noch ziemlich kalt. Selbst wenn er abbaut, fühlt er sich noch kalt an. Du hörst ihn auf der Oberfläche rattern, in den langsamen Kurven jault er. Aber es war in Ordnung, wir sind sowohl bei den Short- als auch den Longruns im grünen Bereich."


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