Formel 1

Formel-1-Zeugnis: 2017er Autos im schonungslosen Check

Die Formel 1 führte 2017 neue Technik-Regeln ein. Ist die Operation geglückt? Waren die Autos 2017 die schnellsten und besten?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - In den ersten 20 Teilen des MSM-Adventskalenders mussten sich die Formel-1-Piloten des Jahrgangs 2017 unserer Kritik unterziehen. Weil es unfair wäre, Jenson Button, Antonio Giovinazzi, Pierre Gasly und Brendon Hartley nach ihren Kurzeinsätzen zu bewerten, haben wir uns für die letzten vier Türchen etwas Spezielles einfallen lassen. Tag 22 bringt uns zur Technik der Formel Saison 2017. Haben die neuen Autos gehalten, was sie versprochen haben?

Die Ziele: Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten wurden die Regeln geändert, um die Formel 1 schneller zu machen. Normalerweise mussten die Regelhüter die Autos immer wieder einbremsen, weil sie zu schnell und damit auch zu gefährlich wurden. Nach schwierigen Jahren für die Rennserie sollten die Autos wieder optisch aggressiver und schneller werden. Außerdem soll der Fokus wieder stärker auf den Fahrern liegen. Die Spreu soll sich vom Weizen trennen.

Optik: Bei den ersten Präsentationen kamen wir aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Breite Reifen, breite Autos, richtige Flügeldimensionen - die Zutaten sind perfekt. Allerdings gab es auch kleinere Schönheitsfehler: Die Haifischflossen sind nicht jedermanns Sache und die T-Flügel können niemands Sache sein. Über die Saison wurden die T-Flügel immer schlimmer. Auch bei den Nasen gibt es weiterhin Potential nach oben. Allerdings ist es nach den letzten Jahren Jammern auf hohem Niveau. Der Toro Rosso geht als eines der schönsten Autos in die Formel-1-Geschichte ein.

MSM-Note Optik: 2

Performance: Die Autos sollten im Vergleich zu 2015 um fünf Sekunden schneller werden. Als Referenz sollte Barcelona dienen. Rosberg holte sich die Pole damals in 1:24,681 Minuten. 2017 stand Hamilton mit 1:19,149 auf Pole. Mit 5,5 Sekunden liegt die Formel 1 damit voll im Soll. Fast auf allen Strecken wurden in dieser Saison absolute Rundenrekorde aufgestellt. Das Regen-Qualifying in Monza verhinderte leider das spannendste Duell, weil sich dort die neuen Autos nicht so stark auswirken. In schnellen Kurven wie Pouhon oder Turn 3 in Barcelona waren die Autos um mehr als 30 km/h schneller!

Der STR12 war eine Augenweide - Foto: Sutton

Es ging aber nicht nur um die Performance auf einer Runde. Die war auch schon zuvor beeindruckend. Durch die neuen Pirelli-Reifen konnten die Fahrer endlich auch wieder im Rennen etwas mehr Gas gegeben. Trotz Nachtankverbot fielen auch einige Rekorde bei den schnellsten Rennrunden. Für die Fahrer war das zuvor der größte Kritikpunkt.

MSM-Note Performance: 1

Fahrer: Einige Kritiker argumentierten vor der Saison, mehr Grip und mehr Abtrieb würde die Formel 1 einfacher machen. Diese Ansicht wurde relativ schnell widerlegt. Bei den Testfahrten gab es zahlreiche Fahrfehler, vor allem Formel-1-Rookie Lance Stroll zeigte, dass der Umstieg in die Königsklasse nicht mehr so einfach ist.

Tatsächlich gab es 2017 größere Unterschiede zwischen den Piloten. Bei Renault fuhr Nico Hülkenberg Jolyon Palmer erst um die Ohren und beendete mit einem 16:0 Qualifying-Erfolg schließlich die Formel-1-Karriere des Briten. Trotzdem ist das Auto auch heute noch deutlich wichtiger als der Fahrer. "Der Fahrer steht ein bisschen mehr im Mittelpunkt, aber wirklich nur ein bisschen", meint Jacques Villeneuve bei Motorspot-Magazin.com. "80 bis 90 Prozent macht noch immer das Auto aus", stimmt Grosjean zu.

MSM-Note Fahrer: 3

Kritiker werden der Formel 1 jetzt vorwerfen: Was ist mit Überholen? Tatsächlich war es kein Ziel des aktuellen Reglements, Überholen zu vereinfachen. Ganz im Gegenteil, man wusste von Anfang an, dass das Risiko hoch sein würde, dass Überholen noch schwieriger wird. Der offensichtlichste Grund: Wenn ein Auto 20 Zentimeter breiter ist, sind es bei zwei Autos 40 Zentimeter. Man braucht schlichtweg mehr Platz.

Außerdem war klar, dass die Autos aerodynamisch anfälliger für Luftverwirbelungen sein werden. Tatsächlich gingen die Überholmanöver drastisch zurück. Gab es 2016 noch durchschnittlich 69 Überholmanöver pro Rennen, sank dieser Wert 2017 auf 42. Allerdings sank der DRS-Anteil von 35 Prozent auf 32 Prozent. Die Qualität der Überholmanöver stieg, nicht nur wegen des DRS-Anteils: 2017 gab es neun Überholmanöver für Platz eins, 2016 nur zwei. Durch die neuen Reifen und die verbesserten Recover-Eigenschaften sah 2017 zwar weniger Überholmanöver, dafür aber bessere und längere Zweikämpfe.

MSM-Gesamtnote: 2


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